Autor interviewt Buchblogger – Das Gegeninterview

Sein Name ist Henrik. Henrik hat zwar noch nichts von Robin Hobb gelesen, aber dafür mein Buch . Und da er sich die wundervollen, phantastischen Werke von Frau Hobb demnächst vornehmen will und ihm mein Buch gefallen hat und er es auch so schön rezensiert hat, habe ich mich bereit erklärt, mich von ihm interviewen zu lassen.
Allerdings nicht ohne hemmungslos zurückzuinterviewen – quid pro quo!

Das ging zwar ziemlich durcheinander – Henrik fragte, ich antwortete und fragte, Henrik antwortete und fragte, während ich schon wieder fragte und antwortete, während ich antwortete usw. – aber am Ende sind zwei schöne Interviews dabei herausgekommen. Henriks Fragen an mich und meine Antworten findet ihr „herausoperiert“ auf seinem wunderbaren Blog „zu ende gelesen.“; seine Antworten an mich und meine Fragen an ihn kommen jetzt:

Ich:
Hallo Henrik! Wie alt bist Du und was machst Du so?

Henrik.
©Henrik Dietl

Henrik:
Ich bin 19 und beende gerade meine schulische Ausbildung zum Sozialassistent, danach geht es für mich in die duale Ausbildung als Erzieher. Der Traumberuf schlechthin! Ich arbeite gerne mit Kindern und männliches Fachpersonal fehlt überall. Das Schöne an dem Beruf ist, dass die Kinder sehr anerkennend und dankbar sind. Das gibt der Fachkraft auch immer direkt ein gutes Gefühl. Wenn ich es nicht machen würde, würde ich etwas vermissen.

Ich:
Kinder sind was Tolles, habe selbst zwei.

Henrik:
🙂 Kurze Frage noch. Dein Gegeninterview führst du auch?

Ich:
Ja.

Henrik:
Okay 🙂 Alles klar, dann leg mal los!

Ich:
Wie ist Deine Meinung zur Geschlechterdebatte in Deutschland? Denkst Du, es gibt überhaupt ein Problem und falls ja, welches?

Henrik:
Ich denke, dass das Problem wie so oft bei solchen Debatten das Gleiche ist. Es gibt Menschen, die auf einer Basis diskutieren wollen, aber dann auch ihre Meinung vertreten und durchdrücken wollen. Damit fängt dann schon das Problem an. Man kommt auf keinen gemeinsamen Nenner und positioniert sich. Dadurch entstehen extreme Meinungen, scheinbar nicht beeinflussbar. Wird dann noch richtig kommuniziert? Nein. Es bilden sich dann eher Meinungsgruppen und die versuchen sich gegenseitig auszustechen. Das kann allerdings auf viele Bereiche ausgelegt werden und bezieht sich nicht nur speziell auf die Geschlechterdebatte. Ich begrüße die Entwicklung, dass es um Gleichstellung und Gleichberechtigung in vielerlei Hinsicht geht. Ich denke auch, dass wir auf einem guten Weg sind und dass wir Menschen es schaffen können. Gerade in Deutschland dürfte das doch zu schaffen sein.

Sein Zeichen. 😎
©Henrik Dietl

Ich:
Hast Du Dich auch (es geht um die Diskriminierung der Männer in „Hexenherz“, Anmerk. von mir) unangenehm überrascht gefühlt und wie sind Deine Gedanken dazu? Hast Du Dich schon einmal aufgrund Deines Geschlechts diskriminiert gefühlt?

Henrik:
Ich wusste ja, dass es ein ziemlich gesellschaftskritisches Buch sein wird, in der Frauen die Oberhand haben. Dennoch war ich überrascht, wie es sich anfühlt zu lesen, dass ein Geschlecht, dem ich selbst angehöre, als so niederträchtig und primitiv dargestellt wird. Das ist für einen empathischen Menschen vom Denken her ja schon sehr mitreißend. Schließlich denkt man ja dann auch „das könnte auch ich sein, der so behandelt wird“. Und ich denke genau da fängt dann auch das Umdenken an. Du führst dem männlichen Leser bewusst vor Augen, wie es sich anfühlen kann, schlecht behandelt zu werden. Was Diskriminierung ist. Für Menschen, die aufgrund ihres Aussehens, ihrer Religion, Hautfarbe oder Sexualität diskriminiert werden, ist das sicherlich auch ein bekanntes Gefühl. Aber wenn dann noch hinzukommt, aufgrund des Geschlechts diskriminiert zu werden, ist das etwas ziemlich Heftiges. Denn genauso wie die anderen genannten Eigenschaften, sucht man es sich nicht aus, wie und was man wird. Bis vielleicht auf die Religion. Dein Werk leistet meiner Meinung nach einen wichtigen Beitrag dazu, da sich Leser in etwas hineinversetzen können, das sich eben nicht täglich für alle bewusst abspielt. Aufgrund meines Geschlechts wurde ich noch nie bewusst diskriminiert.

Das Corpus Delicti

Ich:
Das freut mich sehr für Dich. Wenn Du etwas in der Vergangenheit der Menschheit ändern könntest, was wäre das?

Henrik:
Darauf weiß ich leider keine direkte Antwort. Stattdessen kann ich dir aber verraten, was ich mir für die Zukunft der Menschheit wünsche. Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft offener und toleranter wird. Dass die Menschen lernen, mehr miteinander statt gegeneinander zu Leben. Das würde viele Konflikte in Luft auflösen. Der Wunsch mag zwar recht naiv sein, aber wer weiß, was noch kommen wird?

Ich:
Das ist ein schöner Wunsch, dem ich mich gerne anschließe! Außerdem hast Du das Dilemma, in das ich Dich gebracht habe, geschickt gelöst, 🙂 Sorry, die Frage war irgendwie schon gemein gewesen, das war aber keine Absicht.
Du schreibst Rezensionen, gibst Dir viel Mühe damit. Wie viel Zeit verwendest Du ungefähr pro Rezension und was hat Dich in dem Zusammenhang schonmal geärgert?

Henrik:
Früher waren meine erste Rezensionen recht kurz und knackig. Aufgrund mangelnder Erfahrung und vor allem Unsicherheit. Was darf ich sagen? Worauf wird Wert gelegt? Erst durch meinen Blog habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, dass ich quasi alle Freiheiten besitze. Mir war schon immer wichtig, dass ich so ehrlich wie möglich bin und vor allem nachvollziehbare Rezensionen schreibe. Es ist ein ellenlanger Prozess. Manche Rezensionen gehen ratzfatz von der Hand und werden dann nur noch 2-3 Mal überarbeitet. Andere Rezensionen schreibe ich dann drei Mal und lösche sie genauso oft. Es gibt absolut keine feste Zeit. Es ist immer wieder abhängig davon, was ich zu einem Buch zu sagen habe. Mittlerweile möchte ich mir so viel Zeit nehmen, wie ich eben brauche, bis es meinem Anspruch genügt. Qualität ist mir wichtiger, als Quantität. Ich meine, was nützen nüchterne Zahlen und Lobhudeleien, wenn der Text meiner Rezension keinen Inhalt besitzt, der das Buch in irgendeiner Art und Weise kritisiert oder reflektiert. Erst meine Auseinandersetzung ermöglicht es einem Leser der Rezension sich über den Klappentext hinaus eine Meinung einzuholen und einen Eindruck zu verschaffen. Keine Rezension wird je perfekt sein und alles berücksichtigen können. Aber es ist doch immer schöner, wenn sich Mühe gegeben wird, der Rezensent Feedback erhält und sich damit weiterentwickeln kann. Das dient dem Autor oder der Autorin, dem Verlag, dem Leser und dem Rezensenten. Es macht großen Spaß diesen Prozess immer wieder von Neuem zu beginnen.

Hier liest, rezensiert, schreibt und hört Henrik.
©Henrik Dietl

Ich:
Du hast gesagt, Du schreibst Rezensionen, weil es Dir Spaß macht, es Dein Hobby ist, ebenso wie lesen. Schreibst Du selber auch oder hast Du dahingehend Ambitionen?

Henrik:
Ich schreibe auch, ja. Aufsätze habe ich geliebt. Das haben wir beiden schon mal gemeinsam. Auf Wattpad habe ich ein paar kleinere Werke veröffentlicht. Ich habe auch einige Ideen und Plots entwickelt, die mich nicht mehr loslassen. Das größte Manuskript bisher hat jetzt ziemlich lange pausiert und kratzt wieder an meinem Bewusstsein, da wird sich vielleicht auch wieder mehr tun, in der nächsten Zeit. Ich möchte aber in erster Linie noch ein bisschen Üben, das Schreiben genießen, einiges Lesen und irgendwann ist vielleicht auch mal ein fertiges Manuskript dabei. Es gibt so viele Möglichkeiten, was man schreiben kann, da sollte man sich auch erst mal darüber im Klaren sein, was einem liegt.

Ich:
Wie wäre es denn, wenn Du Dich als nächstes an Kurzgeschichten wagen würdest? Da gibt es auch eine Menge toller Wettbewerbe. Für Kleinstliteratur gibt es auch immer tolle Projekte der Asphaltspuren, an denen ich auch immer wieder gerne mitmache – es macht einfach Spaß! 🙂

Henrik:
Kurzgeschichten sind tatsächlich sehr Ideal. Auf der Plattform Clue-Writing habe ich mitgemacht und in diesem Zuge ist die Kurzgeschichte „Der Asket“ entstanden. Dazu hatte ich fünf Vorgegebene Clues (Wörter) und ein Setting, zu dem ich eine passende Geschichte schreiben konnte. Es war eine Herausforderung, die ich gerne wieder annehmen möchte.

Ich:
Von Clue-Writing habe ich schon gehört, schick mir doch den Link, damit wir alle mal Deine Geschichte lesen können! 🙂

Henrik:
Wattpad: https://www.wattpad.com/user/HenrikD
Meine Kurzgeschichte auf Clue-Writing: http://www.cluewriting.de/asket/

Ich:
Angenommen, Du beginnst ein Buch, das einfach richtig, richtig schlecht ist und Dir überhaupt nicht gefällt, für das Du aber eine Rezension zugesagt hast – was machst Du?

Henrik:
Es gibt dafür genau zwei Optionen. 1. Ich breche das Buch ab, um mich nicht länger selbst zu foltern. Gebe dem Verlag oder der Autorin, dem Autor eine Rückmeldung, warum ich nicht weiterlesen möchte. Natürlich führe ich dafür auch stichhaltige und konstruktive Argumente und Kritik mit auf, alles andere wäre nicht fair. Schließlich habe ich ein Produkt erhalten, um eine Meinung dazu abzugeben. Ich behandle es dahingehend auch Transparent und gebe zu, dass ich es nicht beendet habe und meine Meinung dahingehend nicht weiter relevant ist. Denn dazu müsste ich es beendet haben. Das wird genauso akzeptiert und verstanden. 2. Ich lese das Buch fertig, führe in meiner Rezension ehrlich auf, dass mir das Buch nicht gefallen hat und versuche sehr ausführlich das Warum zu begründen. Schließlich ist es besser, konstruktiv und ehrlich zu sein, als einfach nur ehrlich zu sein. Das ist übrigens mittlerweile meine bevorzugte Variante. Ich kann oft schon im Vorfeld sehr gut aussortieren, was mir absolut nicht gefällt und muss daher sehr sehr selten zu Option Nummer 1 greifen.

Henrik auf Facebook: https://de-de.facebook.com/zuendegelesen/

Ich:
Was hast Du alles gemacht, während Du auf meine Antworten gewartet hast? 😀

Henrik:
Ist das eine ernstgemeinte Frage? 😀

Ich:
Jap. Mein Humor, 😀

Henrik:
Ich habe dafür gesorgt, dass die heute angesetzte Alien-Invasion nicht wie geplant stattfinden kann. Wie haben noch mal 10 Jahre Zeit. Glück gehabt!

Ich:
Perfekt, 😀
OK, hier noch schnell die letzten zwei Fragen:
1. Wenn Du Dir etwas für das nächste Hexenherzweltbuch wünschen könntest, was wäre das?

Henrik:
Ich wünsche mir auf jeden Fall wieder eine sehr schön ausgereifte Geschichte mit starken, individuellen und eigenartigen Charakteren. Ich finde, du hast ein gutes Gespür für Figuren und vor allem dafür, dass Figuren mit dem Schauplatz agieren. Mich interessiert natürlich brennend die gesamte Welt. Wie wäre es, wenn die silberne Frau mal aus ihrer Sicht ein bisschen was preisgeben könnte. Als die Zweimächtigste? Da gibt es sicher viel zu erzählen. Schließlich muss man sich in diesen Rang erst hocharbeiten.

Ich:
2. Möchtest Du mir noch etwas erzählen, wonach ich sträflicher Weise nicht gefragt haben?

Ein Buchweihnachtsbaum. So etwas kann sich wohl nur jemand einfallen lassen, der Bücher über alles liebt – so wie ich! 🙂
©Henrik Dietl

Henrik:
Ich möchte auch noch meine Meinung zu dem Thema Hexen preisgeben. Ich liebe Hexen als Figuren, ich weiß nicht wieso und kann auch nicht sagen, woher diese Affinität kommt. Aber Hexen haben etwas so magisches und Zauberhaftes an sich, dass ich noch so viel mehr darüber sehen und lesen möchte. Vielleicht hast du ja noch ein paar absolute Must-Reads für mich, die ich mir zu Gemüte führen muss.* Oder etwas, dass ich mir anschauen kann. Das wäre noch sehr schön.

(*Da ich die letzte Frage von Henrik irgendwie aus Versehen komplett überlesen habe, hier noch meine Buchempfehlungen in Sachen Hexen:
Die Terry Pratchett-Scheibenwelt-Hexenbücher
– „Doppelgänger“ und „Hexenjäger“ von Marie Brennan

Ich:
Ich danke Dir, lieber Henrik, das Interview hat mir auf jeden Fall Spaß gemacht!!!!!

Henrik:
Ich danke dir auch sehr für das Interview! Es war sehr ergiebig und hat Spaß gemacht. Deine Fragen waren sehr gut, anders als erwartet. Es freut mich, dass wir so unterschiedliche Bereiche ansprechen konnten und ich denke, das wird den Lesern auch gefallen.

Ich:
Hab einen schönen Tag!

Henrik:
Hab auch ein wundervollen Tag. 🙂

  • Henriks Fragen an mich und meine Antworten dazu findet Ihr zeitnah auf zuendegelesen.de 🙂
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Ein Gedanke zu “Autor interviewt Buchblogger – Das Gegeninterview

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