Das eckige runde Fahrrad ohne Räder oder Das Ärgernis mit den Formatvorgaben

Wann immer es meine Zeit erlaubt und ich etwas Passendes finde, nehme ich an Schreibwettbewerben teil. Das macht Spaß, ist eine tolle Übung und auch mal eine nette Abwechslung zur Arbeit an einem ganzen Roman.

Was ich NICHT MEHR mache ist an Ausschreibungen teilzunehmen, von denen ich nichts habe. Meine Geschichte wird im Erfolgsfall veröffentlicht? Juchu, das kann ich auch selbst: Hier im Blog, via Facebook oder sonstwas, herzlichen Dank!
Gerade berufsjunge Autoren und Autorinnen werden gern mit „Referenzveröffentlichungen“ geködert und ja, sowas macht sich natürlich gut im Lebenslauf, ABER … wenn man darüber nachdenkt, ist es doch eine ziemliche Frechheit, jemandes Träume und Wünsche auszunutzen und ihn für lau für sich arbeiten zu lassen.
Wer anderer Meinung ist, kann das gerne mit einem anderen Beruf, etwa dem eines Handwerkers vergleichen: Würden Sie, liebe Anthologieausschreiber ohne Honorarzahlung*, auch den Elektriker fragen, ob er nicht einfach umsonst rumkommt und den Herd anschließt? Nein? Wieso denn nicht? Weil der Ihnen etwas husten würde? Und wenn Sie ihm sagen würden, dass Sie sich das nicht leisten können auch? Na sehen Sie …

(*Keine Regel ohne Ausnahme natürlich.)

Zum Glück gibt es aber auch anständige Ausschreibungen, wenn sie auch im Bereich der „Unterhaltungsliteratur“ eher dünn gesät sind …

Viele dieser Ausschreibungen und Schreibwettbewerbe treiben mich aber regelmäßig in den Wahnsinn. Nicht wegen der vorgeschriebenen Themen oder Genre, sondern wegen ihrer saudämlichen (entschuldigt bitte, aber manchmal muss man die Dinge einfach beim Namen nennen) formalen Anforderungen.

Als da wären:

  • „Die Geschichte sollte einen Umfang von X Seiten nicht überschreiten.“

Eine DIN A4-Seite umfasst bei der Schriftart Times New Roman, Schriftgröße 12 Pkt. und 2 cm-Seitenrändern 4.003 Zeichen inklusive Leerzeichen. Ungefähr, aber dazu später mehr. Nutze ich diese Schriftart Courier New, sind es bei gleicher Schriftgröße nur noch 3.550 Zeichen. Knapse ich die Ränder um jeweils einen halben Zentimeter ab, sind es immerhin 3.904 Zeichen. Vollgeschrieben und ohne Absätze und Zeilenumbrüche. Die kann – und sollte man – natürlich nutzen. Ein Brief, den ich die Tage geschrieben habe, kommt da – DIN A4-Seite, 2 cm-Seitenränder – beispielsweise nur auf 2.104 Zeichen.
WENN man also eine Vorgabe in Seitenlängen macht, DANN doch bitte ETWAS genauer!

Zum Glück, so sollte man meinen, gibt es die Normseite. Die Normseite ist definiert als eine Seite mit 30 Zeilen zu je 60 Anschlägen, also 60 Zeichen inklusive Leerzeichen. Soweit, so gut.
Diese wunderbare Erfindung, dieses in der Buchwelt absolut gängige und bekannte Format, wird dann aber wieder von zahlreichen Ausschreibern ad absurdum geführt:

  • „Der Text soll 10.000-12.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) und nicht mehr als 7 Normseiten umfassen.“

Ähm. Nun gut, ich rechne das mal aus: 10.000 Zeichen ergeben – theoretisch – 6 Normseiten, 12.000 Zeichen ergeben 7 (6,666). So weit so gut?
Nein, weil es völliger Blödsinn ist! NATÜRLICH könnte ich meine Geschichte, die 11.798 Zeichen umfasst, jetzt in 6 Normseiten quetschen. ODER ich könnte sie schön und vor allem SINNVOLL formatieren, eben mit Zeilenumbrüchen und Absätzen!
Liebe Ausschreiber: Bei einem solch völligen Quark müsst Ihr Euch nun wirklich nicht wundern, wenn ihr so unförmiges Zeug bekommt wie

„Ich will“, sagt er. „Ich nicht.“ Er kann es nicht fassen. Am nächsten Tag …

Denn für sowas hier:

„Ich will“, sagt er.
„Ich nicht.“
Er kann es nicht fassen.

Am nächsten Tag …

ist ja kein Platz!

Es gibt viele gute Gründe, die Länge eines Beitrages in Seitenangaben anzugeben – aber dann lassen Sie bitte diesen Zeichenquatsch da raus!

Eine weitere „Lieblingsvorgabe“ von mir ist die Kombination zwischen der Normseitenvorgabe und einer jener Schriftarten, bei der die Buchstaben unterschiedlich viel Platz haben:

  • „Der Text sollte 4 Normseiten zu je 30×60 Anschlägen umfassen. Bitte in Times New Roman 12 pt formatieren!“

Wer sich mit Schriftarten nicht auskennt, erkennt im besten Falle nicht, worin der Fehler besteht. Im schlimmsten Fall treibt ihn diese Vorgabe in den Wahnsinn. Denn: Bei der Schriftart Times New Roman sind nicht alle Buchstaben gleich groß!
Was erstmal logisch klingt erweist sich als unmögliche Aufgabe: Es ist nicht (!) möglich, in dieser Schriftart eine gescheite Normseite zu produzieren, denn die Anzahl der Zeichen pro Zeile wechselt mit jeder Zeile!
Ich habe das für Euch mal ein bisschen veranschaulicht:

Falls Ihr also je daran verzweifelt seid, eine Normseite einzurichten: Daran könnte es gelegen haben!

Interessant wird es auch, wenn einem so ziemlich alles vorgeschrieben wird – außer den Seitenrändern!

  • „Der Text sollte 5 Normseiten (30 mal 60 Anschläge, max. 1800 Zeichen, Times New Roman, 12pt, Zeilenabstand 1,5) nicht überschreiten.“

Der Einfachheit halber – siehe oben – ändere ich das jetzt mal auf Courier New 11pt um:

  • „Der Text sollte 5 Normseiten (30 mal 60 Anschläge, max. 1800 Zeichen, Courier New, 11pt, Zeilenabstand 1,5) nicht überschreiten.“

Mir wird also alles vorgeschrieben – nur wie mache ich das?
Ganz einfach: Ich stelle die Schriftart und -Größe und den Zeilenabstand ein. Und dann habe ich ein Problem, denn: Welche Seitenränder soll ich benutzen?

Ich demonstriere das einmal anhand meiner Kurzgeschichte „Der Zweifel“, die Ihr hier lesen könnt. Ich benutze keine spezielle Autorensoftware, sondern ein einfaches Schreibprogramm. Daher hat mein Text die voreingestellten Seitenränder 2 cm. Der Zeilenabstand beträgt 1,5 und die Schrift ist Courier New 11pt.

Jetzt möchte ich das Ganze in das obige Format bringen und erweitere – was soll ich sonst auch machen? – die Seitenränder.
Nach einigem Ausprobieren lege ich die Seitenränder auf je 3,5 cm fest und erhalte so 60 Anschläge pro Zeile – so weit so gut. Fehlen ja nur noch die 30 Zeilen, also geht es den oberen und unteren Seitenrändern an den Kragen.
Ränder von 3,5 cm oben und unten bringen meinen Text auf 34 Zeilen pro Seite. Zu viel. 5 cm oben und unten bringen schließlich die Lösung und fertig ist die Normseite.

Das muss sich aber bitteschön jeder selbst zurecht fukkeln. Wäre es wirklich so schwer, liebe Ausschreibende, wenn Sie das einmal für sich machen und dann mit angeben würden? Was würden Sie uns das Leben erleichtern, wenn Sie uns die zu Ihren sonstigen Vorgaben passenden Seitenränder gleich mit vorgeben würden!

Man soll ja nun bloß nicht glauben, dass man das einmal durchmachen muss und dann hätte man es für immer geschafft, weit gefehlt! Denn dann kommt auch schon die nächste Ausschreibung mit den Vorgaben:

  • “ … 8-10 Normseiten (30 mal 60 Anschläge, Courier New, 11pt, doppelter Zeilenabstand).“

Oder um ein bisschen Schwung reinzubringen:

  • „… zwischen 12 und 15 Normseiten (Schriftart Courier New, 13pt, doppelter Zeilenabstand.)“

Also nochmal: Entweder, liebe Ausschreibende, Sie überlassen alles uns und geben nur eine Zeichenanzahl ODER eine Normseitenzahl vor, oder Sie geben wirklich alles bis hin zu den Seitenrändern vor, das wäre prima!
Und ja, das geht, wie etwa die Leute vom Blogq5 beweisen:
https://blogq5.de/autoren-2/normseiten-warum-brauche-ich-das-ueberhaupt/

(Wer generell Hilfe beim Erstellen einer Normseite braucht, findet per Suchmaschine zahlreiche Anleitungen und auch Vorlagen zum kostenlosen Download wie etwa bei Autor und Schreibcoach Ronny Rindler: https://www.rindlerwahn.de/normseite/)

Ich kann garnicht sagen, wie viel Zeit Kollegen, Kolleginnen und ich schon mit solchen Formatsfukkeleien verschwendet haben!

Und manchmal finde ich dann doch den Beweis – das kann ja unmöglich ernst gemeint sein – dass auch Schreibwettbewerbsausschreiber über Humor verfügen:

  • „Textlänge: Maximal 5 Seiten in Schriftgröße 12“
  • „Der Text sollte dem gängigen Umfang einer Kurzgeschichte entsprechen.“

Oder meinen die das doch ernst …?

 

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Ein interessantes Gespräch

… hatte ich die Tage mit der wunderbaren Autorin und Redakteurin Astrid Korten vom Online-Magazin „FRAUENPANORAMA„.
Ich lernte diese wunderbar elegant, sympathische und kluge Frau auf der Langen Lesenacht kennen und schätzen.
Astrid hat schon zahlreiche Bücher geschrieben; vor allem ihre ausgezeichneten Thriller, die bei Lovelybooks (dort wurde sie von den Lesern und Leserinnen nach Sebastian Fitzek auf Platz 2 der besten deutschsprachigen Suspense- und Thrillerautorn/Innen gewählt), Thalia&Co. stets auf den oberen Rängen landen.
Und: Astrids „Die Zeilengötter“, für das sie auch das Drehbuch verfasste, wird in Hollywood verfilmt!!!!
Wer neugierig ist: Hier geht`s zur Leseprobe:
LESEPROBE
Wahnsinn, ich bin so gespannt darauf – bald werde ich „Die Zeilengötter“ lesen und dann berichten. 🙂

Jetzt freue ich mich aber erstmal, von Astrid so wunderbare Fragen gestellt bekommen zu haben. Es hat sehr viel Spaß gemacht, liebe Astrid, die Fragen waren teilweise ganz schön kniffelig!

Hier der Links zum Interview, viel Spaß dabei! 🙂
https://frauenpanorama.de/monika-loerchner-mit-fantasy-werte-vermitteln/

Herzklopfen

Es ist ein wenig ruhig geworden hier, aber hinter den Kulissen ist es dafür umso emsiger.
Kennt ihr das, wenn es nach Frühling riecht und etwas ganz Neues ansteht?
Genauso ist es hier gerade: Gleich drei tolle Projekte hüpfen und tanzen vor mir herum und ein jedes möchte zuerst an der Reihe sein.

Was „Hexenherz II“ anbelangt, war ich sehr fleißig, Ihr dürft gespannt sein, es gibt wieder viel zu erleben … Dieses Mal allerdings nicht mit Helena als Erzählerin, sondern mit einer anderen Person, die jeder „Hexenherz – Eisiger Zorn“-Leser bereits kennt (einige Leser werden sicher erleichtert sein, dass dieser Erzähler weit weniger oder zumindest etwas galanter flucht als Helena, :D)

Drei tolle Projekte stehen bei mir an, von denen eins sicher ist, eins so gut wie sicher und eins, nun, leider nicht von mir allein realisiert werden kann und daher der Zusammenarbeit mindestens einer weiteren Person bedarf. Aber auch an dieser Front sieht es ziemlich gut aus, drückt mir mal die Daumen! 🙂

Besonders aufregend ist für mich derzeit Projekt Nummer 2 – welches im Grunde nur an mir hängt – eben weil ich mich dabei derzeit in der „Flirtphase“ befinde: Man hat erkannt: „Oha, da gefällt mir etwas!“, hat erste zaghafte Blicke hinübergeworfen und ein strahlendes Lächeln zurückbekommen: Ein vielversprechender Anfang!
Jetzt haben wir bald unser erstes Rendezvous und dann wird sich nach und nach zeigen, ob wir uns verstehen … ob mehr daraus wird … Und ob es eben nicht nur für eine Kurzgeschichte, sondern zu einem ganzen Roman reicht.
Aufregend!!! 🙂

Fast schon nebenher steht bald die Leipziger Buchmesse an; jene Veranstaltung, bei der mein Schriftstellerinnendasein zwar nicht seinen Anfang nahm, aber einen entscheidenden Schritt vorwärts gemacht hat.
Außerdem möchte sich ein ganz lieber Kollege auch zum Meet&Greet wagen, ich drücke ganz fest die Daumen und hoffe, dass sich kein Verlag diesen wunderbaren Schriftsteller durch die Lappen gehen lässt! 🙂
Ich werde übrigens auch wieder vor Ort sein und auch eine Lesung auf der Messe haben, und zwar vorraussichtlich am Sonntag, 18.03. um 10:15 Uhr, wieder auf der Meet&Greet-Bühne.

Demnächst gibt es hier wieder ein paar Interviews mit Kollegen, Kolleginnen, oder wen ich sonst noch so alles erwische. 😉