Wie entwirft man einen Charakter?

Indem man still und stumm und mit geschlossenen Augen da sitzt und so lange vor sich hinmeditiert, bis einem eine freundliche Muse einen dicken Schmatzer gibt und man mit dem Schreiben loslegen kann.
ODER
Man zeichnet seinen Charakter so lange, bis man die feinsten Fältchen erkennen kann, beschreibt ihn für sich so lange, das man weiß, aus was seine Henkerswunschmahlzeit bestehen soll, wie sein erstes Haustier oder sein imaginärer Kindheitsfreund hieß und wie er sich verhält, wenn er eine fiese Grippe hat.

Seine/n Hauptcharakter/e sollte man in- und auswendig kennen. Man muss ihn nicht zwangsläufig mögen, aber man muss ihn kennen. Der Hauptprotagonist muss dem Autor so nahe stehen wie der beste Freund, der schlimmste Feind oder ein Geschwister. Nur so kann man ihm Gefühle und Handlungen „andichten“, die nicht nur oberflächlich sind und Authentizität haben, ehrlich und echt wirken.

Jeder Autor ist anders und es gibt unzählige Herangehensweisen. Einige Schreibratgeber empfehlen, für jede Hauptperson einen Lebenslauf anzulegen. Das kann etwas so aussehen:
Name: Jonathan Weber
Alter: 37
Familiäre Herkunft der Hauptperson: Eltern Hildegard, Hausfrau, und Franz, Koch, Geschwister: eine jüngere Schwester, Erzieherin
Schulischer/beruflicher Werdegang: Realschulabschluß, Ausbildung zum Industriemechaniker, mit 25 Abitur per Abendschule, mit 33 Fortbildung zum Industriemeister
Familienstand: Seit 10 Jahren glücklich mit Mara verheiratet, keine Kinder

Weiter empfiehlt es sich, Wichtiges und Besonderheiten zu seinem Charakter hinzuzufügen, eventuell sofort mit Hinweisen auf mögliche Spannungsfelder:
Freund 1: Bester Freund Marko, ein notorischer Fremdgänger, der seit ein paar Monaten mit Jonathans Schwester liiert ist (-> Jonathan hat Angst, dass Marko auch seine Schwester betrügen und sie unglücklich machen wird. Einerseits will er sie warnen und heißt die Beziehung nicht gut, andererseits ist Marko sein bester Freund, dem er alles Glück wünscht. Die Situation ist Jonathan insgesamt sehr unangenehm und er ist unschlüssig, wie er sich verhalten soll, sollte es zu einem Bruch zwischen den Beiden kommen.)
Freund 2: Dennis, sein Geschäftspartner (-> Ebenso wie Jonathan hat auch Dennis einen Industriemeistertitel geschafft, allerdings erst beim zweiten Anlauf. Im Gegensatz zu Jonathan wurde er dabei finanziell von seinen Eltern unterstützt, die sehr wohlhabend sind. Früher haben Dennis und Jonathan überlegt, sich gemeinsam selbstständig zu machen, doch mittlerweile ist es Jonathan unangenehm, das Denis von Haus aus so wohlhabend ist. Er fürchtet, ein eigenes Geschäft würde überwiegend von Dennis finanziert werden und somit zu einem Ungleichgewicht zwischen den Freunden führen. Er hat sich allerdings noch nicht getraut, Dennis von diesen Sorgen zu berichten, sondern redet sich stattdessen immer heraus, wenn die Rede auf das Geschäft kommt.)
Hobbys/Interessen: Jonathan sammelt asiatische Kunstgegenstände (-> Seiner Frau gefallen die meisten Dinge, die er kauft. Nur ab und an ermahnt sie ihn, nicht so viel Geld auszugeben. Da Mara allerdings selbst einem kostspieligen Hobby nachgeht (sie besitzt drei Pferde), hat sie kein Problem damit.)

Bereits zu diesem Zeitpunkt haben sich der Charaktereigenschaften von Jonathan Weber herauskristallisiert, ohne dass es eine eigene Kategorie „Charakter“ gab: Aufgrund seiner Berufswahl, durch sein Verhalten in Freundschaften und seine Reaktionen in Konfliktsituationen können wir schon einige Aussagen über Jonathan treffen:

Jonathan ist:
– kunstinteressiert
– handwerklich begabt
– ehrgeizig
– loyal
– hängt sehr an seiner Schwester
– hat nicht viele Freundschaften, diese sind ihm jedoch sehr wichtig
– gibt gerne Geld aus
– geht Konflikten lieber aus dem Weg
usw.

Und ehe man es sich versieht, hat man einen Charakter kreiert. 🙂
Möchte man noch bestimmte Eigenschaften ergänzen, kann man dies ganz einfach tun, indem man Dinge im Lebenslauf der Figur ergänzt oder ändert.
Soll Jonathan waghalsiger sein, ersetzte man das Sammelns von Kunstgegenständen durch ein Hobby wie Fallschirmspringen, Boxen oder Finanzspekulationen, soll Jonathan kreativer sein, kann man ihn selbst Kunstgegenstände erschaffen lassen, etwa als Hobbymaler oder -Bildhauer.
Wichtig ist nur, dass die Eigenschaften nicht mit den anderen Eigenschaften kollidieren.

Beispiel:
Unser Jonathan fährt regelmäßig zum Fallschirmspringen oder Paragliding. Man stellt sich einen Mensch mir solchen Hobbys eher extrovertiert als introvertiert, mehr selbstbewusst als schüchtern, mehr waghalsig als vorsichtig vor. Passen diese Hobbys also wirklich zu einem Mann, der sich nicht traut, seinen Freund auf ein Problem anzusprechen?
– Nein, das erscheint mir unrealistisch, also ändere ich sein Verhalten gegenüber Dennis oder seine Hobbys.
– Ja, gerade weil er im Umgang mit anderen Menschen so zurückhaltend ist, lässt er es in Sachen Hobbys so richtig krachen.
Ergebnis: Beides ist möglich, ich halte jedoch „Nein“ für realistischer und würde Jonathan „ruhigere“ Hobbys aussuchen.

Beispiel 2:
Unser Jonathan ist Workaholic, der in der Woche gerne mal 60-70 Stunden die Woche und die Wochenenden über arbeitet.
Passt das zu einer glücklichen Ehe?
– Nein, daher ändern wir die Ehe auf „derzeit angespannt“.
– Ja, denn Mara ist auch voll berufstätig und fährt zudem oft übers Wochenende auf Reitturniere; die Beiden genießen die gemeinsame Zeit umso mehr.
Ergebnis: Beides ist möglich, da würde ich entweder nach persönlicher Vorliebe entscheiden oder danach, welche Variante besser zum Fortgang der Geschichte passt.

Beispiel 3:
Unser Jonathan ist Workaholic, der in der Woche gerne mal 60-70 Stunden die Woche und die Wochenenden über arbeitet. Außerdem hat er seit 8 Monaten eine Affäre mit einer Angestellten namens Susanne.
– Ja, möglich wäre das.
– Nein, denn das passt nicht zu ihm: Jonathan ist treu und loyal und zudem glücklich mit seiner Frau. Hinzu kommt, dass er bei einem solchen Arbeitspensum gar keine Zeit hätte, eine Affäre zu haben.
Ergebnis: Ich entscheide mich für „nein“. Ehrlich gesagt brauche ich dafür gar keine weiteren Gründe, den nicht MÖCHTE NICHT, dass Jonathan seine Frau betrügt! 😉

Was man tut, wenn eine Romanfigur trotzdem macht, was sie will, erkläre ich in einem anderen Beitrag. 🙂

 

PS: Jonathan hat halbstarke Fältchen in den Augenwinkeln und ein paar tiefere Stirnfalten. Seine Henkerswunschmahlzeit würde aus einem toskanischen Omelett mit Scampi, eisgekühltem Bier, einem Steak und einem gemischten Salat bestehen. Sein erstes Haustier war ein Golden Retriever namens Corny, dessen Tod ihn als Jugendlichen so sehr getroffen hat, dass er sich nie wieder einen Hund oder ein anderes Haustier angeschafft hat. Zu den Pferden seiner Frau hält er höfliche Distanz. Er hatte keinen imaginären Kindheitsfreund und wenn Jonathan Grippe hat, zieht er sich mit einem Kunstkatalog ins Bett zurück und lässt sich ab und zu von seiner Frau einen Tee bringen. 😉

Drei wichtige Dinge über das Schreiben

„Wie schreibt man eigentlich?“, wurde ich schon oft gefragt, „einfach drauflos oder wie?“
Ich fürchte, darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Denn so verschieden die Menschen sind, so verschieden sind auch die Vorgehensweisen. Doch egal wie, wann, wo, wer und was, einige Dinge muss jeder Autor beachten.
Hier die für mich wichtigsten drei:

1. Nichts geht ohne Ehrgeiz, Anstrengung, Disziplin und Durchhaltevermögen.
Fast jeder Autor, den ich kenne, hat Phasen, in denen es gut läuft und solche, in denen gar nichts läuft. Statt auf den Bildschirm zu schauen, wird aus dem Fenster gestarrt, statt zündenden Ideen gibt es einen Kaffee nach dem anderen und von „Wortfluß“ kann nicht die Rede sein, eher von einem fast bewegungslosen Dümpel.
Das ist schonmal so, da muss man durch.
Schreiben ist eine kreative Tätigkeit und wer einen fiktionalen Roman schreiben möchte, muss sich gut mit seiner eigenen Kreativität stellen. Sie ankurbeln und unterstützen. Und man muss dran bleiben, darf sich nicht von Fehlschlägen oder schlechten Phasen entmutigen lassen.
Die für mich beste Methode des Schreibens ist die der Regelmäßigkeit. Ich plane meine Schreibzeit fest ein, am selben Wochentag etwa,  zur immer selben Zeit. Natürlich kann es auch dann passieren, dass nichts passiert, die Tastatur ungenutzt bleibt und ich kein einziges Wort schreiben kann. Macht nichts, das gehört dazu. Doch durch die Regelmäßigkeit „erziehe“ ich auch meine Kreativität, bereite mich darauf vor: So, jetzt wird geschrieben!
Mir hat es sehr geholfen, feste Schreibzeiten einzuführen.
Warum auch nicht, denn:

2. Schreiben ist Arbeit
Einige Menschen bezeichnen Schreiben als ein Hobby, aber es ist oft viel mehr: Alle Autoren die ich kenne betreiben dieses „Hobby“ mit Ernst und Feuereifer, es ist mehr Berufung und Leidenschaft als simpler Zeitvertreib. Nur leider lässt es sich nicht besonders gut davon leben … Nur die wenigsten und erfolgreichsten Buchautoren können es sich leisten, ihren „Brotjob“ aufzugeben und ihr Leben ausschließlich durch Bücherverkauf, Lesungen etc. zu finanzieren. Und wer nicht von Berufs wegen schreibt – als Journalist, Texter etc. – hat sogar zwei Berufe, hat zwei Arbeitsstellen.
Wer nur „aus Spaß“ schreibt, hat kaum eine Chance, erfolgreich zu werden. Schreiben ist Arbeit und muss entsprechend ernst genommen werden. Das beginnt bei der Qualität und geht damit weiter – siehe Oben – dass man eben auch dann zu schreiben versuchen muss, wenn es einem mal nicht so gut geht oder man eine Phase der Inspirationslosigkeit durchlebt; irgendwie muss man da durch.
Schreiben ist Arbeit und muss ernst genommen werden. Im Internet wimmelt es von Menschen, die mal eben etwas dahinschlunzen und dann meinen, mit Lob überschüttet werden zu müssen. Gedanken, Gedankenfetzen, Gefühle, da wird es schnell persönlich. Doch Gefühle können noch so authentisch und dramatisch sein, sie machen einen Text nicht automatisch gut. Von daher sollte man sich gut überlegen, was man andern Menschen zugänglich machen möchte. Man sollte jeden Text mit Sorgfalt behandeln und natürlich noch mehr jeden Text, den man verkaufen möchte.
Denn auch wenn einige das anders sehen:

3. Man schreibt für die Leser
Oder anders formuliert: Man arbeitet für einen Abnehmer, kreiert für eine Zielgruppe. Natürlich kann jeder schreiben, was und wie er möchte. Aber um erfolgreich zu schreiben, muss man sich an bestimmte Regeln halten. Damit meine ich NICHT sogenannte „Genre-Regeln“, von denen halte ich nicht viel.
Ich meine Grundsatzregeln. Vergleichen wir einmal ein Buch mit einem Tisch, wobei der Autor mit dem Tischler/Schreiner verglichen wird. Angenommen, man möchte einen Tisch kaufen – was erwartet man von so einem Tisch?
Erst einmal ganz simpel, dass es sich bei dem Möbelstück um einen Tisch handelt. So ein Tisch muss nicht immer aus einer Tischplatte und vier Füßen bestehen, natürlich nicht. Er kann mehrere Ebenen haben, auf Rollen stehen oder direkt auf dem Boden, kann rechteckig sein, quadratisch, rund, achteckig und was es sonst noch alles gibt. Materialien variieren dabei ebenso wie Form, Farbe und Größe, aber eines ist allen Tischen gemein: ihre beabsichtigte Funktion.
Ein Küchentisch soll die Funktion erfüllen, dass man daran essen kann. Ein Wohnzimmertisch dient eher der Ablage von Getränken und andern Dingen – je nach Bedarf ändert sich die Größe des Tisches – ein Schreibtisch diente früher überwiegend „Papierarbeit“ wie brieflicher Korrespondenz, bearbeiten von Rechnungen, ausfüllen von Anträgen etc. Heute fungieren Schreibtische oft auch als Computertisch, die Grenzen sind fließend.
Dies bedeutet, wie auch immer der Tisch in Form oder Material beschaffen ist, er muss derart beschaffen sein, dass er seinen Zweck erfüllen kann.
Ebensolches gilt für ein Buch.
Als einfaches Beispiel dient ein reiner Unterhaltungsroman: Der Autor möchte dem Leser ein paar vergnügliche, wohlbefindliche Stunden verschaffen, er soll sich unterhalten fühlen, sich an dem Gelesenen erfreuen und einfach eine schöne Zeit haben. Ohne auf den Inhalt des Buches – dazu gleich mehr – einzugehen, kann ich bereits jetzt Aussagen darüber treffen, wie das Buch sein soll, nämlich lesbar. Ausnahmen gibt es immer, keine Frage, doch in der Regel muss ein Unterhaltungsroman einen gewissen Lesefluß ermöglichen. Zu lange Sätze mit ineinander verschachtelten Nebensatzkonstruktionen etwa hemmen den Lesefluß (Ausnahmen gibt es natürlich immer; dazu an anderer Stelle mehr).

„Der Mann, der, mal abgesehen von jedem Freitag, an dem er, sein Wecker hatte nicht geklingelt, zu spät zur Arbeit gekommen war, stets mit Pünktlichkeit glänzte, verspätete sich zu seinem Verdruß auch heute, da er, er war schon ganz aufgeregt und konnte sein Glück kaum fassen, mit jener Dame verabredet war, die er, er konnte es selbst noch kaum glauben, dass ihn seine Freunde hatten überreden können, sich in dem Flirtportal anzumelden, im Internet kennengelernt hatte.“

Ebenso wenig liest es sich angenehm, wenn die Sätze dauerhaft zu kurz sind; hier einmal sehr überspitzt dargestellt:

„Er war aufgeregt. Und spät dran. Weil sind Wecker nicht geklingelt hatte. Er war verabredet. Mit einer Frau. Aus dem Internet.“

Die Variante langer „Bandwurmsätze“ ist häufiger vertreten, als die der „Minisätze“; beides ist unschön und kann das Buch völlig unabhängig von seinem Handlungsinhalt verderben.

Egal, welche Form oder Farbe der Tisch hat, er sollte anständig lackiert, gebeizt, geölt oder beschichtet etc. sein. Ein nachlässig lackierter Holztisch beispielsweise wird sicherlich nicht zum Normalpreis verkauft werden, man möchte es schließlich „ordentlich“ haben. So ist das auch mit der Rechtschreibung. Natürlich kann man sich ein professionelles Lektorat kaufen oder sich im Falle eines Verlagsvertrages auf den Verlagslektor verlassen. Doch bis dahin ist es ein langer Weg und wenn man ernst genommen werden möchte, sollte man sein Bestes geben, um „Lackfehler“ zu vermeiden. Fast jedem rutschen mal Fehlerchen durch, das ist nur menschlich.

Wer aber einen Text veröffentlicht, der for Fehlen nur so strotzt, die mann mit HIlfe eines Rächtschreibpriograms hätte verhinden könen, macht sich lecherlich.

Herzlich willkommen …

… auf meiner Autorenseite.

Hier möchte ich nicht nur meine Romane und Kurzgeschichten vorstellen, sondern werde auch Beiträge rund um das Thema Schreiben verfassen.
Ich bin seit vielen Jahren begeisterte Leserin und habe Buch um Buch verschlungen, lange bevor ich daran dachte, einmal selbst zu schreiben.

Schulaufsätze, Klausuren, Zeitungsartikel, Referate, Hausarbeiten und schließlich meine Magisterarbeit: All das habe ich unter Anleitung gelernt.
Romane oder Kurzgeschichten zu schreiben musste ich mir dagegen selbst beibringen. Zum Glück gibt es viele Menschen, die bereit sind, zu helfen, zu unterstützen und zu beraten.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, ebenfalls zu schreiben, dem kann ich eines der vielen Autorenforen empfehlen; „meins“ ist das DSFO (siehe Link am rechten Seitenrand).

Als Leserin weiß ich nach unzähligen Romanen genau was mir gefällt und was nicht. Nun befinde ich mich offiziell auf der anderen Seite, nämlich auf der eines Romanautors, und bisher gefällt es mir hier richtig gut. 🙂
Einige Vorurteile gegenüber Autoren musste ich schon revidieren, andere haben sich bewahrheitet. Ich bin gespannt, wie sich meine Sicht als Leserin weiter verändern wird – oder auch nicht.

Ich wünsche Dir, Ihnen und Euch viel Spaß mit diesem Blog!

Herzlichst,
Monika Loerchner