Warum selbst der schlechteste Autor ein Autor ist und der Beste manchmal gar keiner

Soeben hast du das Buch zugeschlagen und zur Seite gelegt. Du wartest und während du wartest wird dir klar, worauf du wartest: Auf den zufriedenen kleinen Seufzer, der dir sonst immer entfährt, wenn du ein Buch beendet hast.
War das Buch gut, bleibt es bei diesem einen Seufzer. Du stehst auf, bringst das Buch an einen anderen Ort – etwas ins Bücherregal, wo es fortan seine neue Heimat hat – oder einfach auf den Tisch, wo es darauf wartet, verliehen, weitergereicht oder zurück zur Bücherei gebracht zu werden.
Manchmal hat dich das Leben jetzt endlich wieder, manchmal bleibst du noch eine Weile in der soeben erfahrene Traumwelt versunken. Jeder Vielleser kennt wohl das Gefühl, wenn man eine komplette Reihe durchgelesen hat, diese Gefühl der Leere und des Schwebezustandes.
Wer von uns hätte sich nicht nach „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ gleichzeitig zufrieden und leer gefühlt, wer braucht nicht nach einem Wälzer wie „Die Säulen der Erde“ oder einem besonders perfiden Thriller eine Leseverschnaufpause?

Doch heute ist es anders, heute will dir dieser kleine Seufzer nicht über die Lippen kommen. Doch wie du so darüber nachdenkst, entfährt dir ein ganz anderes Seufzen, und zwar ein genevtes!

„Das soll es jetzt also gewesen sein?“, denkst du und starrst vorwurfsvoll auf den mittelmäßigen Einband. „Und darum haben die jetzt so ein großes Trara gemacht?“
Missmutig schüttelst du den Kopf. „War ja ganz nett, aber mal ehrlich? Das kann ich auch!“
Du ärgerst dich. Weil du Zeit und vielleicht auch Geld in etwas investiert hast, dass dich wenig bis gar nicht unterhalten hast. Du fühlst dich übers Ohr gehauen und den Gedanken, dass Geschmäcker nunmal verschieden sind, lässt du heute nicht durchgehen denn: „Das kann ich aber auch! Ach Quatsch, das kann ich sogar besser!“

„Ja dann mach auch!“, möchte ich dir in genau diesem Moment sagen. „Dann setz dich verflixt nochmal hin und mach! Gerne sogar, ich bitte sogar darum: Es kann garnicht genügend gute Bücher in der Welt geben, ich sehne mich nach jedem neuen Einfall, jeder spannenden Lektüre, jedem geistreichen Manuskript und Zeilen voller Poesie, Wortwitz oder Atmosphäre, BITTE SCHREIB!“

Und genau an diesem Schritt scheitert es oft.
Lieber Leser, der du schon so lange davon träumst, dein eigenes Buch zu schreiben: Wo bleibt es denn?
Du, der du Bücher hingebungsvoll in der Luft zerreißt, wenn sie dir nicht gefallen, der du oft schon von Kleinigkeiten oder winzigen Fehlern genervt bist: Kannst du es tatsächlich besser?

Ein Buch muss schon verdammt schlecht sein, um nicht zumindest ein Mindestmaß an Respekt für den Autor verlangen zu können. Denn jeder Autor hat schonmal das geschafft, was viele nie schaffen werden und wofür andere (auch ich) viele Jahre Anlauf gebraucht haben: Er hat sich hingesetzt und ein Buch geschrieben.

Irgendwo las ich mal, dass ein Buch zu schreiben tatsächlich auf der Wunschliste der meisten Menschen in Deutschland steht. Und richtig: Wenn ich im Geist meinen Bekanntenkreis durchgehe, sind da einige dabei, die „gerne mal ein Buch schreiben“ würden. Früher war ich eine von ihnen. War auch eine, die immer wieder angefangen, aber nie beendet hat.

Was mich zu der einen, unwiderlegbaren und harten Wahrheit bringt: Selbst das schlechteste Buch hat bessere Chancen, verlegt und gelesen zu werden als das beste ungeschriebene.

Uff.
Das ist hart, aber wahr. Logisch.

Wenn du, lieber Leser mit unerfüllten Schreibambitionen, dich also das nächste Mal über ein Buch ärgerst und grummelst, es besser zu können, dann vergiß nicht, dass der Autor dir zumindest in einer Sache voraus ist: Er hat ein Buch zu Ende geschrieben!

Also trau dich, setz dich hin und nimm dein Herzensprojekt endlich in Angriff! Mach weiter, wo du aufgehört hast, halte durch, häng dich wieder rein! Glaub mir, die Mühe lohnt sich! Und außerdem brauche ich neuen Lesestoff! 🙂

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4 Gedanken zu “Warum selbst der schlechteste Autor ein Autor ist und der Beste manchmal gar keiner

  1. Ich denke, dass allerschwierigste ist nicht einmal, sich hinzusetzen und anzufangen mit dem Schreiben – sondern die Geschichte wirklich zu einem sinnvollen Ende zu bringen.
    Neben denen, die gar nicht anfangen, scheitert der nächste Teil an diesem Ziel.
    Ich habe mal gelesen: Die Kraft, die man brauchte, um 80% des Projektes zu erfüllen, braucht man noch einmal für die letzten 20%. Meine persönlichen Erfahrungen haben dieses Verhältnis bestätigt.

    Außerdem: „übers Ohr gehauen“ 😉

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    1. Genau das meine ich ja, liebe Gloriamonique: Mit dem Schreiben BEGINNEN tun viele – aber ein sehr großer Teil schafft es eben nicht, das Ganze auch bis zum Ende zu führen. Dranbleiben, wenn die erste Euphorie verpufft ist, darauf kommt es an! Ob man jetzt das Rauchen aufgeben, endlich mehr Sport machen oder ein Buch schreiben möchte.

      😀 Da hatte ich doch glatt „hinters Ohr gehauen“ geschrieben, danke für den Hinweis! Wie komme ich denn auf sowas? 😀

      Gefällt 1 Person

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