Wie man sich eigene Vorgaben macht 2: Das Thema

Ich nehme sehr gern an Schreibwettbewerben teil, bei denen ich zu einem vorgegebenen Thema schreiben muss. Das liegt allerdings nicht jedem. Und manchmal fällt mir auch zu einem Thema absolut nichts ein, so dass ich einen Schreibwettbewerb sausen lasse. Schreibt man selbst ein Buch oder ein anderes Prosawerk ganz für sich allein, hat man natürlich freie Themenwahl.

Mit Buchthemen ist es wie mit Liedthemen: Die Auswahl ist im Grunde stark begrenzt. Es gibt die großen Grundthemen (Liebe, Tod, Heimat, Freundschaft, Identität, Lebenssinn, Religion, Armut, Arbeit …), von denen sich alles andere ableiten lässt.
Weiter haben natürlich bestimmte Genre eine „Vorliebe“ für bestimmte Themen, so wie bestimmte Musikrichtungen eher Texte einer bestimmten Art unterstützen.

Im Grunde kann man natürlich machen, was man möchte. Man kann eine Liebesgeschichte in einen Thriller einbauen, in einem Abenteuerroman Gesellschaftskritik üben, es ist alles möglich.

Es ist nicht immer einfach zu sagen, was das Thema eines Buches werden soll. Man möchte eine Geschichte erzählen, natürlich, aber was sonst noch? Möchte man den Leser einfach „nur“ unterhalten? Oder möchte man auch etwas vermitteln? Bestimmte Werte vielleicht? Möchte man Wissen vermitteln oder über ein Themengebiet aufklären, weil man der Meinung ist, dass darüber noch nicht genug gesprochen worden ist? Möchte man sich mit einer bestimmten Menschengruppe solidarisch zeigen, Missstände anprangern oder jemanden zu etwas ermutigen?

All das ist auch „nebenbei“ möglich, all das kann man tun, ohne „das Thema“ zum Hauptthema seines Romans zu machen – man darf es nur nicht vergessen!
Ist mir etwas besonders wichtig – eine Aussage, eine Information, die ich weitergeben möchte, eine Begebenheit, die ich erzählen möchte – notiere ich mir dies auf einem Extrazettel. Man sollte nicht unterschätzen, wie sehr man während des Schreibprozesses für andere Dinge blind ist, vergesslich und schusselig wird und gerade auch die Dinge vergessen kann, die einem doch so am Herzen liegen. Daher sollte man immer auf Nummer sicher gehen; einmal notiert kann ein winziger Zettel als Gedächtnisstütze Wunder bewirken.

Wie findet man aber nun sein Hauptthema?
Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass ich mich selbst unnötig unter Druck setze, wenn ich unbedingt DAS EINE THEMA zu finden versuche, über DIE EINE, WICHTIGE SACHE schlechthin schreiben und überhaupt mit meiner Geschichte die ganze Welt verändern möchte.
Stellt man diesen Anspruch an sich selbst („So, ich schreibe jetzt mal ein Buch zum Thema XYZ!“), kann man leicht daran verzweifeln oder sich selbst die Schreiblust verderben. Hat man ein Thema – sei es, weil es vorgegeben ist oder weil man eben eins hat – ist das in Ordnung. Wenn man noch keins gefunden hat, ist das aber auch nicht schlimm.
Ist die Geschichte fertig, kann man immernoch zurückblicken und staunen, dass man automatisch ein Thema „bearbeitet“, dass man eine düstere Erzählung über den Tod, eine humoristische Novelle über die Freundschaft, einen nüchternen Krimi über die Suche nach der kulturellen Identität geschrieben hat.
Man muss nicht immer von Anfang an ein Thema festlegen. Schließlich möchten wir Geschichten schreiben und keine Themen. Daher mein Tipp: Schreibt über einen Menschen – oder viele. Schreibt über eine Zeit, eine Begebenheit, ein Erlebnis, eine Veränderung und wie der/die Protagonist/en damit umgehen. Dann kommt das Thema von ganz allein.  🙂

Recherchen, Recherchen

Recherchen sind für einen Roman fast unabdingbar, denn: Die Fakten müssen stimmen!

Zu meinem großen Ärger nehmen es aber längst nicht alle Autoren mit den Fakten so genau. Da werden Erfindungen zu einer Zeit genutzt, zu der es sie noch gar nicht gegeben hat, wundersame Medikamente verabreicht, mit deren Erfindung man sofort Millionär werden würde, da werden Menschen im frühen Mittelalter völlig neuzeitliche Ansichten verpasst und Leichen bluten endlos weiter.

Kleine Fehler passieren schonmal, sicher, aber solch grobe Schnitzer empfinde ich als Frechheit dem Leser gegenüber. Manchmal muss man sich als Autor die Dinge ein wenig zurechtbiegen, ja, aber man sollte schon seinen Hausaufgaben machen.

Auch in der Fantasy. Zwar ist ein Fantasy-Roman reine Fiktion, dennoch muss man sich an Regeln halten und kann nicht tun, was man möchte. Darauf werde ich in einem gesonderten Beitrag noch eingehen.

Die erste Stelle, an der ich bei „Hexenherz – Eisiger Zorn“ ins Trudeln kam, war … Nein, keine Sorge: hier wird noch nichts „gespoilert“. Was ich verraten kann ist, dass es darum ging, wie man sich ernährt, wenn man längere Zeit im Wald unterwegs ist.
Heimische Sträucher und Büsche sind so gar nicht meine Stärke. Mir fielen Pilze ein – wobei ich einen essbaren nicht von einem giftigen unterschieden könnte – Nüsse, Brombeeren und Bucheckern. Aber sonst?
Also recherchierte ich. Zuallererst „einigte“ ich mich, meine Geschichte im Herbst beginnen zu lassen, da musste ich mich logischer Weise nach den Pilzen, Beeren und Nüssen und deren Reife richten. Im Frühling, so fürchte ich, wäre Helena im Wald verhungert …
Meine Recherchen bezüglich essbarer, wilder Pflanzen, Beeren und Wurzeln waren sehr interessant. Manches kannte ich noch von früher, wenn meine Oma Konfitüre oder Saft einkochte (etwa aus Schlehen), manches war mir völlig neu.
Auf jeden Fall haben sich meine Chancen, im Wald zu überleben deutlich gesteigert,  😀
Hier ein sehr interessanter Artikel dazu: *LINK*

Nie war es so einfach, Recherchen auszuführen wie heute. Natürlich ist nicht alles wahr, nur weil es im Internet steht, man sollte stets verschiedene Quellen mit bedacht auswählen und miteinander vergleichen. Eine gewissenhafte Recherche ist unabdingbar. Ungesundes Halbwissen kann im schlimmsten Fall echten Schaden anrichten, im besten Fall rollen sich nur den Fachleuten wie Historikern, Biologen, Bäckern etc. die Zehennägel hoch.

Hier mal die Liste der Themen, die ich für „Hexenherz – Eisiger Zorn“ recherchiert habe:

  • Essbare einheimische Wildpflanzen, -Wurzeln, -Beeren und -Nüsse (Man trifft erstaunlich oft auf Survivallisten, für die der Weltuntergang in naher Zukunft schon beschlossene Sache ist.)
  • Heimische Tierarten (Von denen einige leider ganz oder fast ausgerottet sind.)
  • Krankheiten im Mittelalter und heute (Welch Glück, in heutiger Zeit zu leben!)
  • Geschichte des Walfangs in Deutschland, Skandinavien und Großbritannien (Gut, dass ich „Moby Dick“ gesehen habe, sonst könnte ich mir das nicht bildlich vorstellen; welch unfassbare Unternehmungen der Mensch doch veranstaltet!)
  • Walindustrie (Gibt es leider noch immer.)
  • Geschichte und Entwicklung von Waffen (Ein faszinierendes Thema, vor Allem, wenn man die Entwicklung der verschiedenen Völker miteinander vergleicht!)
  • Funktionsweise der Armbrust (Gut, dass es Internetforen gibt!)
  • Spezielle Geschichte und Technik von Feuerwaffen (Die USA und Deutschland sind ganz Vorne mit dabei.)
  • Ein bisschen chinesische, irische, spanische und italienische Sprache
  • Allgemein indogermanische Sprachen, vor allem die baltischen und slawischen Sprachen, hier vor allem die polnische Sprache
  • Skandinavische und (groß-)britische Geographie
  • Eine unüberschaubare Anzahl europäische Sagen und Mythen (Sehr interessant!)
  • Geschichte, Geographie und Entwicklung zahlreicher deutscher Städte und Herrschaftsbereiche mit besonderem Schwerpunkt auf „Annaburg“.
  • Allgemeine europäische Geschichte ab Mittelalter mit den Schwerpunkten Hexenverfolgung, Pest, alltägliches Leben, Soldatentum und Politik (Uff. Das hat seeeeehr lange gedauert.)
  • Geschichte der sogenanten Türkenkriege (Erinnerte mich stark an vergangene Schulzeiten. Bei solchen Themen kann man auch nichts abkürzen, da muss man einfach durch und lesen, lesen, lesen.)
  • Geschichte der christlich-römischen Kirche ab Spätmittelalter (Ein hochinteressantes Thema, in dem ich schon durch mein Studium etwas bewandert war.)
  • Grenzen Europas und Vorderasiens im Laufe der Jahrhunderte (Hier mal als kleinen Vorgeschmack ein nettes Video (unter 2 min): *LINK*)
  • Leben und Wirken zahlreicher historischer Persönlichkeiten (Immer wieder interessante Details.)
  • Allgemeines über die Entwicklung von Gesellschaften (Spannend!)
  • „Gesetze“, Verordnungen und andere Gräuel im 3. Reich (Ein ganz scheußlicher Nachmittag.)
  • Die Geschichte und „Gesetze“ der Apartheid Südafrikas (Ebenfalls keine schöne Lektüre. )
  • Geschichte der Stellung der Frau in der Gesellschaft, der Emanzipationsbewegung, Feminismus und Maskulismus (Erstaunliches bis Fieses.)
  • Mittelalterliche Universitäten
  • Soldaten
  • Rüstungen
  • Pferderennbahnen
  • Kleidung, vor Allem aus Baumwolle
  • Backöfen
  • Hunderassen
  • Wölfe
  • Ruinen
  • Schnapsbrennerei, allgemein Alkoholika
  • Jede Menge Medizinisches und Anatomisches (Klasse, wie viele Menschen ihr Wissen einfach so zur Verfügung stellen!)
  • Diverse Adelsgeschlechter
  • Deutsche Spielkartensätze (Wer hätte gedacht, dass es so viele verschiedene gibt?)

Rekordhalter in Sachen Verhältnismäßigkeit ist dabei übrigens die „Mauerarchitektur“ unter Berücksichtigung der Fachwerkarchitektur: zweieinhalb Stunden Recherche für eine Ausbeute von einem halben Satz,  😀

Vom Kürzen

Im Endeffekt ist es mit der Länge des Buches wie mit der Einnahme eines Medikamentes: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.„,
schrieb ich in einem vorherigen Beitrag.

Damit meine ich nicht, dass man auf ausführliche Beschreibungen oder Nebenhandlungsstränge verzichten soll. Aber sie müssen relevant sein und einem Zweck dienen. Dieser Zweck kann durchaus sein, beim Leser eine bestimmte Stimmung zu erzeugen oder das Buch vielschichtiger und spannender zu gestalten. Was aber überflüssig ist, muss weg!

Als Beispiel greife ich einfach mal Harry Potter und die Twilight-Reihe auf, weil diese Bücher sehr bekannt sind.
Wenn ich mich recht entsinne, wird während Harry Potters gesamter Schullaufzeit nur einmal davon berichtet, dass er ein Bad nimmt (Band 4). Auch davon, wann und wie oft er eine Toilette aufsucht wird nicht berichtet, außer, es ist für den Fortgang der Geschichte wichtig. So etwa in Band 1 und in Band 2. Allerdings besucht er da die Örtlichkeiten (der Mädchen) aus zweckfremden Gründen.
In den Twilight-Büchern wird öfters erwähnt, dass Bella duschen geht oder Zeit im Badezimmer „für Menschliches“ braucht. Warum das Sinn macht, das zu erwähnen und auch ein paar nette „Aha!“-Erlebnisse schafft, leuchtet jedem ein, der die Reihe kennt (Ich möchte hier nicht spoilern).
Würde ich aber jedes Mal schreiben, dass mein/e Protagonist/in zur Toilette geht, duscht oder ein Bad nimmt, würde sich der Leser schnell fragen, was das soll?

Dieses Beispiel ist bewusst auffällig gewählt. Wesentlich öfter verzetteln sich manche, indem sie detailiert beschreiben, was eine Person zwischen zwei relevanten Handlungen noch so alles macht:

Sie stand auf und streckte sich. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es höchste Zeit war. Sie ging ins Bad und duschte. Dann ging sie in die Küche und machte sich einen Kaffee. Dazu aß sie einen Marmeladentoast, den sie sich schnell zubereitet hatte. Dann ging sie wieder ins Badezimmer, um sich die Haare zu kämmen und zu schminken. Dann schnappte sie sich Schlüssel und Handtasche und ging aus dem Haus. Es regnete.

Langweilig, nicht wahr?
Das Ganze lässt sich wunderbar herunterkürzen auf:

Als sie an diesem Morgen das Haus verließ, regnete es.

Solche Kürzungen sind schmerzhaft, weil jedes einzelne geschriebene Wort eine Leistung ist, die einem weggenommen wird. Man hat Zeit, Mühe und Herzblut in einen ganzen Absatz investiert und der soll jetzt einfach gestrichen werden? Dieses Gefühl sich selbst zu berauben ist ganz scheußlich. Man stelle sich vor, gerade die ganze Wohnung geputzt zu haben nur um dann gezwungen zu werden, einen Eimer Matsch über den blitzblanken Fußböden auszukippen.
Doch leider muss es manchmal sein.

Die gute Nachricht ist, dass es besser wird. Anfangs habe ich mich mit Kürzungen sehr schwer getan, musste aber bald schon zugeben, dass jeder meiner Prosatzexte von Kürzungen profitiert hat.
Vor Allem bei Kurzgeschichten tut das dem Text einfach nur gut. Ich habe mir daher angewöhnt, bei kurzen Texten IMMER hinterher noch zu schauen, ob ich etwas kürzen kann, auch wenn ich es von den Vorgaben her gar nicht müsste. Gerade bei Kurzgeschichten kommt es darauf an, den Leser zügig in die Handlung einzuführen, rasch Spannung aufzubauen und das Ganze entsprechend schnell aufzulösen. Bei längeren Texten oder gar Büchern hat man so gesehen mehr Zeit. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass nicht jeder Leser die Geduld besitzt, langatmige Passagen durchzulesen.

Egal ob man kürzt, weil man muss (z.B., weil man für einen Beitrag 1.000 Zeichen zu viel hat) oder ob man es freiwillig tut, man muss sorgsam vorgehen. Wichtig ist, dass die Handlung nach wie vor Sinn ergibt und die einzelnen Stränge und Reaktionen weiterhin aufeinander aufbauen. Man kann man nicht einfach hier und da einen Satz weglassen, sondern muss den übrig geblieben Text unter Umständen „operieren“, ihn umschreiben. Das ist schmerzhaft und langwierig, verschafft einem aber auf Dauer die Übung, die man braucht, um seinen Schreibstil zu verbessern.

Ein gutes Maß ist, sich nach jedem Absatz oder nach jedem Kapitel zu fragen: „Wie lautet die Aussage dieses Absatzes? Was möchte ich dem Leser an dieser Stelle vermitteln? Wie wird die Handlung hier vorangebracht? Welche wichtigen Informationen sollen vermittelt, welche Stimmung erzeugt werden?“

Findet man auf keine dieser Fragen eine Antwort, kann der Absatz getrost gelöscht werden.

Eine weitere, gute Möglichkeit zu kürzen ist es, einfach das ein oder andere überflüssige Füllwort und eventuell auch mögliche „Weichmacher“ zu streichen:
„Eine weitere Möglichkeit zu kürzen ist es, Füllwörter und ‚Weichmacher‘ zu streichen.“