Geschlechtsloses Wortbenutzen

Das wunderbare Verlagswesen Sandra Uschtrin und das ebenfalls wunderbare Autorengenie Andreas Eschbach haben für das Autorenweltmagazin jeweils ein kleines Statement ausgearbeitet, in welchem sie sich mit dem Thema Gendern beschäftigen: Sandra Uschtrin ist dafür, Andreas Eschbach dagegen, um es kurz zu machen.
Zum sehr lesenswerten Beitragangebot geht es hier entlang: https://www.autorenwelt.de/blog/gendern

Über das Sprachempfinden gibt es schon seit längerem ein sehr unterschiedliches Meinungsbild. Zentrum ist, dass das Geschriebene und Gesprochene innerhalb eines Kulturareals auch immer das Gesellschafts- und Menschenbild widerspiegelt. Wie aber kann das Sprachfeld dann – so ein oft vertretendes Argument – so maskulin ausgerichtet sein?

Hier wird es nun kniffelig, denn es herrscht uneins bezüglich des Ausmaßes und dem vom Wortgebrauchen zu Leistenden. Vor allem hinsichtlich des Berufsbezeichnens und Pluralformulierens:
Ist etwa „Bäcker“ oder „Koch“ ein geschlechtsneutrales Bezeichnen, handelt es sich um ein wertendes Wortverwenden, welches ein ausschließlich männliches Trägertum impliziert, oder ist es als berufsbezeichnendes und oberbegriffliches Konstrukt als geschlechtsfrei aufzufassen?

Festzustellen ist allerdings, dass unter „Ärzten“ sowohl männliches, als auch weibliches Geschlecht verstanden werden kann, aber eben auch ein reinmännliches Ärztetum, während bei „Ärztinnen“ definitiv NUR von mehr als einem Weib ausgegangen werden muss. Hm.

(Herrlich direkt ein kurzes Wort dazu von Neko: https://nekosgeschichtenkoerbchen.wordpress.com/2016/02/15/gender-wahnsinn/)

Außerdem – dies mal zum dämpfen aller, die meinen, es sei mit einem Sternchensymbol („*“) und anschließendem Dekret a la „*Wir benutzen aus lesefreundlichen Gründen nur die männliche Form, sprechen damit aber selbstverständlich auch alle Frauen an“ getan – zeigte das Studieren dieses empfindlichen Themas, dass es tatsächlich ein psychische Wirken auf uns hat, ob von „Tischlern“ oder aber von „Tischlern und Tischlerinnen“ gesprochen wird. Nochmal hm.

(Schön zu lesen: http://www.tagesspiegel.de/wissen/gender-in-der-sprache-feuerwehrfrauen-und-geburtshelfer-helfen-bei-der-berufswahl/12023192.html oder auch http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2015/fup_15_223-einfluss-geschlechtergerechte-sprache/index.html;)

Ist unser Verbales also tatsächlich elendes Überbleibsel und letztes, mahnend-lautes Aufrechterhalten des einstigen Unterdrückens des Frauentums, letztes Zelebrationsritual des einst männlichen Dominanzeitalters?

Oder ist das Verwenden des Sprachlichen egal, solange das Inhaltliche stimmt?
Ist es relevant ob ich schreibe „Lisa wurde Anwalt“ oder „Lisa wurde Anwältin“? Oder klingt das Letztere nicht wieder gegenteilig nach einem Abmindern des Geleisteten und kann es nicht vielmehr so gelesen werden, dass dieses Geleistete eben NICHT dem des anderes Geschlechts entspricht, so wie das unsägliche Wort „Frauenfußball“, welches noch immer sein Äquivalent „Männerfußball“ vermissen lässt?

Und ist es eigentlich als diskriminierend zu betrachten, das fast jedes Abstraktum, fast alles schlecht Greifbare dem Weiblichen zugeordnett wird?

Irgendwo – leider finde ich es im Internet nicht wieder – las ich das recht schnippische Widerwort, wer nicht ständig das Schreibmuster durch  (Un-)Formulieren wie „Lehrer und Lehrerinnen der Schüler und Schülerinnen“ durchbrechen und so ein unflüssiges Muster schaffen wolle, welches das Lesertum stören und abschrecken würde, solle sich doch einfach etwas Besseres einfallen lassen.
Ich habe herzhaft gelacht, denn ein elegantes Lösen des Problems, welches kein geschlechtliches Wesen diskriminieren und gleichzeitig nicht das Lesen stören würde, konnte das Gehirn dieses Meckerwunders auch nicht liefern.

„Leser und Leserinnen“?
„Leser/innen“?
„Lerser*innen“?
„LeserInnen“?

Alles irgendwie nicht so schön – das Auge liest ja mit! –  aber machbar. In einem (Rund-)Schreiben, einem Fachblatt, einem einfachen Geschreibsel wie diesem hier: gerne. Aber in einem belletristischen, lyrischen, prosaischen Manuskript? Ob ich das Buch dann lesen möchte …?
Man Ich möchte ja gerecht und gleichberechtigt schreiben – aber eben auch schön!

Ist unser zukünftiges Glück also nur im Abkürzen zu finden, im Substantivieren?  Im Passivbilden, Pluralvermeiden, Abstrahieren, im Beschränken auf das Neutrale?

Ich bin sehr gespannt, wie sich unser Sprachtum noch dahingehend entwickeln wird und ob es jemanden geben wird, der ein für alle annehmbares Vorgehen finden wird.
Ich für mich behalte daher bezüglich des Literatischen vorerst das Einfache, das Verführerische, das verführerisch Einfache, und zwar mein bisheriges Schreibverhalten bei; betrachte das geschriebene Wort als Verpackungsmaterial und hoffe, dass das Inhaltliche als wahres Widerspiegeln des gesellschaftlichen Wertesystems mehr zählt.

In diesem Sinne: Auf ein gleichberechtigtes Leben und Lesen allerseits!

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Extreme der Bücher – Es ist Buchtag!

Heute, am 23.04., ist Welttag des Buches und des Urheberrechtes und der Tag, an dem ich aus Versehen geheiratet habe. Aber dazu später mehr.

Wie auch die Kollegen von Musik und Film haben wir Autoren mit Piraterie zu kämpfen. Es ist – gelinde gesagt – eine Frechheit, Werke, an denen Schriftsteller und ihre Verleger monate- bis jahrelang gearbeitet haben, in die sie Zeit, Mühe, Geld und jede Menge Herzblut investiert haben, zu stehlen und am besten noch unter fadenscheinigen, wügereizhervorbringenden und ganz allgemein die Menschheit beschämenden Ausreden, wie, man wolle eben alles der Allgemeintheit zur Verfügung stellen, für ein paar wenige Cent online zu stellen.
Das ist Diebstahl, kein Kavaliersdelikt und wenn ich einmal eine solche unsägliche Person in die Finger bekomme …

Ebenso erstaunt mich immer wieder, wie dreist und unverblümt von „Kollegen“ abgeschrieben wird! Etwas als sein geistiges Eigentum auszugeben, was ein anderer erschaffen hat, ist Diebstahl! Umso schlimmer, wenn ein Autor oder eine Autorin dahintersteckt, die sollten es doch besser wissen. Aber wie in fast jedem Betrieb und überhaupt in jedem Beruf gibt es auch unter Schriftstellern (damit meine ich jetzt Männer UND Frauen. Hach ja, das Genderthema geistert derzeit auch mal wieder durch sämtliche Blogs und Foren, da sollte ich wohl beizeiten auch etwas zu schreiben.) Arschlöcher schwarze Schafe.

Jetzt aber wird gefeiert: Das Buch!
Irgendjemand schrieb mal, wer lebe, lebe ein Leben, wer aber lese, könne hunderte leben. Genau so ist es. Wobei ich es als Autorin noch besser getroffen habe, denn ich kann mir ganz konkret aussuchen, was ich „leben“ möchte, kann auch durch meine Figuren mal richtig böse oder waghalsig sein, ohne dass es Konsequenzen hat.
Wer liest, erschafft sich selbst eine Phantasiewelt, in die er eintaucht. Wer liest, fliegt weg, sieht Dinge. Wer liest, lebt, träumt und lernt. Lesen ist eine der wunderbarsten Erfindungen der Menschheit!

Vor ein paar Jahren lief im deutschen Fernsehen eine Kampagne gehen Analphabetismus – großartig! (Siehe auch hier: http://www.alfa-telefon.de/)
Noch immer können in Deutschland ca. 7,5 Millionen (!) Menschen nicht richtig lesen und schreiben. (Quelle: https://www.aktion-mensch.de/magazin/gesellschaft/analphabetismus.html), weltweit waren es vor 3/4 Jahren etwa 781 Millionen (Quelle: https://www.alumniportal-deutschland.org/global-goals/sdg-04-bildung/infografik-analphabetismus-weltweit/).

Mit den verschiedensten Aktionen kann jeder helfen, den Analphabetismus zu bekämpfen und vorzubeugen, indem er schon früh die Freude am Lesen bei Kindern weckt. Sei es dadurch, dass man ihnen etwas vorliest (Immer wieder schön: http://www.vorlesetag.de/), ihnen ein Buch schenkt (https://www.welttag-des-buches.de/), mit ihnen in die Bücherei geht oder, oder, oder. 🙂

Auch viele Bloger beteiligen sich am Welttag des Buches, indem sie Bücher verschenken: http://bloggerschenkenlesefreude.de/

Nun aber genug geredet, kommen wir zu den Stars des Tages: Den Büchern!
Ich habe meine Bücherregale durchsucht und mal das größte Buch, das kleinste usw. rausgesucht:

Meine größten Bücher sind Comics, von denen ich stellvertretend Mr. Durango vermessen habe:

32 cm – Nicht schlecht, Mr. Durango!

Mein kleinstes Buch ist ein wahrer Quell des Wissens:

Bloß 10,6 cm groß, aber mit einer Fülle an Wissen darin, das es an Zauberei grenzt. Wundervoll!

Mein dickstes Buch hat mir ein ganz wunderbarer Kollege geschenkt – danke, lieber Michael! 🙂 :

Ein ganz schön dickes Ding: Der Buchrücken ist 5,8 cm, die offene Seite 6,5 cm dick. Klasse!

Mein dünnstes und sicherlich auch gewichtstechnisch leichtestes Buch steckt voller Drama und Poesie:

6 mm dünn: Die Reclam-Ausgabe der Bhagavadgita von 1995

Mein schwerstes Buch ist dieses hier:

Geschichte mit Gewicht: Dieses Buch bringt 2 Kilo auf die Waage!

Mein definitiv merkwürdigstes GUTES Buch ist das hier:

Mein merkwürdigstes GUTES Buch – merkwürdige SCHLECHTE Bücher gibt es ja nun zuhauf.

Allerdings könnte es bald von dem hier abgelöst werden:

Dieses Buch meines lieben Kollegen Nikodem Skrobisz ist garantiert merkwürdig und sicherlich gut – sagen zumindest die Rezensionen!! 🙂

Und dann habe ich noch von ganz hinten im Regal mein ältestes, noch existierendes Buch herausgekramt:

Mein ältestes, noch existierendes Buch.

Da wird man ganz nostalgisch …

Süß, oder? 😉

Ja und dann habe ich ja noch – ganz ohne Buch aber immerhin am Welttag des Buches – aus Versehen geheiratet:

😀

 

Lektorat, Korrekturat und was davon macht jetzt der Testleser?

Nachdem ich im letzten Beitrag allgemein über Testleser berichtet habe nun die Frage: Was machen die eigentlich?

Zunächst einmal zur Begriffsklärung:
Unter einem Korrekturat versteht man, dass eine Person den Text auf simple Sprachfehler, sprich Grammatik- und Rechtschreibfehler hin untersucht.
Eine menschliche F7-Taste sozusagen, nur – wenn die Person geübt ist – natürlich viel genauer und zuverlässiger, als es ein Softwareprogramm je könnte.
Unter einem Lektorat versteht man – außer die entsprechende Abteilung eines Verlages – die qualitative Prüfung des Textes. Natürlich achtet auch ein Lektor auf Rechtschreib- und Grammatikfehler, jedoch kann das Korrekturat auch bereits im Vorfeld von einer etwas weniger qualifizierten Person übernommen worden sein. Ein Lektor achtet vor Allem auf Inhalt und Stil eines Textes.
Wenn Euer Text ein Speckstein ist, den Ihr mühsam aus einem Berg gehauen habt, ist der Korrekteur die Feile und der Lektor das Schmiergelpapier; Ihr als Autor seid natürlich ebenso beides.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich keinerlei Mühe beim schreiben geben, weil sie meinen, „Das macht doch dann eh der Verlag während dem Lektorat!“
Mal davon abgesehen, dass es „während des Lektorats“ heißen muss, ist mir auch noch kein Mensch mit dieser Einstellung begegnet, der einen Verlagsvertrag bekommen hat; so viel dazu. 😉

Testleser kommen ins Spiel, lange bevor der Text – sei es im Verlag oder bei Selbstverlegern durch einen externen Dienstleister – ins Korrekturat oder Lektorat geht. (Keine Sorge übrigens: Erfahungsgemäß sind immer genug Rechtschreibfehler für alle da. 😉 )
Was aber leisten Testleser jetzt: Ein Korrekturat oder ein Lektorat?

Die Antwort ist eindeutig: Das, was Ihr möchtet!
Nur sollte das jedem klar sein.

Kein Testleser hat Lust, eure Drecksarbeit zu machen. Wer also meint, den Menschen, die einem freiwillig helfen, mal eben die dahingeschlunzte Rohfassung eines Textes, der nur so vor Fehlern strotzt, hinwerfen zu können, wird schon recht bald ohne Testleser dastehen. Fehler passieren immer und werden übersehen, natürlich, aber man sollte sich schon Mühe geben – schon allein aus Respekt gegenüber den Testlesern!

Jeder, der schon einmal Testleser war weiß, was das für eine Arbeit sein kann.Daher sollte von vornherein klar sein, was der Testleser tun soll. b er das dann machen möchte, ist ja ihm überlassen.

Wer nicht gut mit Rechtschreibung und/oder Grammatik zurechtkommt, kann sich natürlich Menschen suchen, die den Text daraufhin untersuchen, natürlich (Ich empfehle übrigens die „Änderungen anzeigen“- und Kommentarfunktionen der gängigen Schreibprogramme). Allerdings zeugt es auch hier von Respekt gegenüber seinen Helfern, mindestens eine automatische Rechtschreibüberprüfung durchlaufen zu lassen!

Denkt ein Testleser, er solle nur auf den Plot achten und sieht er sich dann gezwungen auf  jeder Seite 100 Fehler anstreichen müssen, verliert er sicher bald die Freude. Im Übrigen ist das auch eine Frage der Zeit: Einen vor Fehlern strotzenden Text zu korrigieren dauert sehr lange!

Um zu testen, ob Testleser und Autor gut zusammenarbeiten, ist es ganz wirksam, das Ganze einfach mal anhand von 3, 4 Seiten auszuprobieren.

Nochmal: Was ein Testleser im Endeffekt macht, ist allein Sache zwischen Autor und Testleser, es sollte nur vorher abgesprochen sein!

Eine gute Methode, die Zusammenarbeit zu erleichtern und konstruktiver zu gestalten ist es, sich als Autor vorher zu fragen, was genau man von dem Testleser überhaupt wissen möchte – ganz konkret und nicht so ein Wischiwaschi wie „Lies mal und sag mir, du davon hälst!“ – und dann dem Testleser die ausformulierten Fragen zu stellen.

Hier ein paar Beispiele:
– Ist Charakter X sympathisch?
– Ist der Plot logisch?
– Ist die Entwicklung des Protagonisten Y schlüssig?
– Sind die Szenen A und B spannend?
– Was denkst du an Stelle C, wie es weitergeht?
– Haben dich die Enthüllungen in Kapitel D überrascht?

Und ganz wichtig natürlich auch direkt nach negativen Dingen nachfragen:
– Gibt es Stellen, an denen dir der Text zu langatmig oder langweilig erscheint?
– Sind dir die Charaktere gut ausgearbeitet oder sind sie zu blass?
– War dir eine Wendung vorhersehbar?
usw.

Je gründlicher sich der Autor in Form solcher Fragen vorbereitet, desto detailierter und nützlicher können Testleser Rückmeldung geben!

Zum Abschluss empfehle ich noch, sich hinsichtlich der Sprache abzusprechen. Ich erwähnte im vorherigen Beitrag bereits, dass es gilt, klar zwischen „Arbeit“ und „Privatem“ zu trennen.
Testleser – ich eingeschlossen – neigen zu vorsichtigen Formulierungen, weil sie den Autor nicht verletzen wollen. Blumige Wortgebildemonster wie „Meiner Meinung nach könntest du vielleicht wenn du magst lieber besser …“ sind da keine Seltenheit. Da hilft es, sich von vorneherein zu einigen, dass:
– jede Aussage des Testlesers lediglich SEINE SUBJEKTIVE MEINUNG ist
– jeder als Aufforderung oder Befehl formulierte Satz lediglich EIN VORSCHLAG ist

Demnächst schreibe ich dann noch ausführlich, wie man meiner Meinung nach, die jetzt nicht allgemeingültig sein und auf jeden zutreffen muss, ich will nur mal aufzeigen, wie das für mich allein, also nach meiner ganz subjektiven Wahrnehmung, das muss dann ja jeder für sich selbst wissen,  konstruktive Kritik ausüben kann. Zumindest zeige ich eine Art von vielen auf, nicht, dass ich euch da irgendwie reinreden möchte, ich will nur eine von vielen Möglichkeiten zeigen …., wie man konstruktive Kritik übt. 😉