11 Fragen an the one and only Uwe Helmut Grave

Dieser Mann ist für mich eine Legende hinter einer Legende: Viele Jahre lang war Uwe einer der Hauptautoren hinter den von mir heißgeliebten „Gespenstergeschichten“ (wieso die bei Wikipedia auseinander geschrieben werden, ist mir ein Rätsel) und „Spukgeschichten“ (welche von meiner Schwester und mir immer irgendwie einander gegenübergestellt wurden, wobei sie eher die Partei der Gespenstergeschichten ergriff, während ich mich als Anhängerin von Arsat, dem Magier entpuppte, aber das ist wieder eine andere Geschichte).
Ich lernte Uwe in einem Schriftstellerforum kennen und schätzen. Uwe hat 33 Jahre lang vom Schreiben und Lektorieren gelebt, unter anderem verfasste er zahlreiche Ren Dhark-Geschichten.
Heute unterhält er mit Beiträgen im Forum, seinen Tweets und seinem neuesten und letzten Buch „Mr. Fitzgerald – Ist da wer?“ (Rezension von mir folgt).
Nun aber genug der Vorrede! Ich freue mich sehr, dass sich Uwe bereit erklärt hat, mir Rede und Antwort zu stehen – ich wünsche Euch viel Spaß mit diesem höchst vergnüglichen Interview! 🙂

Hallo Uwe!

MOIN, Monika!

Zuerst die Pflicht, lieber Uwe: stell Dich bitte kurz vor. 🙂

Uwe vorm Laptop.

Uwe Helmut Grave (Echtname – kein Pseudonym, kein Agenten-Deckname). Geboren 1955, gestorben 2015, wiederauferstanden ebenfalls 2015 (damit sollte man keine Zeit verlieren). Seit 36 Jahren verheiratet, kinderlos.
Nach diversen nichtssagenden Berufskostproben war ich ab dem 26sten Lebensjahr als freiberuflicher Schriftsteller, Lektor und Korrektor tätig, wobei ich mich innerhalb von 33 Berufsjahren langsam, aber stetig steigerte: Comics, Kurzgeschichten, Groschenromane, Taschenbücher, Bücher. Eventuell Bekanntes: Gespenstergeschichten, Der Bergdoktor, Pfarrer Schmieder, Gaslicht, Ren Dhark, Forschungsraumer Charr, Der Mysterious.

1..Lieber Uwe, als ich im Schriftstellerforum auf Deine Vorstellung stieß, war ich sofort begeistert: Du hast jahrelang die „Gespenstergeschichten“ … ja was eigentlich? Wie entsteht so ein Comicheftchen?

Bildchen malen, Sprechblasen dranpappen, Seiten zusammenheften – fertig. Noch was?
Na gut, für alle Begriffsstutzigen folgen jetzt noch ein paar Details.
Am Anfang war … das Exposé. Entwickelt wurde es ausschließlich von mir, ich war also der allerursprünglichste Urheber der betreffenden Gespenstergeschichte. Danach schlug erbarmungslos der Redakteur zu, ein gewisser Ewald Fehlau, der weit über die Grenzen seines trivialliterarischen Schaffens hinaus berühmt ist. Aus meinem hoffnungsvoll eingereichten Exposé-Stapel warf er üblicherweise die meisten weg und übergab mir den kläglichen Rest, um daraus ein Szenario anzufertigen …
Seufz, jetzt wisst ihr nicht, was das ist, gell?

Szenario = eine möglichst exakte Beschreibung der Bilder, und zwar nicht nur die Handlung betreffend, sondern auch das Layout, also die Größe und Anordnung auf der Seite. Kratzt sich auf einem rechteckigen, hochgestellten Bild der Protagonist am Hintern und ist dabei von Kopf bis Fuß zu sehen – ich hab’s beschrieben. Folgt danach ein rundes Bild mit einem großen Auge, aus dem eine Schmerzensträne gedrückt wird (weil‘s so juckt) – ich hab‘s beschrieben.

Das fertige Szenario bekam dann der Zeichner, der nunmehr die Bilder anfertigte, was vonnöten war, weil ich nämlich nicht zeichnen kann und weil Bilder in Comicheften laut einem uralten Aberglauben nahezu unverzichtbar sind. Anschließend fügte der Texter – mein Freund Hajo F. Breuer, der wie ich kurz vor seinem Sechzigsten starb, aber leider nicht mehr zurückkehrte – die Sprechblasen ein. Unser aller Geschichten erschienen dann unter den Labels Gespenstergeschichten Spukgeschichten in Form von Heften, Taschenbüchern und großformatigen Sonderausgaben. Lang, lang ist’s her. Autoren und Zeichner gab es mehrere (ich war einer von beiden Hauptautoren), getextet hat fast immer Hajo.

„Ren Dhark“ und die „Gespenstergeschichten“ – WOW!

2. Jetzt erschien „Mr. Fitzgerald – Ist da wer?“ im Aavaa-Verlag. Nach zahlreichen Ren-Dhark-Bänden hast Du damit für Dich literarisches Neuland betreten. Mal ehrlich: Wie schwierig oder einfach war es für Dich als alten Hasen, einen Verlag dafür zu finden?

So schwierig wie für jeden Neuling, der ein Produkt auf den Markt wirft, um das ihn niemand gebeten und auf das die Welt nicht gewartet hat. Was nutzen mir Kontakte zur unterhaltsamen Trivialliteratur – eine Bezeichnung, an der ich übrigens nichts Negatives sehe, was auch für „Groschenroman“ gilt –, wenn ich auf (für mich) gänzlich neuen Pfaden wandele? Abgesehen davon hätte ich nicht einmal dort wieder anknüpfen können, wo ich kurz vor meinem Tod aufgehört hatte, weil man meinen Leichnam bereits innerhalb von wenigen Tagen gefleddert hatte. The Show must go on – mit unbekannten toten Autoren kann man nun einmal keine Geschäfte machen, es musste umgehend Ersatz herbeigeschafft werden, weshalb ich das rigorose Absägen meines Astes niemandem übel nehme.

Der Fitzgerald-Roman beinhaltet so viele Facetten, dass er partout in keine Schublade passen wollte. Zu guter Letzt wurde er dem Genre Mystery zugeordnet, damit man wenigstens ungefähr weiß, in welche Richtung der Text abdriftet. Der Verlag hatte zunächst Fantasy vorgeschlagen, doch irgendwie trifft es das auch nicht. Hinzu kam, dass die Geschichte nicht wie eine gradlinige Erzählung, sondern mehr wie ein Puzzle aufgebaut ist, allerdings eins, das sich leicht zusammenfügen lässt, sodass alle Steinchen letztlich in einem Plot gipfeln.

Es gab ein paar wenige interessierte Kleinverlage, doch selbige wollten das, was ihrer Meinung nach nicht ins Schema passte, mit der Brechstange passend machen. Erst der Aavaa-Verlag gestand mir zu, alles so zu belassen wie es mir vorschwebte; dafür musste ich selbst für ein professionelles Lektorat und Korrektorat sorgen – und nun konnte ich endlich von meinen früheren Kontakten Gebrauch machen, denn ich kannte einen guten Lektor, der mir unentgeltlich zur Seite sprang (und der letztlich einen fehlenden Buchstaben sowie ein fehlendes dreibuchstabiges Wort übersah, wofür ihn meine Anwälte noch zur Rechenschaft ziehen werden). Anschließend ging der Roman ziemlich fix in Druck und ist seit dem 1. Oktober 2017 im Handel, rechtzeitig zum Weihnachtsfest: Der Tod auf dem Gabentisch.

3. Erzähl uns bitte, worum es Deiner Meinung nach in dem Roman geht!

Ich bin mir nicht sicher, ob ich während unseres Gesprächs bereits die Sache mit meinem Tod erwähnt habe – möglicherweise ist mir das schon mal rausgerutscht, nebenher, so ganz am Rande …

Im Klartext: Ich hatte ein Nahtod-Erlebnis, durfte einen Blick nach drüben auf die andere Seite werfen (ja, es gibt ein Jenseits!) und kehrte wieder ins Diesseits zurück. Offenbar wollte man mich nicht dortbehalten, obwohl ich gern geblieben wäre, denn es ist da gar nicht so übel – wie mein Protagonist Mister Fitzgerald des Öfteren betont.

Mein Nahtod ist der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des Romans, aber es geht noch um mehr: um die Entstehung und Heilung von Depressionen, um die Auslegung von Bibelworten, um seltsame Geister, um den menschlichen Phantasie-Himmel, ja sogar um Gott … lauter Wahrheiten, die mir sowieso keiner geglaubt hätte, daher habe ich von vornherein einen Mystery-Roman daraus gemacht.

Leben

Vor einiger Zeit habe ich mich bei Twitter angemeldet und festgestellt, dass es mir da recht gut gefällt. Dass einem dort für die Kommunikation nur 280 Zeichen (einschließlich der Links und den Hashtags genannten Rauten) zur Verfügung stehen, ist eine echte Herausforderung, die mich vor ein kleines Problem stellte: Wie wirbt man mit so wenigen Zeichen in möglichst vielen verschiedenen Themenbereichen für ein Buch?

Klar, ich könnte jeden Tag zig Werbungen twittern, gleich mehrere zu jedem einzelnen Thema, doch damit würde ich den wenigen Verfolgern, die sich mittlerweile für meinen Account interessieren, wohl gehörig auf den Wecker fallen, denn sie bekämen dieselbe Werbung ja wieder und wieder zu sehen. Also beschränke ich mich auf zwei, drei Buchhinweise pro Tag, wobei jede zweite einen neuen Totenspruch enthält – beispielsweise Nachdenkliches wie „Das Leben erlischt, die Liebe nie“ oder Flapsiges wie „So, so, zu deinen Lebzeiten warst du also Band-Mitglied bei Die Toten Hosen – und jetzt möchtest du dich im Jenseits verbessern?“

Die andere Hälfte besteht aus einer Dauerwerbung, die sich dank gezielt platzierter Hashtags auf einen Schlag in elf Richtungen verstreut:
Seltsames Nahtod-Erlebnis. War es Mystik oder eine kuriose Depression? Was bewirkte die plötzliche Heilung? Ein Wunder? Geister und Engel? Wo beginnt man die Suche nach Gott? In der Bibel oder im Himmel?

(http://www.aavaa.de/Mister-Fitzgerald)

Womit ich in meine wortreiche Rede nunmehr den Verlagslink eingeschoben habe – den Link auf meine Twitterseite lasse ich sogleich folgen:

4. Welches Deiner Projekte ist Dir das Liebste?

Früher war es immer das, an dem ich gerade gearbeitet habe – weshalb es jetzt, o Wunder, Mister Fitzgerald ist. Die Gespenstergeschichten habe ich einst so gern gemocht, dass ich sogar geweint habe, als sie eingestellt wurden – was kurz vor der Jahrtausendwende beinahe meinen schriftstellerischen Untergang bedeutet hätte. Mittlerweile bin ich nicht mehr so eine Heulsuse, man nennt mich den Mann aus Stahl (also ich nenne mich so, weil mich sonst keiner so nennt).

5. Wie bist Du eigentlich zum Schreiben gekommen?

Schon in der Schule mochte ich Diktate und das Schreiben von Aufsätzen, was zumindest bei ein paar Lehrern Anklang fand; die anderen hatten halt keinen intellektuellen Zugang zu meinen Texten – sprich: Die waren zu blöd, meinen Kindergenius zu erkennen!

Später probierte ich mehrere Berufe aus, vom Einzelhandelskaufmann über den Soldaten bis zum Lagerarbeiter. Nach etwa zwanzig Versuchen nahm ich mit 26 mein Schicksal selber in die Hand und begann, zu schreiben …

6. Was war der schönste Moment in Deiner Schriftstellerkarriere – von welchem Moment träumst Du noch?

Zählen Albträume auch? Ein Gefühl der Freude empfand ich stets dann, wenn ich ein veröffentlichtes Werk in den Händen hielt, was sich leider im Laufe der Jahre immer mehr verlor, weil ich anfing, Veröffentlichungen als etwas Selbstverständliches zu betrachten – bis zu dem Tag, an dem ich mein Fitzgerald-Freiexemplar in der Hand hielt. Plötzlich war das einstige Hochgefühl wieder da!

Logisch, denn bis dahin hatte ich immer nur Auftragsarbeiten erledigt bzw. exakt das geschrieben, was der Markt verlangte. Nun aber ist endlich, endlich etwas entstanden, das einzig und allein mir selbst entwachsen ist. Na gut, die erwähnten Geistererscheinungen haben mir vermutlich geholfen, jedoch bezweifle ich, dass sie Urheberrechtsansprüche stellen werden.

„Mister Fitzgerald – ist da wer?“ rund um den Erdball zu verbreiten ist fortan meine Restlebensaufgabe. Laut Hausarzt und Kardiologe mache ich es nicht mehr lange, aber denen huste ich was! Erst wenn 99% der gesamten Menschheit mein Buch NICHT gelesen haben – bescheiden wie ich bin, genügt mir das verbliebene Prozentchen -, beiße ich ins Friedhofsgras, keine Sekunde früher, Pasta mit Pesto!

7. Wenn Du in Hinsicht auf Deine Karriere nochmal von vorn anfangen könntest – würdest Du etwas anders machen und wenn ja, was?

Wahrscheinlich wäre ich zu feige, das Ganze überhaupt noch mal in Angriff zu nehmen, denn gerade in der Anfangszeit gab es viele Stolpersteine, insbesondere finanzieller Natur. Andererseits wären mir viele interessante Erlebnisse und Lebenserfahrungen entgangen, hätte ich mich nicht auf dieses Wagnis eingelassen. Was also anders machen? Hm, ehrlich gesagt: null Ahnung. Ich vermute mal, dass die meisten Menschen Deppen sind, die bei einem Neubeginn wieder exakt dieselben Fehler machen würden wie zuvor; da schließe ich mich nicht aus.

So sieht es also bei Uwe zuhause aus …

8. Du sagst, dass Mr. Fitzgerald Dein definitiv letztes Buch ist. Fehlt Dir das Schreiben denn gar nicht?

Nö, denn irgendwas wurstelt man sich am Schreibtisch immer zurecht, sei es eine kleine Kurzgeschichte oder eine ausführliche Mail – oder ein Interviewtext wie dieser hier, der hoffentlich nicht bis zur Unkenntlichkeit zensiert wird.

9. Welche/n Tipps/s hast Du für angehende Schriftsteller oder solche, die noch ganz am Anfang stehen?

Schreiben, schreiben und nochmals schreiben, denn Texte, von denen man immer nur träumt, kann auch keiner veröffentlichen. Fertige Texte, die in Schreibtisch-Schubladen vergammeln, übrigens auch nicht.

Aber ganz egal, ob man zielgenau für ein bestimmtes Genre schreibt oder ob man überzeugt ist, letztlich würde man auch für einen ungewöhnlichen Text einen Interessenten finden: Wenn die handwerkliche Qualität nicht stimmt – und die fängt bereits bei der Rechtschreibung an! –, wird es echt schwierig.

Alles Weitere ist abhängig von sehr, sehr viel Glück und guten Geistern, was manche erfolgreiche Bestsellerautoren gern vergessen, wenn sie sich unentwegt damit brüsten, was für Könner sie sind; auch diese Klientel hat mal als kleiner Pfurz angefangen.

Uwes letztes Buch.

10. Welche Faktoren entscheiden Deiner Meinung nach über Erfolg oder Misserfolg? Und was ist Erfolg überhaupt? Wirtschaftlich ertragreich zu arbeiten? Ein Buch zu beenden?

Die letzte Teilfrage beantworte ich zuerst und überaus umfangreich: Ja.

Erst wenn dieser wichtigste aller wichtigen Erfolge eingetreten ist, kann man die Veröffentlichung in Angriff nehmen. Ob selbige wirtschaftlich ertragreich ist oder nicht, sollte nur eine untergeordnete Rolle spielen, es sei denn, man muss (wie einst ich) davon leben.

Und was die entscheidenden Erfolgsfaktoren betrifft: Würde ich die kennen, wäre ich der Guru aller Schreiberlinge, und meine Jünger dürften mich anbeten und mein Konto auffüllen.

Von der vielen Kohle gehen meine Frau und ich dann auf Weltreise – eine, von der wir nie wieder zurückkommen. Da der Megaerfolg von Mister Fitzgerald nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, fangen wir schon mal mit dem Packen an.

11. Lieber Uwe, müssen wir alles, was du hier gesagt hast, wirklich ernst nehmen?

Nö. Nur das, was ich ernst meine.

Advertisements

Adrian und Jenny tratschen über mich

Meine liebe Kollegin Sabrina Wolv hat mich aufgefordert, bei der Challenge „Oktobergeheimnisse – Protagonisten plaudern über ihren Autor“ der lieben Damen Gabi Büttner und Silvia Nagels des Autoren_Netzwerkes mitzumachen.

Die Idee ist auf jeden Fall witzig und da Sabrina bereits zwei meiner Figuren dafür ausgewählt hat – Adrian und Jenny aus „Hexenherz“ – schaue ich jetzt mal, was dabei herauskommt …

1..Erzähl uns etwas über Deine Autorin. Stell sie kurz vor.
Jenny: „Tut mir leid, aber so gut kenne ich Monika gar nicht. Sie ist sehr nett, aber mehr weiß ich eigentlich nicht von ihr.“
Adrian: „Monika ist 34 Jahre alt, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Erfreulicher Weise sind wir einer Meinung, was die Stellung von Mann und Frau angeht. Jeder ist gleich viel Wert und sollte an seinen Taten gemessen werden und nicht an seinem Geschlecht.“

2. Hat deine Autorin Dich gefunden oder du sie?
Adrian: „Sagen wir: wir sind uns über den Weg gelaufen.“
Jenny: „Ich habe Monika über Birgit und Helena kennengelernt.“

3. Wie behandelt sie Dich? Fühlst du Dich respektiert oder ignoriert?
Adrian: „Da bin ich mir nicht sicher. Monika lässt mich zu Wort kommen, das ja, aber ehrlich gesagt hätte ich noch viel mehr zu sagen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie einfach keine Lust auf eine Debatte hat, sondern lieber ihre Ruhe haben will.“
Jenny: „Es tut mir leid, aber ich verstehe die Frage nicht?“

4. Was nervt dich an Deiner Autorin?
Jenny: „Garnichts. Was sollte mich denn nerven?“
Adrian: „Es ist schlimm, dass so viele sterben mussten. Das dürfte aber schwerlich Monikas Schuld sein, das ist vielmehr Folge der ungerechten Gesellschaft, in der wir leben.“

5. Was magst du an Deiner Autorin?
Jenny: „Ich finde Monika sehr nett und mag ihren Humor.“
Adrian: „Tut mir leid, aber könnten wir jetzt bitte über etwas anderes reden? Große Dinge stehen bevor, wichtige Dinge. Die viel bedeutsamer sind als ein einzelner Mensch.“

6. Was sagt die Familie Deiner Autorin dazu, dass er schreibt?
Adrian: „Die findet das gut, soweit ich weiß. Es ist sehr wichtig, von seiner Familie unterstützt zu werden. Leider ist das bei mir nicht der Fall …“
Jenny: „Die freuen sich, glaube ich, dass es so gut läuft.“

7. Ist Deine Autor eher in eine Nachteule oder ein Frühaufsteher? Wie ist ihre Stimmung morgens kurz nach dem Aufstehen?
Jenny: „Oh je.“
Adrian: „Sagen wir mal so: Man sollte Monika erst ansprechen, wenn sie einen Kaffee getrunken hat. Glaub mir, es ist besser so!“

8. Wann ist die produktivste Zeit Deiner Autorin?
Jenny: „Sie denkt ja immer dass das abends wäre …“
Adrian: „Dabei ist es definitiv morgens!“

9. Wie entspannt sich Deine Autorin? Hilfst Du ihr dabei?
Jenny: „Uff, schwierige Frage. Da kann ich eigentlich nichts zu sagen.“
Adrian: „Ich kenne Monika nur entspannt.“

10. Lässt Du Deiner Autorin Zeit zu lesen?
Jenny: „Ich fürchte, kaum. Das tut mir auch sehr leid. Ich weiß ja, wie gern sie liest …“
Adrian: „Man kann nie genug lesen. Aber noch viel wichtiger ist der Dialog untereinander. Meiner Meinung nach sollte Monika lieber mehr Fachliteratur als Romane lesen. Oder noch besser: Veränderungen bewirken. Das Leben ist zu kurz, um auf dem Sofa zu liegen und nichts zu tun. Aber erzähl ihr bitte nicht, dass ich das gesagt habe.“

Soso. Interessant. Hm …

Das absolut geniale Zitateinterview: 12 Fragen an Nikodem Skrobisz

Er ist erst 18 Jahre alt und kann schon auf eine beeindruckende Karriere als Selfpublisher zurückblicken: Nikodem Skrobisz hat unter seinem Alter Ego Leverat Pale bereits fünf Romane, drei Anthologien und zwei Sachbücher sowie zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht und sich eine treue Fangemeinde erschrieben. Da ich das Privileg genieße, Nikodem zu meinen mir freundschaftlich verbundenen Kollegen zählen zu dürfen, liegt der Gedanke nahe, ihn zu interviewen um ein bisschen Werbung für seine ungewöhnlichen Bücher zu machen und sich im Gegenzug auch von ihm ausfragen zu lassen. Da ich Interviews oft informativ, aber langweilig finde, haben Nikodem und ich uns etwas ganz Besonderes ausgedacht: Wir dürfen die 12 Fragen des anderen AUSSCHLIESSLICH mit Zitaten aus unseren VERÖFFENTLICHTEN Werken beantworten! Dabei müssen wir stets den ganzen Passus schreiben – wäre sonst ja witzlos – und dürfen maximal drei verschiedene Textstellen zitieren. (Die ausführlichen bibliographischen Angaben findet Ihr ganz unten.)
Es versteht sich von selbst, dass wir dem jeweils Anderen keine einfachen Ja-/Nein-Fragen stellen … 😉

Viel Spaß nun mit dem genialen Zitateinterview mit Nikodem Skrobisz aka Leveret Pale:

1. Frage:
Lieber Nikodem, Du hast ja bereits im Alter von sechzehn Jahren Dein erstes Buch veröffentlicht. Als ich so alt war, war es für mich noch ein mehr oder weniger absurder Zukunftstraum, irgendwann einmal Schriftstellerin zu werden. Was war der Auslöser dafür, dass Du diesen Schritt schon so früh gewagt hast?

„Als kleines Kind hatte er oft stundenlang am Fenster gesessen und sich vorgestellt, dass dort Riesen und Drachen in den Wäldern oder auch Zwerge in den Minenschächten lebten. Aber er war schon lange kein kleines Kind mehr und schenkte der Aussicht keine Beachtung.“
Zitat aus: „Der Bunker“, S.11.

So jung und schon so viele Bücher – Chapeau!

„An einem Punkt in meinem Leben begann ich mich jedoch für die bewusstseinserweiternde Wirkung halluzinogener Psychedelika zu interessieren, hatte doch eines von diesen, nämlich die Hawaiianische Holzrose, mich wie Lazarus von den Toten auferstehen lassen. […] Ich ging durchs Purgatorium, meine Katharsis, und meine Augen wurden gewaltsam weit aufgerissen. Ich erkannte mein Potenzial, meine Möglichkeiten, meine Fähigkeiten, meine Bürde, mein Leiden und damit meine Bestimmung, eine Identität, den einzigen Sinn, für den ich geschaffen wurde und für den ich weiterleben sollte:
Das Schreiben, das Erzählen und Dichten.
Ja, ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich die Tatsache noch am Leben zu sein und nun als Schriftsteller zu erblühen, diesem Erlebnis verdanke, ohne welches ich wohl tot oder zumindest noch immer ein Taugenichts wäre.“
Zitat aus: „Kratom“, S.427.

Nikodem bei der Arbeit.

2. Frage:
Du wurdest ja schon des Öfteren von Menschen angegriffen, deren größter Wunsch es ebenfalls ist, als Schriftsteller tätig zu sein. Dahinter steckt natürlich Neid. Wie stehst Du generell zum Thema Neid unter Autoren-“Kollegen“?

„Definitiv, ich habe mich aber bereits oft genug mit solchen Menschen unterhalten. Sie machen immer die gleichen Fehler, lassen sich von Doktrinen und ihren Trieben, vor allem Neid, leiten, sie sind realitätsfern und gehen von einem homogenen Menschenbild aus. Lassen wir das. Ich könnte mir den Spaß erlauben, sie in eine Debatte zu verwickeln, aber das würde uns nur Ärger einbringen.“
Zitat aus: „Crackrauchende Hühner“, S.61.

„Es ergibt keinen Sinn, es ist absurd, und das ist der relevante Punkt.“
Zitat aus: „Das Erwachen des letzten Menschen“, S. 54.

3. Frage:
Wenn Du nur noch ein einziges Buch schreiben könntest, wovon würde es handeln?

„Wie ein gigantisches Monster verschlingen die zentralen Gebäudekomplexe aus Beton, Glas und Stahl tagtäglich abertausende Individuen, und scheiden Angestellte, 1er-Schüler, Arbeitnehmer, Konformisten und ähnlich langweiligen Dreck aus. Die Mühlen und Stanzen der Wirtschaft und der Jagd nach Wohlstand rattern und schlagen erbarmungslos auf den Menschen ein, bis er zerbricht, und das einzige, was ihn hält, bleibt das Rauschgift.“
Zitat aus: „Arschageddon“, S. 22.

„Mein Leben mag zwar sinnlos sein, aber dadurch bin ich frei. Ich kann das Leben und diese Freiheit genießen, statt mich zu betäuben oder wahnsinnig im Kreis zu laufen, auf der Suche nach einem Weg zur Unsterblichkeit oder einem fadenscheinigen Sinn. Ich kann die wahre Welt, wie sie um mich herum existiert wahrnehmen und akzeptieren, statt mich in abstrakte Gedankengebilde und engstirnigen Hedonismus zu flüchten.“
Zitat aus: „Das Erwachen des letzten Menschen“, S. 53.

4. Frage:
Was müsste man Dir bieten, damit Du nie wieder außerhalb von Schule, Uni oder Beruf etwas schreibst?

„Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und begann die ersten Zeilen meines zweiten Romans zu tippen. Ich versank wie so oft im Schreibrausch, dem einzigen Zustand, in dem ich mich selbst vergesse, wo die Finger über die Tastatur fliegen und der Mensch davor verschwindet. Frieden.“
Zitat aus: „Kratom“, S.429.

Kreatives Chaos – so muss das sein! 😀

„Ein leichtes Schwanken meiner Seele, als wäre ich gerade auf ein kleines Ruderboot gestiegen, dessen Bestimmung es war, für immer und in Frieden über den endlosen Fluss der astralen Welten zu gleiten.“
Zitat aus: , „Crackrauchende Hühner“, S. 146

5. Frage:
Deine Bücher handeln oft vom Wahnhaften, Verstörten, Kranken … Aber hast Du auch schonmal einen Liebesbrief geschrieben?

„Ja, klar.“
Zitat aus: „Crackrauchende Hühner“, S. 267.

Er kann auch romantisch –  wenn er denn will.

„Weißt du was? Manchmal habe ich das Gefühl, Liebe könnte die Antwort auf all unsere Probleme sein. Liebe ist das stärkste natürliche Schmerzmittel. Sie lässt das Leben göttlich wirken, sie spendet Sinn und Trost in dieser kalten und sinnlosen Welt.“
Zitat aus: „Crackrauchende Hühner“, S. 247.

6. Frage:
Ich stelle mir gerade vor, dass ich Deine Oma wäre und mit kummervollem Kopfschütteln seufzen würde: „Ach Jung, warum schreibst Du denn nicht mal was Schönes?“ 😀 Ernsthaft: Werden wir von Dir auch mal etwas „Seichteres“, „Sonnigeres“ zu lesen bekommen?

Nikodem und seine Oma.

„Stell dir vor, Atombomben würden in Rom, Jerusalem, Mekka, Varanasi und Beijing explodieren. Stell dir vor, die Fresken des Vatikans und der Papst würden innerhalb von Sekunden zu radioaktiven Staub verbrennen. Stell dir vor, der Stein von Kaaba würde im nuklearen Feuer dahinschmelzen. Stell dir vor, der Ganges würde mit all den Pilgern darin schlagartig verdampfen. Ein Inferno aus Millionen von Schmerzensschreien und unendlicher Hitze, kochendem Blut und berstenden Knochen. Stell dir die Stätten aller großen Religionen ausgelöscht vor.“
Zitat aus: „Samael“, S.9.

„Und? Fühlst du dich besser?“
Zitat aus: „Paranoia“, S. 19.

Frage 7:
Hand aufs Herz: Bist Du als Schriftsteller finanziell im Plus, im Minus oder gleicht sich alles in Etwa aus?

„Ich stehe hier und lache der Absurdität der Welt ins Gesicht.“
Zitat aus: „Das Erwachen des letzten Menschen“, S.53.

Frage 8:
Was denkst Du: Gibt es zu viele Menschen, die schreiben, obwohl sie es nicht können, oder solche die es können, aber sich nicht trauen? Oder auch mal allgemein gefragt: was hältst Du für schädlicher, Over- oder Understatement?

„Ich sehe nichts Neues, denn überall wo ich hinkomme, war ich bereits. […] Nur ich bin geblieben und wandere weiter, denn dies ist meine Essenz.“
Zitat aus: „Der letzte Wanderer“, S. 162.

Frage 9:
Was war Dein miesestes Erlebnis als Schriftsteller?

„Ein weißes Kaninchen sitzt daneben und lacht. Wozu soll das alles gut sein? Ach ja, stimmt, ich vergaß. War ja klar. Ich darf es nur dem Leser nicht verraten. Moment mal! Träume ich gerade in einem Buch zu sein?“
Zitat aus: „Crackrauchende Hühner“, S. 46.

Frage 10:
Was wäre Dein Berufswunsch, wenn jeder Job der Welt gleich gut bezahlt wäre?

„Ich möchte frei sein. Auf allen Wegen. Wahrscheinlich werde ich ein Bohèmedasein führen, sobald ich mich durch die Schule durchgetrickst habe und alles Notwendige dafür bereitsteht. Ich werde Philosoph, Künstler, Designer, Prophet und Schriftsteller. Frei, unabhängig und authentisch und ich werde einige Projekte voranbringen, die die Welt grundlegend verändern werden. Oh ja, an diesen Projekten arbeite ich bereits jetzt schon seit einigen Jahren.“
Zitat aus: „Crackrauchende Hühner“, S.67.

Frage 11:
Womit kann man Dir eine Freude machen, was wäre das Schönste, dass jemand über eines Deiner Bücher sagen oder schreiben könnte?

„Ich muss darüber nachdenken.“
Zitat aus: “ Das Erwachen des letzten Menschen“, S. 14.

Frage 12:
Letzte Frage, lieber Nikodem, dann hast Du es geschafft! 😀 Überzeuge mich, Deine Bücher zu kaufen! 🙂

„Product-Placement: Lest alle Bücher von Leveret Pale. Buy my shit. Ich habe auch einen geilen Instagramaccount, um meinen inneren Narziss zu ernähren. Bitte. Nur ein Herzchen am Tag von dir kann das Leben eines Narzisses signifikant verbessern. Call alle deine Bekannten zu Action und spread meinen Wahnsinn und den Hype!“
Zitat aus: „Apokalypse“, S.57.

Das, lieber Nikodem, hat mir sehr viel Spaß gemacht! Chapeau, ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Du meine Fragen nur mit Zitaten so souverän antworten kannst, Hut ab!
Meine Lieblingsantworten von Dir sind übrigens 4, 5 und 7, genial!
Im Gegenzug Deine Fragen ebenfalls nur mit Zitaten zu beantworten hat mir übrigens auch sehr viel Spaß gemacht, das war teilweise ganz schön kniffelig, eine tolle Herausforderung, das können wir in ein paar Jahren gerne wiederholen. 🙂

Wen es interessiert, wie ich mich so geschlagen habe und mit welch geistreichen Zitaten ich um mich geworfen habe, kann das Interview mit mir auf Nikodems Autorenseite lesen. 🙂

Hier noch ein paar Links zu Nikodem:

Nikodems Autorenseite: http://leveret-pale.de/
Nikodem auf:
Facebook: https://www.facebook.com/LeveretPale/
Instagramm: https://www.instagram.com/leveret_pale/
Pinerest: https://www.pinterest.de/leveretpale/
Tumblr: https://nikodemskrobisz.tumblr.com/
Lovelybooks: https://www.lovelybooks.de/autor/Leveret-Pale/
Amazon: https://www.amazon.de/Leveret-Pale/e/B015BKNDDE/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&linkCode=sl2&tag=levepaleschr-21&linkId=8931276d63acf210ab898f56701494ae

Bibliographie der verwendeten Werke: