Anders als ich

Diese Tage las ich endlich mal wieder ein richtig gescheites Buch.

„Ein gescheites Buch“ bedeutet bei mir – da ist ja jeder anders – dass ich mich richtig reinschmökern konnte. Mitdenken war angesagt, aber nicht so, dass es anstrengend wurde. Die Handlung bot genügend Sicherheit, um sich stets zurechtzufinden (mit Büchern, die in fiktiven Welten spielen, habe ich manchmal meine Schwierigkeiten und finde leider nicht immer hinein); dennoch gab es eine Menge überraschende Wendungen, die den Spannungsbogen stets aufrecht hielten.

Meine Rezension zu „Wonders Macht“ von meinem lieben Kollegen Mika Jänisen folgt noch.

Was mich aber wieder einmal total begeistert hat ist die Tatsache, dass der Kollege so ganz anders schreibt als ich!

Immerhin spielen unser beider Bücher im heutigen Europa, wir orientieren uns also in Etwa an der selben Welt. Dass dabei inhaltlich etwas total anders herauskommt, ist ebenso logisch wie verblüffend.

Was mich aber wirklich fasziniert ist, dass Mika vom Stil her so ganz anders schreibt als ich!

Es ist heutzutage viel Einheitsbrei unterwegs; gerade in der Prosa sind Schreibstile unterwegs, die ich nicht voneinander unterscheiden könnte, und wenn mein Leben davon abhinge.
Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die mit Absicht „massentauglich“ schreiben; andere wiederum wollen um jeden Preis auffallen, anecken, anders sein.

Ich schreibe, wie ich schreibe. Zumindest, wenn es um Romane geht, bemühe ich mich nicht um einen bestimmten Stil: ich schreibe einfach.
Bei Gedichten, Essays und Kurzgeschichten sieht das schon anders aus. Da spiele ich gerne mit der Sprache herum, probiere Neues aus. Wenn man aus der Ich-Perspektive eines Erzählers schreibt, muss man sich als Autor natürlich diesem Erzähler anpassen. Ein Arzt benutzt ein anderes (Fach-)Vokabular als ein Schreiner. Wer noch nicht lange in Deutschland ist, mag einen noch nicht richtigen Satzbau haben und wer gestresst ist, flucht schonmal wie ein Kesselflicker usw. (Wobei Personen unter 20 vermutlich diesen Ausdruck garnicht mehr benutzen würden).

Dennoch klingt der ganz eigene Schreibtsil – so denn vorhanden – immer durch. Behaupte ich mal. Und weiter behaupte ich mal, dass man den auch nur mit sehr viel Mühe und Not überschreiben kann.

Ich könnte etwa ohne Mühe eine (gute!) Kurzgeschichte schreiben, die aus lauter Bandwurmsätzen besteht. Oder eine, bei der ich die Sprache auf ein Minimum reduziere.

Mal ausprobieren, ich beschreibe einfach mal eine Szene. Erst normal, dann „verbandwurmsatzt“ und dann reduziert.

1. „Normal“:
„Sie seufzte. Der Kaffee in ihrer Tasse war längst kalt geworden. Dennoch nahm sie probehalber eine Schluck. Widerlich, nicht mal mehr lauwarm!
Sie könnte aufstehen, in die Küche gehen und sich einen neuen Kaffee aufbrühen. Doch irgendetwas hielt sie davon ab. War es der graue Himmel, der schon seit Stunden Regentropfen auf die Erde fallen ließ? Der kalte Lufthauch, der immer wieder aus der Ritze unter dem schlecht gedämmten Fensterrahmen zu ihr hinüberwehte und sie stets frösteln ließ? Oder weil sie wusste, dass sie vermutlich auch der nächsten Kaffee über ihre Grübeleien  kalt lassen werden würde?“


2. „Verbandwurmsatzt“
„Ihr Seufzen wurde von dem kalten Lufthauch, der immer wieder zwischen den Ritzen des schlecht gedämmten Fensterrahmens hinkam, weggeweht, ebenso, wie sich der Duft des vormals heißen Kaffees mittlerweile in den Raum verflüchtigt hatte. Der unaufhörliche Regen, der von den grauen Wolken eines tristen Himmels bereits seit Stunden ausgespuckt wurde, wusch nicht nur den Feinstaub aus der Luft, sondern auch, zumindest schien ihr das so, alles an Motivation und Freude aus ihrem Leben.“

(Verflixt: Diese Version gefällt mir gerade viel besser! :D)


3. Kurz und knapp.

„Seit Stunden Regen. Der Kaffee längst kalt. Es zog und sie fröstelte, während sie weiter durch die Fensterscheibe ins Nichts starrte.“


Verflixt, jetzt gefallen mir alle Versionen! 😀

Egal. Hier sieht man hoffentlich deutlich, was ich meine. Jede dieser Versionen hat wie ich finde etwas für sich. Mein „Komfortstil“ ist aber eindeutig die erste Variante. Ich könnte einen Text in einer der andern beiden Formen schreiben, keine Frage, aber würde mich das irgendwann nerven, mir zu anstrengend werden. Schreiben ist immer Arbeit, klar, aber, hm, das wäre in etwa so, als müsste ich den ganzen Tag lang in einem Abendkleid herumsitzen: Mal ist das sicher toll und man fühlt sich großartig! Aber irgendwann sehnt man sich doch nach dem, worin man sich eben auch in Alltagssituationen wohler fühlt.

Ich jetzt behaupte ich einfach wieder mal – ich könnte Mika ja auch einfach fragen, fällt mir da ein, :D.
So, erledigt, und Mika hat meinen Verdacht bestätigt: Er schreibt auch einfach so, ohne darüber nachzudenken.
Wir denken die ganze Zeit nach, WAS wir WIE schreiben; aber dabei geht es um den Inhalt, weniger um den Stil.

Und nun komme ich zu dem, was mich so verblüfft und erfreut: Mika schreibt ganz anders als ich! Ganz anders! Mit ganz anderen Satzkonstruktionsvorlieben. Und mit ganz anderen Inhaltsschwerpunkten.

Logisch, dass auch die Wörter, die wir verwenden, unterschiedlich sind. Aber die Art, wie wir etwas beschreiben und vor allem auch, WAS wir beschreiben, ist so unterschiedlich, dass ich beim Lesen des Buches immer wieder innegehalten und gestaunt habe.

Verschiedene Arten der Beschreibung sind oft der Textgattung geschuldet: In einem Gedicht muss jede Silbe sitzen, in einer Kurzgeschichte (fast) jedes Wort. Da schreibt man „dichter“, es geht ja garnicht anders.
Je länger der Text, desto mehr Zeit hat man als Autor. Schreibt man dennoch „dicht“, kann es sein, dass es dem Leser sehr anstrengend wird, am Ball zu bleiben (siehe „Das Dichte, das Weite und das Dazwischen„).

Eine normale Stadt in Deutschland muss ich dem Leser nicht en Detail beschreiben, eine exotischere Stadt dagegen schon. Oder doch nicht?

Was muss beschrieben werden, was nicht?
Es gibt Autoren und Autorinnen, die sich in ausführlichsten Landschaftsbeschreibungen ergehen. Oder jeden Millimeter eines Bauwerkes verbildlichen. Das äußere Erscheinungsbild einer Person kann knapp, ausführlich oder auch garnicht beschrieben werden.
Die Gefühle einer Person? Auch da unterscheiden sich die Schriftsteller untereinander. Manche beschreiben ausführlich, was ein Protagonist empfindet, andere benutzen nur „Show, don`t tell“, bei dem eigentlich garnichts an Gefühlen erklärt, sondern nur gezeigt wird („Seine Hände begannen zu zittern“ statt „Er hatte Angst“), oder natürlich Mischformen.
Bei Ereignissen wird es noch interessanter, denn sie bieten sich besonders gut für (versteckte) Andeutungen an.

Worauf ein Autor/in seinen/ihr Augenmerk legt, ist aber auch unabhängig vom Inhalt grundverschieden. Wie erkläre ich das nur so, dass Ihr versteht, was ich meine?
Mit einem Rezept!

Ich teile mit Euch mal unser leckeres Gemüse heute. Und das geht so:

Variante 1:
Zutaten (für 3-4 Portionen):
– 1 kleine Weißkohl oder 1/2 großer
– 1-2 Zwiebeln
– 4 Scheiben Schinkenspeck
– 1/2 rote Paprika
– 1 EL Sonneblumenöl
– 1 EL Erdnussöl
– 1 TL Salz
– 1 Ecke Streichkäse

Schneidet Kohl, Zwiebeln, Schinkenspeck und Paprika in kleine Stücke und bratet alles in dem Öl, bis der Kohl durch ist. Anschließend mit Ernussöl und Salz abschmecken und Käse unterrühren. Guten Appetit!


Variante 2:
Nehmt eine Pfanne mit hohem Rand oder einen Wok. Das ist wichtig, damit später beim rühren nichts danebengeht. Wer keine hohe Pfanne oder einen Wok hat, kann auch einen großen Topf nehmen.
Schneidet 1-2 Zwiebeln in kleine Stücke und bratet sie auf mittlerer Heizstufe in ca. 1 Esslöffel Sonnenblumnenöl an. Schneidet eine rote Paprika auf, entfernt die Kerne und die weißen Stellen und schneidet dann eine Hälfte ebenfalls in kleine Stücke. Die gebt ihr dann mit in die Pfanne.
Nehmt jetzt einen kleinen Weißkohl oder einen halben ganzen, entfernt mit einem Messer den Strunk und schneidet ihn in ca. 2x2cm große Stücke. Gebt den Kohl mit in die Pfanne und rührt um.
Jetzt nehmt ihr noch 4 Scheiben Schinkenspeck, schneidet oder reißt sie klein und gebt sie mit in die Pfanne.
Das Ganze muss jetzt ungefähr 30 Minuten garen. Rührt zwischendurch immer mal wieder um. Der Kohl ist dann durch, wenn er sich weich kauen lässt.
Nun gebt noch einen Esslöffel Erdnussöl dazu (das muss aber nicht) und einen halben Teelöffel Salz. Wenn möglich, gebt noch eine Ecke oder 3-4 Teelöffel Streichkäse hinzu. Das Gemüse ist fertig, sobald der Käse geschmolzen und verrührt ist.


Variante 3:
1/2 Weißkohl, 1-2 Zwiebeln, 1/4 rote Paprika und 4 Scheiben Schinkenspeck braten, bis der Kohl durch ist. Anschließend eine Ecke Streichkäse unterrühren und mit Erdnussöl und Salz abschmecken.


Die erste Variante ist zweckmäßig gegliedert und vor allem hilfreich in Sachen Einkaufsliste. Sie setzte voraus, dass die Leser wissen, wann Weißkohl ungefähr durch ist.

Die zweite Variante ist für Kochanfänger bestens geeignet. Auffällig ist hier, dass das Kochgerät beschrieben wird, in Variante 1 dagegen überhaupt nicht. Auch erfährt der Leser nur in der ersten Variante, für wie viele Personen das Gericht gedacht ist.

Variante 3 setzt ebenso wie die erste vorraus, dass die Leser wissen, wie man eine Paprika schneidet bzw. welche Teile man lieber nicht verwendet. Sie geht weiter davon aus, dass die Leserwissen, wie groß ein durchschnittlicher Weißkohl ist. Das Sonnenblumenöl zum braten wird nicht erwähnt; es wird davon ausgegangen, dass das Prozedere eines einfachen Bratvorgangs bekannt ist.

Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Die erste punktet mit ihrer Übersichtlichkeit, ist aber auch recht lang. Noch länger ist die zweite, die mir persönlich zu ausführlich und zeitraubend wäre. Die dritte Variante bietet keine „Einkaufsliste“, ist dafür aber kurz und knackig.

Das Schöne ist: Mit jeder dieser Anleitungen lässt sich eine leckere Gemüsebeilage kochen!

Genauso empfinde ich es auch beim schreiben: Es gibt viele Möglichkeiten, eine tolle Geschichte zu erzählen! Kein Stil ist „der Richtige“ und jeder hat etwas für sich.
Selbst bei gleichem Inhalt – angenommen etwa, Mika und ich sollten beide das Märchen von Hänsel und Gretel als Kurzgeschichte schreiben – kämen mitunter ganz unterschiedliche Sachen dabei heraus.
Weil wir zwar alle irgendwie gleich sind, aber doch jeder anders ist als ich.
Genial, oder?

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Das Dichte, das Weite und das Dazwischen

Der Zufall wollte es, dass ich mir kurz hintereinander drei Bücher kaufte. (Bzw. kaufen musste. Allerdings würde dieser „Zwang“ vor einem Gericht sicherlich nicht standhalten.)

Eines davon war wie Kaffee, eines wie ein Espresso und eines wie Spühlwasser.

Das erste Buch kaufte ich aus der Not heraus nicht in einem Buchladen, sondern dort, wo es außer einer sehr eng begrenzten Auswahl nichts gibt.

Diese „sehr eng begrenzte Auswahl“ ist leider fast immer die selbe: 08/15-Thriller, irgendwas Historisches mit einer „emanzipierten“ Frau als Hauptprotagonistin, Krimis. Allerdings nur ca. 3 verschiedene, dafür X Stück derselben Reihe. Ach ja, und irgendwas „fürs Herz“.

Versteht mich nicht falsch: Ich lese gerne Krimis, auch mal 08/15-Thriller und auch ab und zu Historisches mit einer „emanzipierten“ Frau als Hauptcharakter. Aber doch nicht immer!
Da ich aber leider mobil eingeschränkt war, begnügte ich mich mit einem akutellen Titel der Bestsellerliste.
Kaffee, eindeutig.

Das Buch war ganz gut geschrieben, die Charaktere bis auf zwei für mich wirklich nervige Sachen gut geschildert, wenn auch nur so tief, wie es für einen normalen Thriller benötigt wird, die Geschichte solide und spannend erzählt.

Kaffee eben:
Lecker bis köstlich, brauche ich auch jeden Tag, aber von zu viel bekomme ich Sodbrennen.
Oder ein „Einmalbuch“, wie ich oft sage.

Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ein Buch immer nur einmal lesen. Ich bevorzuge aber solche, die ich mindestens zweimal lesen kann. Weil sie eben nicht nur von einer großen Erkenntnis, DER Offenbarung schlechthin oder der Ergreifung eines Täters leben.
Dieses Buch war ein Einmalbuch und von daher ganz OK. Nur von solchen Büchern könnte ich allerdings nicht leben. Büchern, die nichts bei mir hinterlassen. Denen ich zwar dankbar bin, mich ein paar Stunden unterhalten und abgelenkt zu haben, aber auch nicht mehr. Fast schon wie Fastfood. Dementsprechend wollte ich reichhaltigere Kost!

Ich organisierte mir eine Fahrt zum für mich nächstgelegenen Buchhandel: Einem Bahnhofsbuchgeschäft.
Dieses Geschäft genießt meine Sympathie, weil es ein gutes Comicangebot hat, Lokalliteratur ausstellt und – lieder mittlerweile oft Mangelware! – ein Regal für Fantasy hat.
Ein Buch sprach mich auch direkt an: Ein dicker Schmöker in Sachen Fantasy, Cover genial, Klappentext verheißungsvoll! Der Preis eher saftig, aber der Dicke des Buches durchaus angemessen – nehm ich!

Die Ernüchterung folgte schnell. Wer immer diesen Klappentext verzapft hat (das Buch war im Original auf Englisch, als hat das nicht der Autor verhunzt), gehört gelinde gesagt nochmal an den Anfang seiner/ihrer Ausbildung gesetzt und das Buch selbst … puh! Logikfehler, die mich echt genervt haben (was schon was heißt, denn über Kleinigkeiten lese ich gern hinweg), schwache „Lösungen“ und alles in allem viel Lärm um … ja um was eigentlich?

Auf Seite 142 habe ich frustriert abgebrochen (und hätte es auch früher getan, hätte ich Zugang zu einer Lesealternative gehabt). Unfassbar schlecht, dieses Buch. Es wundert mich mittlerweile nicht mehr, dass dieses Buch ca. 600 Seiten umfasst, sie werden ja auch benötigt! Seitenweise unnützes Blabla, dem Leeser wird jeder einzelne Gedanke vorgekaut. Nichtigkeiten und Klischees wechseln sich ebenso ab wie blasse Charaktere und die ständig im Raum schwebende Frage „Und???“
Spühlwasser, eindeutig.

Ich hätte dieses Buch vielleicht etwas weniger harsch beurteilt, wäre ich dann nicht auf ein „Espresso-Buch“ gestoßen!

Enttäuscht habe ich dann organisiert, dass ich kurz zu einem meiner LIeblingsbuchläden fahren konnte. Dort bat ich, verzweifelt und am Ende meiner Kraft, die Buchhändlerin um Hilfe. Und bekam sie.
Das Buch, das ich jetzt lese, ist der Hammer! Und ein echter Espresso.
Was heißt das?

Es gibt Bücher, die sich gut und flüssig lesen. Und es gibt Bücher, bei denen man jeden Satz langsam und voll konzentrierter Aufmerksamkeit lesen muss. Wirken lassen muss. Und genauso ist dieses Buch.
Das Kaffee-Buch lies sich sauber, flüssig und ohne Anstrengung lesen. Das Spühlwasserbuch weniger: Zwar war die Sprache recht sauber, aber die lästigen und nervigen Logikfehler ließen mich immer wieder stocken.

Dieses Buch nun liest sich weder flüssig, noch schnell. Es ist nicht erholsam, es zu lesen, man kann dabei nicht entspannen. Nein, man muss genau aufpassen. Mitdenken. Eine Unachtsamkeit und man hat etwas überlesen.
Anstrengend ist das. Definitiv nichts für ein Sonnenbad am Strand oder „mal eben kurz fünf Minuten lesen, bevor ich los muss!“ Und nebenbei fernsehen ist auch nicht drin.
Aber es lohnt sich.
Dieses Buch besteht quasi nur aus Essenzen und hinter jedem Satz verbirgt sich eine ganze Welt. Na gut, vielleicht nicht ganz so viel. Aber auf jeden Fall sehr viel mehr. Der Autor schafft es mühelos, so viel mit so wenig Worten zu sagen. Alles ist gehaltvoll, präzise, essentiell.
Würde man das Spühlwasserbuch auspressen und dieses Konzentrat dann noch sieben, auskochen und trocknen lassen und dann mit einem Tropfen Kaffee einrühren, DANN hätte man so ein Espressobuch. Vielleicht.

Der Spagat zwischen literarischem Anspruch und Inhalt gelingt nicht immer. Ich kenne viele Bücher, die zu lesen mir einfach zu anstrengend ist. Lesen soll Vergnügen bereiten und nicht in Arbeit ausarten!
Dennoch liebe ich auch einige Bücher, in die ich nur unter Mühen hineinfinde; es lohnt sich.

Bei jedem Menschen verläuft diese Grenze anders. Was für den Einen zu seicht ist, ist für den Anderen ein willkommenes Entspannen. Was dem Einen zu anstrengend ist, liefert dem Anderen die dringend benötigte Herausforderung. Geschmäcker sind verschieden – zum Glück.

Dennoch sollte die Qualität eines Buches stimmen und ich ärgere mich wirklich über dieses Spühlwasserbuch, bei dem nicht nur der Autor, sondern auch der Lektor/die Lektorin geschlafen haben muss. Und das gleich zweimal, denn es handelt sich ja um ein ins Deutsche übersetztes Werk. Wieso, frage ich mich bei solch einem Schund, hat der Verlag den freien Programmplatz an sowas verschwendet, statt das neue Projekt eines heimischen Autors zu fördern oder einem Debütanten eine Chance zu geben?
Jemand sagt mir, dass der „Schaden“ sich für den Verlag ja in Grenzen halte: Gekauft und bezahlt ist das Buch ja schon!
Das ist aber sehr kurzsichtig gedacht, den erstens bekommt das Buch eine gepfefferte Negativrezension von mir (zumindest bis Seite 142) und zweitens werde ich Bücher aus diesem Verlag erstmal nicht mehr kaufen: Wenn das ein Beispiel für die Qualität der dort verlegten Bücher ist, dann bitte ohne mich!

Und jetzt mache ich mich wieder an mein Espressobuch. 🙂

Rezension zu „Andere Beziehungen“ von Norbert Wiegelmann

Der Kauf hat sich gelohnt!

Bereits vor einiger Zeit erstand ich die Kurzgeschichtensammlung „Andere Beziehungen – Bieder, bissig, bös, bigott“ meines lieben Kollegen Norbert Wiegelmann. Herrlich, immer mal wieder hier und da eine Geschichte zu genießen, das liebe ich ja generell an Kurzgeschichtensammlungen!
Mit 41 Geschichten auf 290 Seiten kann sich das Buch auch wirklich sehen lassen, da bekommt man ordentlich viel Inhalt für sein Geld! 🙂

Das Cover spricht mich überhaupt nicht an (Spinnen, igitt!), aber der Inhalt dafür umso mehr!
Nicht jede Geschichte hat meinen Geschmack getroffen, klar, aber es gab jede Menge Highlight. Im Guten wie im Schlechten, denn mache Geschichten sind wirklich bitterböse … (Manchmal sogar etwas zu böse für mich, *schauder*).

Was mir besonders aufgefallen ist, ist die durchweg hohe Qualität der Sprache. Noch nie habe ich wissentlich ein Buch gelesen, dessen Sprache trotz – oder gerade wegen? – teilweise wirklich langer Nebensatzkonstruktionen so klar, stichhaltig, präzise und verständlich war! Oft habe ich beim Lesen innegehalten, um eine besonders gelungene Formulierung noch einmal zu lesen und auf mich wirken zu lassen.
Besonders interessant fand ich beim Lesen, wie der Autor mir als Frau immer wieder auf unaufdringliche Weise Einblick in die Gefühls- und Alltagswelt eines ganz normalen Mannes gegeben hat.

Insgesamt kann ich das Buch jedem empfehlen, der Freude an Kurzgeschichten hat und nicht allzu zart besaitet ist. Eine schöne Geschichtensammlung, dessen Vorgänger, „Der Tag des Zitronenfalters“, sicher auch noch seinen Weg in mein Buchregal finden wird.

 

„Andere Beziehungen“ erschien im Chiliverlag (26. Juni 2017) unter der ISBN 978-3943292589 und kann überall gekauft/bestellt werden, wo es gute Bücher gibt – oder auf Anfrage sicher auch bei Norbert persönlich. 🙂