Der Pitch

Aus aktuellem Anlaß hier der versprochene Beitrag zum Thema Pitch:
Was ist ein Pitch bzw. pitchen in Bezug auf das Schreiben?

Der Pitch ist quasi der „Appetizer“ unter den Werkzeugen. Er ist unfassbar klein und muss dennoch eine große Wirkung entfalten: Die Idee hinter einem Pitch ist es, jemanden – einen Verleger oder Literaturagenten – binnen kürzester Zeit von seiner Idee zu überzeugen.
Hier zwei hilfreiche Definitionen von „Pitch“ und „Elevator Pitch“:

http://www.dsfo.de/dsfopedia/index.php/Pitch
https://de.wikipedia.org/wiki/Elevator_Pitch

Ein Pitch muss kein Klappentext sein, kann es aber. Der wichtigste Unterschied ist der, dass bei einem Klappentext – logischer Weise – auf gar keinen Fall das Ende der Geschichte verraten werden darf; wer würde das Buch dann noch kaufen?
Bei einem Pitch dagegen kann man durchaus schon das Ende oder die Lösung anderer, aufkommender Konflikte verraten.
Es widerstrebt den meisten Autoren, schon das Ende ihres Manuskripts zu verraten, aber da muss man im Exposé sowieso durch (Beitrag dazu folgt), man braucht also keine falschen Hemmungen zu haben.

Wer unsicher ist, wie genau er einen Pitch schreiben soll, kann aber durchaus so vorgehen, als würde er einen Klappentext schreiben wollen. Hier ist eine sehr gute Übung, sich drei oder vier Lieblingsbücher zu nehmen und aus dem Gedächtnis heraus einen Klappentext dazu zu verfassen. 3-5 Sätze sind dabei ein gutes Maß. Diese Sätze dürfen natürlich etwas länger sein, sollten aber lesbar bleiben (Womit sich die Frage nach der Zeichenzahl erübrigt hat, sie ist schlichtweg irrelevant, wenn man sich an diese Vorgaben hält.)

Anschließend vergleicht man seine eigenen Klappentexten mit jenen, die die Verlage in Zusammenarbeit mit den Autoren, also die Profis, verfasst haben: Ist mein Text besser oder schlechter? Habe ich Aspekte unbeachtet gelassen oder anders gewichtet? Habe ich mehr oder weniger aufgegriffen? Welcher Klappentext ist ansprechender, spannender?
So kann man ganz einfach und ohne einen Cent zu bezahlen schon eine ganze Menge Übung und das Gefühl dafür bekommen.

Ein Pitch gehört neben dem Verfassendes Exposés an sich zu den unbeliebtesten Aufgaben, denen sich ein Autor stellen muss.
Wieso?
Weil es unglaublich schwierig ist, eine Geschichte auf wenige Sätze „herunterzubrechen“. All die liebevoll konstruierten Nebenfiguren, kleinere Handlungsstränge, hübsche Besonderheiten, das alles wird vermutlich geopfert werden müssen; für einen Pitch benötigt man die Essenz der Essenz.
Die gute Nachricht ist, dass sich das, was sich für so manchen Autor hinterher wie eine blutarme und zerfledderte Beschreibung anfühlt, für Außenstehende in der Tat ganz anders klingt: Spannend und neugierig machend – und darauf kommt es an!

Als Einstieg (Nicht als finale Formulierung!) ist es hilfreich, den ersten Satz mit „Es geht um …“ zu beginnen.

Ein mal ein Beispiel (Vorsicht: SPOILER! Im weiteren Text werden Teile der Handlung von „Harry Potter und der Stein der Waisen“ verraten!):

Harry Potter und der Stein der Weisen“ von J. K. Rowling:
Es geht um einen Jungen, der bei seinen ungeliebten Verwandten aufwachsen muss. Als er 11 Jahre alt wird, bekommt er einen Brief, dass er ….
STOP! Viel zu lang, das wird nichts, nächster Versuch:
Der 11jährige Harry Potter erfährt, dass er ein Zauberer ist und fortan nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, gehen darf. Zusammen mit seinen Freunden Hermine, deren Eltern Muggel sind, und Ron, der aus einer großen Zaubererfamilie kommt, besteht er …
STOP! Muss man unbedingt die Abstammung von Ron und Hermine kennen? Außerdem müsste man erklären, was „Muggel“ überhaupt sind. Das geht doch kürzer!
Der 11jährige Harry Potter erfährt, dass er ein Zauberer ist und fortan nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, gehen darf. Zusammen mit seinen Freunden Hermine und Ron besteht er …
Müssen wir seine Freunde schon jetzt mit Namen kennen?
Der 11jährige Harry Potter erfährt, dass er ein Zauberer ist und fortan nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, gehen darf. Zusammen mit seinen Freunden besteht er …
Jetzt noch ein bisschen Spannung rein – und natürlich einen Hinweis auf Du-weißt-schon-wen …
Der 11jährige Harry Potter erfährt, dass er ein Zauberer ist und fortan nach Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, gehen darf. Zusammen mit seinen Freunden erlebt er jede Menge Abenteuer – doch wird er auch den Mut aufbringen, sich dem bösesten aller Zauberer zu stellen?
So. Kleiner Vergleich mit dem offiziellen Klappentext:
https://www.carlsen.de/hardcover/harry-potter-1-harry-potter-und-der-stein-der-weisen/21245
🙂

Soweit der Klappentext. Der Pitch könnte dagegen etwas anders aussehen, da man ja das Ende verraten darf:
Vor vielen Jahren ermordete ein böser Zauberer namens Lord Voldemort die Eltern von Harry Potter. Dieser wächst bei ungeliebten Verwandten auf und erfährt erst  mit 11 Jahren, dass er selbst ein Zauberer ist. In Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, findet Harry zum ersten Mal Freunde  – und entdeckt, dass Lord Voldemort nicht wie alle denken gestorben ist, sondern nun auch noch Harry töten will. Mit Hilfe seiner Freunde, viel Mut und der Macht der Liebe schafft es Harry, die finsteren Pläne Lord Voldemorts vorerst zu verhindern.

Es gibt meist mehrere Möglichkeiten, einen Pitch zu gestalten, je nachdem, wo man den Schwerpunkt setzt oder welches Publikum man ansprechen möchte.

Wenn man seinen Pitch für einen direkten „Vortrag“ plant – wie etwa beim Meet&Greet – ist es das Beste, ihn zu üben. Es ist nicht so wichtig, sich wortwörtlich an seine Vorlage zu halten. Vielmehr muss man in der Lage sein, sein Buch/seine Idee/seinen Plot als Ganzes sicher, fehlerfrei und in einer logischen Reihenfolge zu präsentieren.
Am einfachsten ist es dabei, die Ereignisse chronologisch aufzuzählen („Vor vielen Jahren ermordete ein böser Zauberer namens Lord Voldemort die Eltern von Harry Potter. „ gleich zu Beginn anstatt später: „Zudem erfährt er, dass seine Eltern nicht bei einem Autoaunfall gestorben sind, sondern von einem bösen Zauberer namens Lord Voldemort ermordet wurden.“)
Ich kann nur jedem empfehlen, das pitchen mit einer zweiten Person zu üben; diese kann einem dann auch sofort Rückmeldung geben, ob alles verständlich war.
Wenn man jemandem direkt gegenüber sitzt, muss nicht alles perfekt sein. Das persönliche Gepräch bietet viele Möglichkeiten, sich zu korrigieren, Dinge zu ergänzen oder spontan seine Strategie zu ändern. Mein erster Pitch beim Meet&Greet letztes Jahr klang recht chaotisch; der nette Verleger hat dann gezielt Fragen gestellt, deren Antworten ich dann beim nächsten „Speeddate“ sofort mit eingebaut habe.
Benötigt man lediglich einen schriftlichen Pitch empfehle ich, ganz bewusst zwei oder drei sehr unterschiedliche Pitchs zu schreiben dann entweder den besten auszuwählen oder aber das Beste aus allen Pitches miteinander zu kombinieren.

Im übernächsten Beitrag schreibe ich dann etwas zum Thema Exposé.

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2 Gedanken zu “Der Pitch

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