Wie man sich eigene Vorgaben macht 1: Die Länge des Manuskripts

(Dieser Beitrag bezieht sich auf Romane.)

Wenn ich eine gute Idee habe und ein Buch schreiben möchte, muss ich mir die einfache, aber wichtige Frage stellen, ob die Idee für ein ganzes Buch ausreicht.
Dies führt direkt zur nächsten Frage: Wie lang muss ein Buch überhaupt sein?

In der Verlagswelt wird in sogenannten „Normseiten“ gerechnet. Eine Normseite umfasst 30 Zeilen und pro Zeile 60 Anschläge (Buchstaben, Zahlen und Zeichen sowie Leerzeichen), also insgesamt 1.800 Zeichen.

Die Einheit „Normseite“ dient der groben Einschätzung und ersten Orientierung und ist kein genauer Wert. Schreibt man etwa viele Dialoge führt das zu vielen frühen Zeilenumbrüchen (Shift+Enter), so dass eine Normseite am Ende deutlich weniger als 1.800 Zeichen umfassen kann.

Wenn ich einen Text am Stück schreibe, füge ich in der Regel keine manuellen Zeilenumbrüche ein, ich mache höchstens ab und zu einen Absatz (Enter).

Somit sind die meisten Zeilen gut gefüllt.

„Das ist ja interessant!“, sagte er.
„Ja, nicht wahr?“, antwortete sie.
„Ja.“ Er deutete auf den Bildschirm vor sich. „Bei Dialogen stehen in manchen Zeilen kaum Wörter.“
„Stimmt.“

Ebenso ist es üblich, den Rest einer Seite frei zu lassen, wenn ein Kapitel beendet ist.
Wie dick das Buch hinterher ist, ist noch einmal eine andere Frage. Aber ganz grob orientiert sich das fast immer an den 30 Zeilen á 60 Zeichen.
Ich greife mir jetzt einfach mal wahllos vier Bücher aus meinem Regal und zähle:

Das Erste hat 67 Zeichen pro Zeile und 33 Zeilen auf 383 Seiten,
das Zweite 64/35/607,
das Dritte 57/32/623 und
das Vierte 56/34/317.
Geht man von vollständig beschrieben Seiten aus, ergibt das:
846.813,
1.359.680,
1.136.352 und
603.568 Zeichen.

Eine ganz schöne Bandbreite: Buch 4 umfasst nur etwa die Hälfte von Buch 2 und Buch 3, geht man von vollgeschriebenen Seiten aus. Dabei habe ich weder das dünnste, noch das dickste Buch aus meinem Regal genommen.
Dieses Beispiel zeigt, dass es „die eine Romanlänge“ nicht gibt.
In Normseiten umgerechnet – also geteilt durch 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen – hätten die Bücher
481,
756,
632 und
335 Normseiten.

Was die Anzahl der Wörter angeht, kommt es auch auf den Schreibstil an: Schreibe ich eher lange oder kurze Wörter? Bei mir kommt es ganz gut hin, wenn ich im Schnitt 6 Zeichen pro Wort rechne, also 1 Leerzeichen und 5 Buchstaben.

Dieses Maß auf die Beispielbücher angelegt wären das etwa
141.135,
226.613,
189.392 und
100.595 Wörter.

Manche sagen, ein Roman sollte mindestens 100.000 Wörter umfassen. Andere meinen, 80.000 würden schon reichen. Dann wieder hat man es mit einem Verlag zu tun, der als Debütroman nicht mehr als 350 Normseiten annimmt, um das finanzielle Risiko so gering wie möglich zu halten.
Wieder andere Verlage suchen nur Kurzromane, die sich von der Länge her zwischen Romanen und Kurzgeschichten bewegen und nennen eine Länge von etwa. 50.000 Wörtern.

Im Endeffekt ist es also eine eigene Ermessensfrage, wie lang das Werk werden soll. Vor Allem im Bereich der Fantasy werden Bücher gerne mal länger, während so manche Krimiidee nichtmal genügend Stoff für 80.000 Wörter hergibt.
Ich selbst peile ungefähr 350 Normseiten an. Nicht als unbedingten Richtwert, sondern zur Orientierung.
Im Endeffekt ist es mit der Länge des Buches wie mit der Einnahme eines Medikamentes: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Auf dieses Thema werde ich in einem anderen Beitrag noch näher eingehen.

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