Zeit und Geld

Die meisten Bücher erscheinen sofort oder später als Taschenbuch, ihr Preis liegt oft um die 10 Euro. Das ist eine Menge Geld, vor allem wenn man wie ich zu den Viellesern gehört.

Seit ich selbst schreibe und auch schon den ein oder anderen Einblick in die phantastische Arbeit der Verlage bekommen habe, empfinde ich die Buchpreise mehr als gerechtfertigt: Eigentlich müssten Bücher oftmals viel mehr kosten; je dicker das Buch, desto höher die Kosten für den Verlag. Dass dennoch die Preise oft angepasst sind, egal, ob ein Buch „nur“ 350 Seiten oder stolze 500 hat, liegt an der Preispolitik (großer Publikums-) Verlage, die ganz anders kalkulieren können und eben durch das Verlegen internationaler Bestseller auch andere Romane mitfinanzieren können.
Kleinere Verlage können das nicht immer bieten und müssen höhere Preise ansetzen und wenn man dann noch bedenkt, wie viel davon überhaupt der Autor bekommt, gemessen an der investierten Arbeitszeit, möchte man meinen, die Verkaufspreise sind noch zu niedrig angesetzt, aber das ist ein anderes Thema.

10 Euro sind viel Geld, das ich jedoch in der Regel gern bezahle. Von 10 Euro kann ich mir in einer Pizzeria eine Pizza und ein Getränk kaufen, richtig gut frühstücken gehen, ein Mittagessen für die Familie kochen, mir einige Paar Socken kaufen und, und, und.
Gebe ich dieses Geld stattdessen für ein Buch aus, erwarte ich auch etwas dafür, eine Gegenleistung: Ich möchte ein gutes Buch haben.

Jeder Buchkauf ist ein Risiko, das man durch einige Tricks minimieren kann. Zunächst einmal ist es oft von Vorteil, wenn man den Autor schon kennt. Man weiß, man mag den Stil und hofft auf gleichbleibende Qualität. Aus diesem Grund bleibe ich seit vielen Jahren vielen Autoren treu, auch wenn mich die Themen ihrer neuen Bücher nicht immer auf Anhieb begeistern  und mich die Klappentexte manchmal nicht ansprechen. Bislang bin ich nur zweimal enttäuscht worden und halte den anderen „Stammautoren“ die Treue.
Eine weitere Möglichkeit, sich als Leser vor einem Fehlkauf zu schützen, ist natürlich das Genre: Als Krimifan kaufe ich nicht unbedingt ein Buch, bei dem augenscheinlich Erotik im Vordergrund steht, als Fan historischer Romane kaufe ich keine zeitgenössische Biographie. Außerdem schaut man sich selbstredend in der richtigen Abteilung um, etwa bei Romanen für Erwachsene oder Fantasy ab 14. Wer dagegen Wert auf fundierte Fakten legt, geht in die Sachbuchabteilung.

Der Klappentext ist ein weiteres Werkzeug, um den Leser mit dem „richtigen Buch“ zusammenzubringen: Langweilt mich, was dort erzählt wird, ist das Buch wahrscheinlich nichts für mich.

Dennoch, selbst wenn man verstohlen in dem Buch geblättert und eine Seite darin gelesen hat, bleibt ein Restrisiko. Man kann den Schreibstil dann über längere Zeit doch nicht ganz so toll empfinden, man kann sich nicht in die Hauptfigur hineinversetzen, empfindet die Protagonisten als unsympathisch, die Handlung als unsinnig oder zu einfach oder zu kompliziert und, und, und.

All das kann passieren; dennoch ärgere ich mich als Leser nicht einfach so über einen Fehlkauf. In der Beurteilung eines Buches liegt immer eine ganze Menge Subjektivität. Es heißt, über Geschmack könne man nicht streiten und das stimmt.

Der Zeitpunkt, zu dem ich mich als Leser und Käufer richtig ärgere, wertvolle Lebenszeit und Geld verschwendet zu haben ist, wenn die Qualität des Buches derart schlecht ist, dass ich mich frage, warum es überhaupt in einem Verlag verlegt worden ist.
Für 10 oder mehr Euro erwarte ich eine solide Grundqualität, sonst ärgere ich mich gewaltig.

Unter „Grundqualität“ verstehe ich unter anderem Folgendes:
– Der Text ist so gut wie fehlerfrei
– Es gibt keine groben Schnitzer wie Logikfehler
– Die Fakten stimmen
– Der Plot ergibt Sinn

Was man sonst noch alles falsch machen kann, erzähle ich an anderer Stelle.

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