Die Sache mit dem neuen Buch

Es liegt vor mir und schaut mich vorwurfsvoll an. Bereits seit einer Woche bin ich stolze Besitzerin des Buches „Gefrorener Schrei“ der wunderbaren Tana French.

Angefangen hat alles, als ich 8 oder 7,5 Jahre zuvor in eine Buchhandlung meines Vertrauens ging und dort einen netten Mitarbeiter fragte, ob er mir ein gutes Buch empfehlen könne.

Ich weiß nicht warum, aber Dialoge in Buchhandlungen scheinen bei mir immer ähnlich abzulaufen:

Motivierter Mitarbeiter: „Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“
Ich: „Guten Tag, ich suche ein Buch!“
– Müdes Lächeln  des Mitarbeiters –
Mitarbeiter: „Dann sind Sie hier ja richtig! Was darf es denn für ein Buch sein?“
Ich: „Ein gutes bitte!“
– Müdes Lächeln  des Mitarbeiters –
Mitarbeiter: „Ein besonderes Genre? Was lesen Sie denn so?“
Ich: „Hm, eigentlich alles. Es darf nur nicht zu böse oder zu schmalzig sein.“
– Müdes Lächeln  des Mitarbeiters –
Mitarbeiter: „Hmmm. Das ist ja auch subjektiv.“
Ich: „Cody McFayden ist mir zu böse, Nicholas Sparks nur an wirklich manchen Tagen so grade noch erträglich.“
– Nicken des Mitarbeiters –
Mitarbeiter: „Ja, ich glaube, ich verstehe.“

Dann folgt der Gang durch den Buchladen, bei dem mir der freundliche Mitarbeiter ein Buch nach dem anderen reicht.
(Ich habe ja immer den Eindruck, dass es die Angestellten einer Buchhandlung glücklich macht, fast völlig freie Hand bei ihren Empfehlungen zu haben. Kein Wunder, da geht es mir nicht anders, wenn mich jemand nach einem guten Buch fragt.  🙂 )
Meist habe ich nach vier bis fünf Büchern genügend Auswahl, so dass ich den Mitarbeiter bitte, mich der Qual der Wahl zu überlassen.

Im Fall Tana French hatte ich den freundlichen Mitarbeiter jedoch bereits nach dessen zweiter Empfehlung unterbrochen. Zur Auswahl standen „Die Totenleserin“ von Ariane Franklin und Tana Frenchs Debüt „Grabesgrün“ .
Ich kaufte „Die Totenleserin“ und entdeckte damit eine Reihe, die mich bis heute begeistert und fesselt; die Bücher der „Mistress of the art of death“-Reihe lese ich immer mal wieder und bin nach wie vor begeistert.
Und ein paar Wochen später ging ich erneut in den Buchladen, erinnerte mich der anderen Empfehlung des netten Mitarbeiters und kaufte „Grabesgrün“.

Seitdem habe ich jedes neue Buch von Tana French mit Spannung und Vorfreude erwartet. Diese Autorin schreibt einfach absolut spitze, mir ist bislang nichts Vergleichbares untergekommen. Tana French schafft Atmosphären, die mich unwillkürlich einsaugen, ich werde in ihre Geschichten hineingesogen und kann mich der jedes Mal völlig anderen, aber immer intensiven Atmosphäre nicht entziehen. Ein absolutes Highlight am Krimihimmel!

Doch warum habe ich das neue Meisterwerk von Tana noch nicht in Angriff genommen? Weil mir die Zeit fehlt!  😦
Die Arbeit rund um „Hexenherz – Eisiger Zorn“ hat dafür gesorgt, dass viel anderes liegengeblieben ist. Weihnachtsbesorgungen, die Feiertage und zwei Grippewellen taten ihr Übriges.
Ich könnte „Gefrorener Schrei“ zwischendurch lesen, häppchenweise, über mehrere Tage verteilt. Aber das ist nicht möglich, nein, ein Buch einer Autorin wie Tana French verdient meine ungeteilte Aufmerksamkeit, verdient es, dass ich mich ihm stundenlang widmen und mich in seine Welt hineinfühlen kann, mit Haut und Haaren und all meiner Leseleidenschaft. Aber wenn Montag die Schule wieder losgeht, ist unsere Zeit gekommen, liebe Tana!  😉

Zeit und Geld

Die meisten Bücher erscheinen sofort oder später als Taschenbuch, ihr Preis liegt oft um die 10 Euro. Das ist eine Menge Geld, vor allem wenn man wie ich zu den Viellesern gehört.

Seit ich selbst schreibe und auch schon den ein oder anderen Einblick in die phantastische Arbeit der Verlage bekommen habe, empfinde ich die Buchpreise mehr als gerechtfertigt: Eigentlich müssten Bücher oftmals viel mehr kosten; je dicker das Buch, desto höher die Kosten für den Verlag. Dass dennoch die Preise oft angepasst sind, egal, ob ein Buch „nur“ 350 Seiten oder stolze 500 hat, liegt an der Preispolitik (großer Publikums-) Verlage, die ganz anders kalkulieren können und eben durch das Verlegen internationaler Bestseller auch andere Romane mitfinanzieren können.
Kleinere Verlage können das nicht immer bieten und müssen höhere Preise ansetzen und wenn man dann noch bedenkt, wie viel davon überhaupt der Autor bekommt, gemessen an der investierten Arbeitszeit, möchte man meinen, die Verkaufspreise sind noch zu niedrig angesetzt, aber das ist ein anderes Thema.

10 Euro sind viel Geld, das ich jedoch in der Regel gern bezahle. Von 10 Euro kann ich mir in einer Pizzeria eine Pizza und ein Getränk kaufen, richtig gut frühstücken gehen, ein Mittagessen für die Familie kochen, mir einige Paar Socken kaufen und, und, und.
Gebe ich dieses Geld stattdessen für ein Buch aus, erwarte ich auch etwas dafür, eine Gegenleistung: Ich möchte ein gutes Buch haben.

Jeder Buchkauf ist ein Risiko, das man durch einige Tricks minimieren kann. Zunächst einmal ist es oft von Vorteil, wenn man den Autor schon kennt. Man weiß, man mag den Stil und hofft auf gleichbleibende Qualität. Aus diesem Grund bleibe ich seit vielen Jahren vielen Autoren treu, auch wenn mich die Themen ihrer neuen Bücher nicht immer auf Anhieb begeistern  und mich die Klappentexte manchmal nicht ansprechen. Bislang bin ich nur zweimal enttäuscht worden und halte den anderen „Stammautoren“ die Treue.
Eine weitere Möglichkeit, sich als Leser vor einem Fehlkauf zu schützen, ist natürlich das Genre: Als Krimifan kaufe ich nicht unbedingt ein Buch, bei dem augenscheinlich Erotik im Vordergrund steht, als Fan historischer Romane kaufe ich keine zeitgenössische Biographie. Außerdem schaut man sich selbstredend in der richtigen Abteilung um, etwa bei Romanen für Erwachsene oder Fantasy ab 14. Wer dagegen Wert auf fundierte Fakten legt, geht in die Sachbuchabteilung.

Der Klappentext ist ein weiteres Werkzeug, um den Leser mit dem „richtigen Buch“ zusammenzubringen: Langweilt mich, was dort erzählt wird, ist das Buch wahrscheinlich nichts für mich.

Dennoch, selbst wenn man verstohlen in dem Buch geblättert und eine Seite darin gelesen hat, bleibt ein Restrisiko. Man kann den Schreibstil dann über längere Zeit doch nicht ganz so toll empfinden, man kann sich nicht in die Hauptfigur hineinversetzen, empfindet die Protagonisten als unsympathisch, die Handlung als unsinnig oder zu einfach oder zu kompliziert und, und, und.

All das kann passieren; dennoch ärgere ich mich als Leser nicht einfach so über einen Fehlkauf. In der Beurteilung eines Buches liegt immer eine ganze Menge Subjektivität. Es heißt, über Geschmack könne man nicht streiten und das stimmt.

Der Zeitpunkt, zu dem ich mich als Leser und Käufer richtig ärgere, wertvolle Lebenszeit und Geld verschwendet zu haben ist, wenn die Qualität des Buches derart schlecht ist, dass ich mich frage, warum es überhaupt in einem Verlag verlegt worden ist.
Für 10 oder mehr Euro erwarte ich eine solide Grundqualität, sonst ärgere ich mich gewaltig.

Unter „Grundqualität“ verstehe ich unter anderem Folgendes:
– Der Text ist so gut wie fehlerfrei
– Es gibt keine groben Schnitzer wie Logikfehler
– Die Fakten stimmen
– Der Plot ergibt Sinn

Was man sonst noch alles falsch machen kann, erzähle ich an anderer Stelle.