Der Autor und die Testleser

(Beitragsbild: Rahmspinat an einer Blätterteigpastete, Füllung bestehend aus Hackfleisch, Zwiebeln, Pistazien, gekochtem Schinken, Paniermehl, Ei und den üblichen Gewürzen. Testgegessen und für gut befunden. 🙂 )

An vielen Stellen, an denen es um  das Schreiben geht, heißt es, man solle sich Testleser suchen. Testleser sind auch wirklich eine feine Sache – wenn alles stimmt. Und dieses „alles“ ist so groß, dass ich meist davon absehe, meine Texte von jemanden testlesen zu lassen.
Ich kenne allerdings viele Kollegen und Kolleginnen, die durchweg positive Erfahrung mit Testlesern gemacht haben; ich gönne es ihnen von Herzen!
Denn das ist garnicht so einfach, wie man sich das manchmal vorstellt …

1..Freunde und Bekannte als Testleser
Manchmal lasse ich Kurzgeschichten von Freunden oder mir gut bekannten Kollegen gegenlesen. Sich der Kritik derer zu stellen, die einen mögen, birgt Risiken. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich Jahr für Jahr Menschen vor laufender Fernsehkamera blamieren, weil ihnen die eigene Familie und der eigene Freundeskreis eingeredet hat, sie könnten gut singen?
Damit genau das nicht passiert, muss man Regeln aufstellen. Es muss klar sein, dass der Testleser ehrlich sein soll und dass auch negative Kritik KEINE Auswirkungen auf das private Verhältnis haben wird! Zugegeben fällt es nicht immer leicht, eine klare Linie zwischen „Beruflichem“ und „Privatem“ zu ziehen und nicht „privat“ zu schmollen, wenn die beste Freundin einem was am Text angekrittelt hat, aber da muss man als Autor einfach durch. Oder man umgeht das Ganze und sucht sich eben nur unbekannte Personen zum teslesen.

2. Andere Testleser finden
Das ist zum Glück kaum ein Problem: Zahlreiche Internetforen bieten ausreichend Gelegenheit, testlesewillige Personen zu finden oder einen eigenen Aufruf zu machen. Letzteres hat den Vorteil, dass man interessierte Personen nicht erst aufwändig nach ihren bevorzugten Genre befragen muss. Denn das Genre muss zum Testleser passen! Natürlich, es gibt Menschen, die absoluten Profis, die auch ungeliebte Genre objektiv beurteilen können. Das sind dann die Lektoren.
Aber soweit sind wir ja noch nicht. Der Sinn sich Testleser zu suchen besteht ja darin, das Buch VOR Veröffentlichung bzw. Übersendung an einen Verlag/eine Agentur leserlich zu gestalten. Da macht es wenig Sinn, jemanden eine Liebesgeschichte testlesen zu lassen, der sonst nur Steampunk liest usw.

3. Die Vorgehensweise
Nun habe ich mir also ein paar nette Testleser organisiert – wie geht es weiter? Zunächst muss dringend geklärt sein, in welchem Tempo beide Seiten Kommunikation erwarten. Es gibt Autoren, die ihre Testleser quasi „live“ an der Entstehung ihres Werkes teilhaben lassen und ihnen jedes Kapitel sofort nach Entstehung zusenden. Andere schreiben erst ihre Geschichte zu Ende und servieren sie dann entweder ganz oder eben auch häppchenweise, das kann man ja machen, wie man möchte. Es geht nichts über klare Absprachen! Wichtig ist hier, dass allen Parteien klar ist, wie oft und in welchem ungefähren Turnus neuer Lesestoff bzw. Rückmeldungen zu erwarten sind.

4. Die Dimensionen
Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur mit sogenannten „Alphalesern“, sondern auch mit „Betalesern“ usw. arbeiten, so dass ein bestimmter Leserkreis lediglichdie jeweils erste Fassung zu lesen bekommt, die nächsten immer nur die bereits überarbeiteten Version usw. Man kann also auch das Testlesen nach den Entwicklungsstufen des Textes staffeln. Wäre mir persönlich viel zu aufwendig, das ist wie mit Schreibprogrammen: Manche Schreiber nutzen die tollste, neueste, beste Software mit integriertem Normseitenlaypout, Notizzettelfunktionen, vorgefertigten Charaktersteckbriefen und was es noch alles gibt, anderen reicht zur Not auch ein einfacher Schreib-Editor ohne jeden Schnickschnack. Ist Typsache, das muss jeder für sich entscheiden.

5. Die Kritik der Testleser
Hier wird es nun zum ersten mal richtig, richtig kniffelig. Es gibt Menschen, die sind in Bezug auf ihre Schreiberei dermaßen beratungsresistent, dass man sich fragt, warum man überhaupt um seine Meinung gebeten wurde. Auf der anderen Seite gibt es Schreiber, die sich jede einzelne Kritik zu Herzen nehmen und darauf eingehen. Beides ist Mist!
Wer keine echten Testleser, sondern Fans sucht, wird sich genauso wenig weiterentwickeln wie der, der nicht hinter seinem Text steht!
Ich kenne beide Seiten, habe bei mir schon testlesen lassen und habe selbst testgelesen, und mich mit vielen Kollegen darüber unterhalten und weiß daher, dass sich an dieser Stelle nicht selten viele Autoren von manchen Testlesern trennen und umgekehrt. Ich selbst habe schon erlebt, dass alles gut war, bis ich es wagte, ein klein wenig konstruktive Kritik an einem Werk zu üben – sofort war Schluß mit lustig und ich als Testlerserin unehrenhaft entlassen. Die Kollegin suchte keine ehrliche Meinung, sondern nur Lobhuldelei.
Anders herum musste ich mich auch schon der unangenehmen Wahrheit stellen, dass ein Testleser Recht mit seiner Kritik hatte und ich etwas schlichtweg schlecht geschrieben habe. Ich denke, ich werde zum Thema Kritik noch einen gesonderten Beitrag schreiben, dieses Thema ist wirklich kniffelig und spannend. 🙂

 

Fehlerblindheit 2: 5 Gründe, warum man viele Fehler nicht findet

Wieso findet man so schlecht Fehler im eigenen Text?

1..Die Betriebsblindheit
Fehler in den Texten anderer Menschen zu finden, ist weitaus einfacher, als beim eigenen Text, man ist oft „betriebsblind“; man meint, das Geschriebene bereits zu kennen und überfliegt es nur noch. Oder aber, man lässt sich von dem beschriebenen Geschehen wieder sofort derart fesseln, dass man die Rechtschreibung wieder aus den Augen verliert.

2. Die Buchstaben
Die Buchstaben der meisten Schriftarten sind gleichförmig; die wenigen Schrifttypen, die „individuellere“ Buchstaben liefern, sind für längere Texte zu schwierig zu lesen. Dadurch fallen Fehler viel weniger auf, etwa in Bezug auf „m“ und „n“. Beide Buchstaben sehen in meiner Handschrift deutlich anders aus als getippt und inmitten eines Wortes.

3. Das menschliche Gehirn
Das Gehirn ist zu erstaunlichen Leistungen fähig. Unter anderem hilft es mit ein bisschen Übung, Dinge schneller tun zu können. Wie auch das Lesen. Und mit noch mehr Übung hilft uns das Gehirn Muster zu erkennen und Buchstaben und Wörter zu erkennen, die gar nicht da sind.
Wohl jeder kennt es, sich zu ver-lesen: Man „liest“ nur den Wortanfang und meint, aufgrund von Erfahrungswerten wie der Häufigkeit bestimmter Wortvorkommen auf den Rest des Geschriebenen schließen zu können. Ist in einem Gespräch zwischen zwei Frauen von einem fiesen Mann die Rede, kann es sein, dass wir anstelle von „Ex-Friseur“ tatsächlich „Ex-Freund“ lesen. Wir erkennen also nicht immer, was wir sehen, sondern das, was wir erwarten zu sehen.
Im Umkehrschluß bedeutet das, dass wir in der Lage sind, Wörter auch trotz Lücken zu erkennen, unser Gehirn füllt die Lücken – im Guten wie im Schlechten. Anders wären Spiele wir Galgenmännchengalgenmaennchen
oder Wortformraten

welches-wort

oder sowas hier:

rechtschreibreform
nicht möglich.

Dumemr Weise ist es so aber auch mölgich, jede Megne Fehelr zu überlseen.
Wiztiger Weise tirfft das Menshcen mit mehr Leseroutnie mehr als Lesefaule.

4. Die (Mit-)Gesprochene Sprache
Ein Grund, warum man Fehler nicht findet, kann sein, dass man in Gedanken falsch mitliest. Kaum einer spricht immer formvollendetes Hochdeutsch. Da wird aus „Bist“ schonmal gerne „Bis“, aus „wollen“ wird „wolln“ oder aus „schauen wir mal“ ein „schaun wir ma“. Wenn man dann in Gedanken im Dialekt mitliest, kann man Fehler überlesen, weil sie ja mit dem gedachten Klang des Wortes übereinstimmen.
Richtig fies ist, dass manche Worte auch falsch geschrieben richtige Worte sind; die Rechtschreibüberprüfungsprogramme finden somit keinen Fehler.
Ein paar Beispiele (siehe Beitragsbild), jeweils auch umgekehrt gelten:
– „Bis“ statt „Bist“
– „Seit“ statt „Seid“
– „Morgen“ statt „morgen“ („Der Morgen“, aber „morgen Früh“)
– „Weiß“ statt „Weißt“
– „Weise“ statt „Waise“
– „Bunt“ statt „Bund“
– „Jung“ statt „Junge“
Oder auch:
– „kein“ statt „klein“
– „sein“ statt „fein“
– „uns“ statt „und“
– „am“ statt „an“
– Singular statt Plural

5. Der Bildschirm
Ich weiß nicht warum, aber es fällt mir schwerer, am Bildschirm Fehler zu erkennen, als wenn ich einen Text in Papierform vor mir habe. Liegt es an der Beleuchtung? Am Blickwinkel?
Auf jeden Fall ist der Unterschied groß. Auch Fehler in Texten anderer springen mir auf Papier, Schildern (vor allem sogenannte „Deppenapostrophs„) oder sonstigen Gegenständen viel direkter ins Auge.

Im nächsten Beitrag erkläre ich, wie man Fehler vermeiden oder zumindest besser finden kann.

Auf Recherchefahrt

Es ist schon etwas her, dass ich mich auf Recherchefahrt begab. Ein Teil von „Hexenherz – Eisiger Zorn“ spielt an Orten, die es tatsächlich gibt. Zwar kenne ich diese Orte sehr gut, wollte aber dennoch noch einmal dorthin.
Es gibt Orte, die sind so besonders, dass sie eine eigene Stimmung erzeugen. An denen man trotz Sonnenschein und Hitze fröstelt. Oder die einem anders herum selbst bei Wind und Kälte warm ums Herz werden lassen. Diese Besonderheit wollte ich noch einmal selbst spüren um sie besser mit Worten einfangen zu können.
Hier ein paar Eindrücke – manche Ort werden bei „Hexenherz“ noch eine entscheidende Rolle spielen …

Ein Brunnen
Ein Brunnen
Stadtmauer
Stadtmauer
Ein Durchgang
Ein Durchgang
Vor dem Durchgang
Vor dem Durchgang
Eine Tür
Eine Tür
Blick auf ein rundes Gebäude
Blick auf ein rundes Gebäude
Ein rundes und ein eckiges Gebäude
Ein rundes und ein eckiges Gebäude
Linksrum
Linksrum
Kleines Fenster, dicke Mauer
Kleines Fenster, dicke Mauer
Ein Weg entlang der Schloßmauern
Ein Weg entlang der Schloßmauern
Merkwürdige Abgründe
Merkwürdige Abgründe
Eingang einer altehrwürdigen Lokalität
Eingang einer altehrwürdigen Lokalität
Ein Park
Ein Park
Eingang eines Geschäfts
Eingang eines Geschäfts
Ein Gasthof
Ein Gasthof
Wald und Weg
Wald und Weg
Ein ... irgendwas
Ein … irgendwas
Eine Treppe
Eine Treppe
Ausblick
Ausblick
Ein Schloß
Ein Schloß
Frauen der Stadt
Frauen der Stadt