Goodbye …

… liebe Fotos.

Bald tritt die neue DSGVO in Kraft. Datenschutz ist eine feine Sache.
Aber … die neuen Regelungen zwingen mich, sämtliche Fotos zu löschen, auf denen Personen zu sehen sind, die nicht in die Veröffentlichung eingewilligt haben.
(Mehr dazu unter https://www.cr-online.de/blog/2018/03/09/das-ende-der-freien-veroeffentlichung-von-personenbildnissen-fuer-die-meisten-von-uns/ oder derzeit so ziemlich überall im Netz)

Auch sonst wird sich einiges ändern. Da ich in dieser kostenfreien WordPress-Variante keine Ersatz-PlugIns installieren kann, könnt Ihr von nun an:
– nicht mehr kommentieren
Ganz ehrlich? Das macht mich wahnsinnig traurig!
– meine Beiträge nicht mehr auf Facebook und Co teilen können.
Was für meine Reichweite ehrlich gesagt katastrophal ist. Also wenn Euch ein Beitrag gefällt, teilt ihn bitte gerne „manuell“.
– keine Avatare mehr sehen.
Und so weiter, und so fort.

Ich weiß im Moment noch nicht, wie es weitergeht. Vielleicht kapituliere ich auch und lösche dieses Blog; damit bin ich nicht allein, viele Kollegen und Kolleginnen – wie etwa der wunderbare und hochengagierte Markus Walther – hadern.

Worin das Problem besteht? Ob ich paranoid bin und Angst davor habe, einen auf den Deckel zu bekommen?

Nein und ja. DENN: Es gibt – eigentlich schon fast unfassbar – eine ganze Menge „Menschen“, die es darauf abgesehen haben, einen „abzumahnen“. Eine Abmahnung ist mit Kosten wie Anwaltshonorar und Bußgeldern verbunden.
EIGENTLICH ist der Sinn einer Abmahnung der, denjenigen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen und zu bestrafen, der sich durch unfaires Verhalten bzw. das Ignorieren von Regeln einen Wettbewerbsvorteil verschafft.
In der Praxis haben sich in den letzten Jahren zig „Anwaltspraxen“ darauf spezialisiert, durch absoluten Missbrauch dieser gesetzlichen Regelung Leuten wie mir das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Wer etwas gegen diese miesen Machenschaften tun möchte, der kann sich sehr gerne mit ein paar Klicks an der Petition gegen den Missbrauch von Abmahnungen beteiligen – hoffentlich bekommen wir die nötige Anzahl an Unterstützern zusammen, damit eine Reform des Abmahngesetzes im Bundestag diskutiert wird!!!!!
https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2018/_03/_08/Petition_77180.html

Nun, egal wie es weitergeht, ich möchte mich an dieser Stelle schon einmal von meinen Fotos von Menschen und Wesen verabschieden.

Goodbye, liebe Fotos von Kollegen und Kolleginnen, die ich mit deren Einverständnis auf Messen und Convents gemacht habe – leider konnte man im Hintergrund andere Menschen erkennen.

Goodbye, liebe Fotos von Engeln, Elfen, Helden, Rittern, Monstern, Kriegern, Hexen, Troopern, Aliens, Filmgestalten, Kinderhelden und Lebenskünstlern, die ich mit deren Einverständnis auf Messen und Convents gemacht habe – leider konnte man im Hintergrund andere Menschen erkennen.

Goodbye, liebe Fotos von Lesern und Leserinnen, Zuhörern und Zuhörerinnen, die ich auf Lesungen fotografiert habe – ich bin mir nicht sicher, ob das Zücken meines Handys und die Worte „Ich mache mal ein Foto für mein Blog“ als Einverständnis von Euch allen gilt!

Goodbye, liebe Fotos von Maleficent, der Ghostbusters-Familie, den männlichen Prinzessinnen, dem Joker und seiner irren Freundin, der Schönen und dem Biest, SuperMario, Anna von Arendelle, der Waldelfe, der Sumpfhexe, Captain Jack und der Krümelmonster-Lady: Wie soll ich je beweisen, dass Ihr „Ja“ gesagt habt, als ich fragte, ob ich ein Foto für mein Blog machen darf?

Goodbye, liebe Fotos vom Messegetümmeln, von tollen Convent-Athmosphären und erwartungsvollem Zuschauerraum.

Ich fühle mich, als hätte ich in meinem Garten eigenhändig allen Blumen die Köpfe abgeschlagen.
Goodbye, Ihr wunderbunten Fotos voller Leben, Begeisterung, Freude, würdigen Gewandungen, geschwitzten Arbeitstagen, Erwartungen und Verrücktheiten – Ihr werdet mir fehlen.

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Das Dichte, das Weite und das Dazwischen

Der Zufall wollte es, dass ich mir kurz hintereinander drei Bücher kaufte. (Bzw. kaufen musste. Allerdings würde dieser „Zwang“ vor einem Gericht sicherlich nicht standhalten.)

Eines davon war wie Kaffee, eines wie ein Espresso und eines wie Spühlwasser.

Das erste Buch kaufte ich aus der Not heraus nicht in einem Buchladen, sondern dort, wo es außer einer sehr eng begrenzten Auswahl nichts gibt.

Diese „sehr eng begrenzte Auswahl“ ist leider fast immer die selbe: 08/15-Thriller, irgendwas Historisches mit einer „emanzipierten“ Frau als Hauptprotagonistin, Krimis. Allerdings nur ca. 3 verschiedene, dafür X Stück derselben Reihe. Ach ja, und irgendwas „fürs Herz“.

Versteht mich nicht falsch: Ich lese gerne Krimis, auch mal 08/15-Thriller und auch ab und zu Historisches mit einer „emanzipierten“ Frau als Hauptcharakter. Aber doch nicht immer!
Da ich aber leider mobil eingeschränkt war, begnügte ich mich mit einem akutellen Titel der Bestsellerliste.
Kaffee, eindeutig.

Das Buch war ganz gut geschrieben, die Charaktere bis auf zwei für mich wirklich nervige Sachen gut geschildert, wenn auch nur so tief, wie es für einen normalen Thriller benötigt wird, die Geschichte solide und spannend erzählt.

Kaffee eben:
Lecker bis köstlich, brauche ich auch jeden Tag, aber von zu viel bekomme ich Sodbrennen.
Oder ein „Einmalbuch“, wie ich oft sage.

Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ein Buch immer nur einmal lesen. Ich bevorzuge aber solche, die ich mindestens zweimal lesen kann. Weil sie eben nicht nur von einer großen Erkenntnis, DER Offenbarung schlechthin oder der Ergreifung eines Täters leben.
Dieses Buch war ein Einmalbuch und von daher ganz OK. Nur von solchen Büchern könnte ich allerdings nicht leben. Büchern, die nichts bei mir hinterlassen. Denen ich zwar dankbar bin, mich ein paar Stunden unterhalten und abgelenkt zu haben, aber auch nicht mehr. Fast schon wie Fastfood. Dementsprechend wollte ich reichhaltigere Kost!

Ich organisierte mir eine Fahrt zum für mich nächstgelegenen Buchhandel: Einem Bahnhofsbuchgeschäft.
Dieses Geschäft genießt meine Sympathie, weil es ein gutes Comicangebot hat, Lokalliteratur ausstellt und – lieder mittlerweile oft Mangelware! – ein Regal für Fantasy hat.
Ein Buch sprach mich auch direkt an: Ein dicker Schmöker in Sachen Fantasy, Cover genial, Klappentext verheißungsvoll! Der Preis eher saftig, aber der Dicke des Buches durchaus angemessen – nehm ich!

Die Ernüchterung folgte schnell. Wer immer diesen Klappentext verzapft hat (das Buch war im Original auf Englisch, als hat das nicht der Autor verhunzt), gehört gelinde gesagt nochmal an den Anfang seiner/ihrer Ausbildung gesetzt und das Buch selbst … puh! Logikfehler, die mich echt genervt haben (was schon was heißt, denn über Kleinigkeiten lese ich gern hinweg), schwache „Lösungen“ und alles in allem viel Lärm um … ja um was eigentlich?

Auf Seite 142 habe ich frustriert abgebrochen (und hätte es auch früher getan, hätte ich Zugang zu einer Lesealternative gehabt). Unfassbar schlecht, dieses Buch. Es wundert mich mittlerweile nicht mehr, dass dieses Buch ca. 600 Seiten umfasst, sie werden ja auch benötigt! Seitenweise unnützes Blabla, dem Leeser wird jeder einzelne Gedanke vorgekaut. Nichtigkeiten und Klischees wechseln sich ebenso ab wie blasse Charaktere und die ständig im Raum schwebende Frage „Und???“
Spühlwasser, eindeutig.

Ich hätte dieses Buch vielleicht etwas weniger harsch beurteilt, wäre ich dann nicht auf ein „Espresso-Buch“ gestoßen!

Enttäuscht habe ich dann organisiert, dass ich kurz zu einem meiner LIeblingsbuchläden fahren konnte. Dort bat ich, verzweifelt und am Ende meiner Kraft, die Buchhändlerin um Hilfe. Und bekam sie.
Das Buch, das ich jetzt lese, ist der Hammer! Und ein echter Espresso.
Was heißt das?

Es gibt Bücher, die sich gut und flüssig lesen. Und es gibt Bücher, bei denen man jeden Satz langsam und voll konzentrierter Aufmerksamkeit lesen muss. Wirken lassen muss. Und genauso ist dieses Buch.
Das Kaffee-Buch lies sich sauber, flüssig und ohne Anstrengung lesen. Das Spühlwasserbuch weniger: Zwar war die Sprache recht sauber, aber die lästigen und nervigen Logikfehler ließen mich immer wieder stocken.

Dieses Buch nun liest sich weder flüssig, noch schnell. Es ist nicht erholsam, es zu lesen, man kann dabei nicht entspannen. Nein, man muss genau aufpassen. Mitdenken. Eine Unachtsamkeit und man hat etwas überlesen.
Anstrengend ist das. Definitiv nichts für ein Sonnenbad am Strand oder „mal eben kurz fünf Minuten lesen, bevor ich los muss!“ Und nebenbei fernsehen ist auch nicht drin.
Aber es lohnt sich.
Dieses Buch besteht quasi nur aus Essenzen und hinter jedem Satz verbirgt sich eine ganze Welt. Na gut, vielleicht nicht ganz so viel. Aber auf jeden Fall sehr viel mehr. Der Autor schafft es mühelos, so viel mit so wenig Worten zu sagen. Alles ist gehaltvoll, präzise, essentiell.
Würde man das Spühlwasserbuch auspressen und dieses Konzentrat dann noch sieben, auskochen und trocknen lassen und dann mit einem Tropfen Kaffee einrühren, DANN hätte man so ein Espressobuch. Vielleicht.

Der Spagat zwischen literarischem Anspruch und Inhalt gelingt nicht immer. Ich kenne viele Bücher, die zu lesen mir einfach zu anstrengend ist. Lesen soll Vergnügen bereiten und nicht in Arbeit ausarten!
Dennoch liebe ich auch einige Bücher, in die ich nur unter Mühen hineinfinde; es lohnt sich.

Bei jedem Menschen verläuft diese Grenze anders. Was für den Einen zu seicht ist, ist für den Anderen ein willkommenes Entspannen. Was dem Einen zu anstrengend ist, liefert dem Anderen die dringend benötigte Herausforderung. Geschmäcker sind verschieden – zum Glück.

Dennoch sollte die Qualität eines Buches stimmen und ich ärgere mich wirklich über dieses Spühlwasserbuch, bei dem nicht nur der Autor, sondern auch der Lektor/die Lektorin geschlafen haben muss. Und das gleich zweimal, denn es handelt sich ja um ein ins Deutsche übersetztes Werk. Wieso, frage ich mich bei solch einem Schund, hat der Verlag den freien Programmplatz an sowas verschwendet, statt das neue Projekt eines heimischen Autors zu fördern oder einem Debütanten eine Chance zu geben?
Jemand sagt mir, dass der „Schaden“ sich für den Verlag ja in Grenzen halte: Gekauft und bezahlt ist das Buch ja schon!
Das ist aber sehr kurzsichtig gedacht, den erstens bekommt das Buch eine gepfefferte Negativrezension von mir (zumindest bis Seite 142) und zweitens werde ich Bücher aus diesem Verlag erstmal nicht mehr kaufen: Wenn das ein Beispiel für die Qualität der dort verlegten Bücher ist, dann bitte ohne mich!

Und jetzt mache ich mich wieder an mein Espressobuch. 🙂

Rezension zu „Andere Beziehungen“ von Norbert Wiegelmann

Der Kauf hat sich gelohnt!

Bereits vor einiger Zeit erstand ich die Kurzgeschichtensammlung „Andere Beziehungen – Bieder, bissig, bös, bigott“ meines lieben Kollegen Norbert Wiegelmann. Herrlich, immer mal wieder hier und da eine Geschichte zu genießen, das liebe ich ja generell an Kurzgeschichtensammlungen!
Mit 41 Geschichten auf 290 Seiten kann sich das Buch auch wirklich sehen lassen, da bekommt man ordentlich viel Inhalt für sein Geld! 🙂

Das Cover spricht mich überhaupt nicht an (Spinnen, igitt!), aber der Inhalt dafür umso mehr!
Nicht jede Geschichte hat meinen Geschmack getroffen, klar, aber es gab jede Menge Highlight. Im Guten wie im Schlechten, denn mache Geschichten sind wirklich bitterböse … (Manchmal sogar etwas zu böse für mich, *schauder*).

Was mir besonders aufgefallen ist, ist die durchweg hohe Qualität der Sprache. Noch nie habe ich wissentlich ein Buch gelesen, dessen Sprache trotz – oder gerade wegen? – teilweise wirklich langer Nebensatzkonstruktionen so klar, stichhaltig, präzise und verständlich war! Oft habe ich beim Lesen innegehalten, um eine besonders gelungene Formulierung noch einmal zu lesen und auf mich wirken zu lassen.
Besonders interessant fand ich beim Lesen, wie der Autor mir als Frau immer wieder auf unaufdringliche Weise Einblick in die Gefühls- und Alltagswelt eines ganz normalen Mannes gegeben hat.

Insgesamt kann ich das Buch jedem empfehlen, der Freude an Kurzgeschichten hat und nicht allzu zart besaitet ist. Eine schöne Geschichtensammlung, dessen Vorgänger, „Der Tag des Zitronenfalters“, sicher auch noch seinen Weg in mein Buchregal finden wird.

 

„Andere Beziehungen“ erschien im Chiliverlag (26. Juni 2017) unter der ISBN 978-3943292589 und kann überall gekauft/bestellt werden, wo es gute Bücher gibt – oder auf Anfrage sicher auch bei Norbert persönlich. 🙂