Wie man sich auf eine Lesung vorbereitet 3: Die Auswahl der Textstellen

(Hier der Link zu Teil 1: „Der Rahmen der Lesung“ und zu Teil 2: „Das Lesen an sich“ )

Es gibt bei Prosalesungen eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Man trägt eine oder mehrere Kurzgeschichte vor oder Auszüge aus einem längeren Text. Dieser Beitrag hier beschäftigt sich mit der Textauswahl aus einem Roman.

Zwei Dinge sind für die Textauswahl entscheidend: Der Inhalt des Textes und die Dauer der Lesung.

Die erste Entscheidung, die es zu treffen gilt, ist einfach: Liest man den Anfang des Buches vor und dann einfach weiter, oder trägt man verschiedene Textstellen vor?
a) Man liest von Anfang an vor und dann einfach weiter
Diese Vorgehensweise hat den unschätzbaren Vorteil, dass man nichts erklären muss. Je weniger Zeit einem zur Verfügung steht, desto weniger Zeit hat man, seine Welt, in der Vergangenheit liegende Motive seiner Protagonisten usw. zu erklären.
b) Liest man verschiedene Textstellen vor, hat man den Vorteil, dass man zum Beispiel mehrere Hauptpersonen vorstellen kann, auch wenn eine erst an späterer Stelle auftaucht. Außerdem kann man sich die spannendsten Stellen aussuchen – und die hoffentlich kaufwilligen Zuhörer mit einem fiesen Cliffhanger zurücklassen.
Aber Vorsicht: Wenn man es mit der Cliffhangerei übertreibt, hinterlässt man beim Zuhörer ein Gefühl der Unzufriedenheit; schließlich will man etwas für sein Geld (oder zumindest seine Zeit) geboten bekommen!

Solche Tabellen erstelle ich mir für jede Lesung und drucke sie aus. Hier mein „Blättchen“ zur meiner ersten 20 Minuten-Lesung. Wie Ihr sehen könnte, rechne ich pro Buchseite 1,5-2 Minuten, das variiert immer ein wenig und richtet sich nach der Zeichenzahl. Da hilft nur Eins: Zuhause laut vorlesen und dabei die Zeit stoppen. In Oberhausen bin ich mit den obigen Texten zuzüglich Erklärungen übrigens nur haarscharf hingekommen, da hatte ich mir etwas viel vorgenommen.

Es gibt Geschichten, bei denen nur eine chronologische Lesung Sinn ergibt; wann das der Fall ist, vermag ich nicht zu pauschalisieren, das hängt natürlich stark vom Inhalt ab.

Je weniger Zeit mir zur Verfügung steht, desto zusammenhängender lese ich meine Szenen. Bei lediglich 10 Minuten Lesezeit macht es bei meinem Buch wenig Sinn, zwei Szenen zu lesen; dann suche ich mir eine Stelle aus, die etwa 7 Minuten in Anspruch nimmt. Die restliche Zeit kalkuliere ich für Begrüßung, Einleitung und eventuelle Fragen ein.
Bei 20 Minuten Lesezeit sieht es schon besser aus, da wären zwei kurze Szenen oder eine lange drin.
Ab 30 Minuten beginnt die Sache, mir deutlich mehr Spaß zu machen: Zwei bis drei ordentliche Szenen plus Erklärungen bzw. Überleitungen sind möglich.
Am komfortabelsten ist mir eine Lesedauer zwischen 40 und 60 Minuten, wobei ich natürlich nicht die ganze Zeit über lese. Hier liegt auch der unschätzbare Vorteil, wenn man im Buch ein bisschen hin und her springt: Dadurch, dass man immer wieder zur nächsten Szene frei sprechend überleiten muss, entspannt man seine Stimme, das macht wirklich ungemein viel aus. Man kann Dinge erklären, eventuelle Zwischenfragen beantworten oder auch ein bisschen was zu der Entstehung der Szene erzählen.
Wenn ich eine Stunde lesen soll, plane ich Text für 40-45 Minuten Lesezeit ein; das kommt bei mir immer sehr gut hin. Aber auch hier richtet sich das natürlich ganz nach dem Buch. Bei „Hexenherz“ erkläre ich zu Beginn eine Menge und auch immer wieder zwischendurch. Bei einem normalen Krimi etwa wäre das weniger der Fall, da müsste man sich dann etwas anderes zum erzählen überlegen oder mehr Text einplanen.

Meiner erste Lesung über 60 Minuten sah so aus; die reine Textlesezeit betrug mit den Nummern 1-5 circa 41 Minuten, hinzu hatte ich mir – weil mir noch die Erfahrung fehlte – zusätzliche Szenen aufgeschrieben. Da ich noch nicht viel Routine hatte und auch sehr nervös war, habe ich so schnell gelesen, dass ich alle Textstellen geschafft habe, 😀 Dabei ist das viel zu viel.

Überhaupt sollte man sich sehr genau überlegen, wie lange man lesen möchte. Nicht alle Bücher sind dafür geschaffen, dass man so lange aus ihnen lesen kann, ohne zu viel zu verraten!

Letzteres kann ich jedoch nicht empfehlen. Ich bin mittlerweile sehr geübt im lauten Vorlesen, merke aber nach spätestens 45 Minuten Lesezeit, dass es dann auch genug ist.
Davon, mehr als 20 oder 25 Minuten am Stück zu lesen, rate ich generell ab. Es gibt Menschen, die so lange konzentriert zuhören können, aber die meisten (so wie ich) werden dann zappelig. Da tut eine kleine Pause, in der der Autor frei erzählt, wirklich gut. Bei längeren Lesungen wird auch manchmal eine Kaffeepause gemacht oder musikalische Darbietung geboten, das ist auch immer sehr schön, wie ich finde.

Generell gilt, dass man jede Szene auch durch eine frei gesprochene Zusammenfassung oder Nacherzählung ersetzen kann. Das lockert die Lesung auf, schont die Stimme und sorgt auch dafür, dass man mit den Zuhörern besser in einen Dialog kommt.

So fülle ich heute eine 60 Minuten-Lesung: Text für 40-45 Minuten. So bleibt genügend Zeit für Einleitung, Überleitungenen zwischen den Kapiteln, Fragen der Zuschauer etc. Und falls dann immer noch Zeit bleibt, erzähle ich einfach noch etwas, z.B. was ich wie recherchiert habe. Wie Ihr seht, habe ich den Anfang ganz als Vorlesetext gestrichen, ich ersetze ihn mittlerweile durch freie Rede.

Die inhaltliche Auswahl der Textstellen ist oft schwierig. Man möchte spannende, fesselnde Stellen vortragen, die aber andererseits nicht zu viel verraten – warum sollten die Zuhörer sonst das Buch sonst überhaupt noch? Weiter muss der Zuhörer mit den wichtigsten Fakten vertraut gemacht werden, ohne dass er damit zugetextet wird.
Wie gesagt: Nicht einfach!

Zum Glück – siehe Teil 2 – kann man sich seinen Vorlesetext ja ganz individuell zusammenschustern.
Ich kreiere mal ein Beispiel:
„Marlon betrat seine Wohnung. Mit einem Seufzer rollte er seinen Koffer unter die Garderobe, hängte seinen Schlüssel an den dafür vorgesehenen Haken in der Wand und stieß mit dem Fuß die Tür hinter sich zu. Endlich wieder daheim! Er konnte es kaum erwarten, Jürgen anzurufen und ihm die gute Nachricht zu verkünden. Ob Ninas Brief schon angekommen war? Vor lauter Müdigkeit hatte Marlon völlig vergessen, den Briefkasten zu kontrollieren. Kurz haderte er mit sich, dann beschloss er, dass diese Angelegenheit bis Morgen würde warten können.
Er zog Schuhe und Strümpfe aus, räumte alles ordentlich weg und bückte sich nach seinen Pantoffeln. Da bemerkte er es. Es nur ein Hauch, der im in die Nase drang, ein winziger Schwall, der bereits nach einem Lidschlag an ihm vorbeigezogen war. Doch diese eine Sekunde hatte gereicht. Marlon kannte diesen Duft: Katja.“

Da ja nicht jeder von Euch mein Buch kennt habe ich hier mal aufgeschrieben, welcher Art die von mir gelesenen Szenen waren.

Mit dieser Szene kann man als Leser und Zuhörer etwas, aber nicht allzu viel anfangen. Es fehlen elementar Informationen, die der Szene erst wirklich Spannung verleihen. Die elementarste Frage ist an dieser Stelle, wie der Zuhörer Katjas Anwesenheit in Marlons Wohnung einzuordnen hat: Positiv oder negativ?
Wie ist das Verhältnis zwischen Marlon und Katja?
– Ist Katja mit Marlon verwandt, oder ist sie seine Frau/Geliebte/Lebensgefährtin, eine Freundin/Bekannte, eine Geschäftspartnerin/Assistentin/Chefin/Kollegin oder WAR sie einst etwas davon?
– Wusste Marlon, dass Katja in seiner Wohnung sein würde, hoffte er es, rechnete er damit oder rechnete er in keinster Weise damit, ist sie vielleicht sogar bei ihm eingebrochen?

Je nachdem, um wen es sich bei Katja handelt, könnten andere Personen der Szene interessant werden und müssten erklärt werden.
Wer ist also Nina?
-> Wenn Nina Marlons Freundin ist und Katja ebenfalls, könnte das interessant werden. In diesem Fall sollte Marlons Beziehung zu Nina vorher erwähnt werden. Die frei vorgetragene Einleitung für diese Szene könnte also lauten:
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30, ist Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er lebt allein, ist aber seit einem halben Jahr mit Nina zusammen. Er kommt gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“
-> Wenn Nina Marlons von ihm getrennt lebende Frau ist, mit der er im Zuge einer Ehetherapie derzeit nur per Briefen kommunizieren darf und Katja seine Schwester ist, die einen Notfallschlüssel zu seiner Wohnung hat wäre es interessant zu wissen, wie sein Verhältnis zu ihr ist.
Die Einleitung könnte lauten:
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30 und Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er lebt derzeit von seiner Frau Nina getrennt, sie machen aber eine Ehetherapie. Marlon kommt gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“

-> Nina könnte Marlons Schwägerin sein, die versprochen hatte, ihm eine Einladung zur Kommunion seines Patenkindes zukommen zu lassen. In diesem Fall sollte man, vor allem wenn man auf die Zeit achten muss, die Textstelle mit Nina ersatzlos streichen.
– Nina könnte die Privatdetektivin sein, die Marlon auf seine Noch-Frau angesetzt hat, um ihr Untreue nachzuweisen. Ist Katja diese Ehefrau?
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30 und Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er hat sich vor kurzer Zeit von seiner Frau Katja getrennt und die Scheidung eingereicht. Seine Bekannte Nina, eine Privatdetektivin, soll Katja ausspionieren, um ihre Untreue zu beweisen. So könnte Marlon den für ihn sehr ungünstigen Ehevertrag aufheben lassen. In dieser Szene jetzt kommt er gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“

Hier dasselbe mit meinem aktuellen 60 Minuten-Lesungsplan.

(Ihr habt sicher längst festgestellt, dass ich die Einleitungen nicht in formschöner Schriftsprache verfasse. Die nützt einem nämlich bei freier Rede herzlich wenig und ich erachte es als wesentlich sinnvoller, sich seine Worte vorher so zurecht zu legen, wie man sie dann auch in der freien Rede benutzt. Elegante, kunstvoll verschachtelte und formschöne Sätze können in der schriftlichen Vorbereitung wunderbar funktionieren, sind dann aber als Gedankenstütze für freies Reden weniger zu gebrauchen.)

Auch was den ominösen Jürgen und die gute Nachricht, die es zu verkünden gilt, betrifft, kann man verschiedene Varianten durchspielen. Entscheidend ist immer, was der Leser zum Zeitpunkt, zu der er diese Szene hört, schon weiß und wissen soll. Und das hängt wiederum mit dem Text und der bisherigen wie auch der noch folgenden Textauswahl zusammen.
Informationen, die zu einem nicht weiter erwähnten Handlungsstrang gehören, haben bei der Lesung nichts zu suchen!

Hier jetzt noch einmal der Beispieltext in zwei Varianten:
1a) Einleitung:
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30, ist Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er lebt allein, ist aber seit einem halben Jahr mit Nina zusammen. Er kommt gerade von einer erfolgreichen Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“

1b) Text:
„Marlon betrat seine Wohnung. Mit einem Seufzer rollte er seinen Koffer unter die Garderobe, hängte seinen Schlüssel an den dafür vorgesehenen Haken in der Wand und stieß mit dem Fuß die Tür hinter sich zu. Endlich wieder daheim! Er konnte es kaum erwarten, Jürgen anzurufen und ihm die von dem Vertragsabschluss zu erzählen.

Er zog Schuhe und Strümpfe aus, räumte alles ordentlich weg und bückte sich nach seinen Pantoffeln. Da bemerkte er es. Es nur ein Hauch, der im in die Nase drang, ein winziger Schwall, der bereits nach einem Lidschlag an ihm vorbeigezogen war. Doch diese eine Sekunde hatte gereicht. Marlon kannte diesen Duft: Katja.“
Hier habe ich Nina gänzlich herausgestrichen und den Satz mit Jürgen leicht verändert. Dass es sich bei der guten Nachricht um einen Vertragsabschluss handelt, wird sicher an späterer Stelle noch im Buch erwähnt, aber da haben ja die Zuhörer jetzt nichts von, daher gibt es diese Information hier. Ebenso könne man hier bei Bedarf einstreuen, wer Jürgen ist („seinen Bruder Jürgen“, „seinen Chef Jürgen“ etc.).

Nun eine andere Variante:

2a) Einleitung
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30 und Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er hat sich vor kurzer Zeit von seiner Frau Katja getrennt und die Scheidung eingereicht. Seine Bekannte Nina, eine Privatdetektivin, soll Katja ausspionieren, um ihre Untreue zu beweisen. So könnte Marlon den für ihn sehr ungünstigen Ehevertrag aufheben lassen. In dieser Szene jetzt kommt er gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“
2b) Text:
„Marlon betrat seine Wohnung. Mit einem Seufzer rollte er seinen Koffer unter die Garderobe, hängte seinen Schlüssel an den dafür vorgesehenen Haken in der Wand und stieß mit dem Fuß die Tür hinter sich zu. Endlich wieder daheim!  Ob Ninas Brief schon angekommen war? Vor lauter Müdigkeit hatte Marlon völlig vergessen, den Briefkasten zu kontrollieren. Kurz haderte er mit sich, dann beschloss er, dass diese Angelegenheit bis Morgen würde warten können.
Er zog Schuhe und Strümpfe aus, räumte alles ordentlich weg und bückte sich nach seinen Pantoffeln. Da bemerkte er es. Es nur ein Hauch, der im in die Nase drang, ein winziger Schwall, der bereits nach einem Lidschlag an ihm vorbeigezogen war. Doch diese eine Sekunde hatte gereicht. Marlon kannte diesen Duft: Katja.“

Die Sätze, die sich auf Nina beziehen bleiben drin, der mit Jürgen fällt raus, weil er in dieser Variante an dieser Stelle überflüssig ist und den Zuhörer nur vom Wesentlichen ablenkt.

Hier habe ich versucht, meine Notizen für Euch in eine lesbare Form zu bringen, 😀 So ungefähr ist mein Lesungsablauf hinsichtlich reiner Lesung und freier Erzählung. Diese Auflistung ist allerdings nicht starr, sondern dient mir lediglich als Gedankenstütze.

Welche Textstellen man auswählt, muss man individuell schauen. Verallgemeinert bieten sich meist Textstellen an, in denen …
– der Hauptcharakter der Geschichte vorgestellt wird
– der Antagonist vorgestellt wird
– es besonders spannend zugeht
– der (Haupt-)Konflikt des Charakters sichtbar wird
– es besonders witzig zugeht
Diese Liste ist natürlich erweiterbar.

Es gibt immer Ausnahmen, aber ich rate davon ab, zu lange innere Monologe vorzutragen! Was einen beim Lesen in höchstem Maße in den Bann ziehen kann, kann beim Vortragen ganz gehörig schief gehen. Jeder sollte versuchen, sich an seine Schulzeiten zu erinnern und daran, was ihm am besten gefallen hat: Wenn ein Lehrer die ganze Schulstunde lang vor sich hindoziert hat, oder wenn es Abwechslung und „Action“ gab.
Meist eher Letzteres, oder?
Genau eine solche Mischung empfehle ich deshalb für die ausgewählten Textstellen: Das Verhältnis zwischen Dialogen und Handlung sollte – wie überhaupt fast immer – möglichst ausgewogen sein.

Stellt Euch vor, Ihr wärt der Zuhörer: Was würde Euch bei dem Buch am meisten interessieren? Oder fragt jemanden, der Euer Buch gelesen hat, welche Textstelle er besonders witzig, spannend, interessant fand.
Manche Autoren und Autorinnen haben bei Lesungen Angst, zu viel zu verraten oder schon das beste Pulver zu verschießen, aber das ist Quatsch: Natürlich sollt Ihr nicht schon bei der Lesung verraten, wer den Mord begangen hat, welche Motive der soziopathische Mörder hatte, dass Simon und Nadja zusammenkommen oder Fabian seine Angst überwindet. Aber bis auf die Hauptauflösungen seid Ihr fast vollkommen frei.
Denkt daran, dass die Auswahl Eurer Textstellen die eine Chance ist, Euer Buch den Zuhörern zu präsentieren. Niemand wird Euer Buch kaufen, weil er hofft, dass es noch besser ist, als Ihr es vorgestellt habt, oder?

Zusammenfassung:
– Die Textauswahl richtet sich nach Inhalt und Dauer der Lesung
– Für den Zuhörer hier und heute überflüssige Informationen sollten weggelassen werden
– Frei vorgetragene Übergänge zwischen den Szenen bieten der Stimme des Autors und den Ohren der Zuhörer Erholung
– Die Textstellen sollten sowohl Dialoge, als auch Handlung beinhalten
– Übt die frei vorzutragenden Teile praxisnah – elegant vorformulierte Sätze in Schriftsprache nützen Euch da nichts.
– Lieber die Lesungen fünf Minuten früher beenden, als mit einer Textstelle nicht fertig werden
– Eure Chance, die Leser zu von Eurem Buch zu überzeugen, ist hier und jetzt!

Ich hoffe, das war Euch hilfreich und ich habe jetzt nichts vergessen; ansonsten könnt Ihr einfach per Kommentar nachfragen. 🙂
Im nächsten Teil geht es dann um Dinge, die bei einer Lesung schief gehen können, wie man sie vermeiden kann oder wie man mit ihnen umgeht.

Advertisements

Lektorat, Korrekturat und was davon macht jetzt der Testleser?

Nachdem ich im letzten Beitrag allgemein über Testleser berichtet habe nun die Frage: Was machen die eigentlich?

Zunächst einmal zur Begriffsklärung:
Unter einem Korrekturat versteht man, dass eine Person den Text auf simple Sprachfehler, sprich Grammatik- und Rechtschreibfehler hin untersucht.
Eine menschliche F7-Taste sozusagen, nur – wenn die Person geübt ist – natürlich viel genauer und zuverlässiger, als es ein Softwareprogramm je könnte.
Unter einem Lektorat versteht man – außer die entsprechende Abteilung eines Verlages – die qualitative Prüfung des Textes. Natürlich achtet auch ein Lektor auf Rechtschreib- und Grammatikfehler, jedoch kann das Korrekturat auch bereits im Vorfeld von einer etwas weniger qualifizierten Person übernommen worden sein. Ein Lektor achtet vor Allem auf Inhalt und Stil eines Textes.
Wenn Euer Text ein Speckstein ist, den Ihr mühsam aus einem Berg gehauen habt, ist der Korrekteur die Feile und der Lektor das Schmiergelpapier; Ihr als Autor seid natürlich ebenso beides.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich keinerlei Mühe beim schreiben geben, weil sie meinen, „Das macht doch dann eh der Verlag während dem Lektorat!“
Mal davon abgesehen, dass es „während des Lektorats“ heißen muss, ist mir auch noch kein Mensch mit dieser Einstellung begegnet, der einen Verlagsvertrag bekommen hat; so viel dazu. 😉

Testleser kommen ins Spiel, lange bevor der Text – sei es im Verlag oder bei Selbstverlegern durch einen externen Dienstleister – ins Korrekturat oder Lektorat geht. (Keine Sorge übrigens: Erfahungsgemäß sind immer genug Rechtschreibfehler für alle da. 😉 )
Was aber leisten Testleser jetzt: Ein Korrekturat oder ein Lektorat?

Die Antwort ist eindeutig: Das, was Ihr möchtet!
Nur sollte das jedem klar sein.

Kein Testleser hat Lust, eure Drecksarbeit zu machen. Wer also meint, den Menschen, die einem freiwillig helfen, mal eben die dahingeschlunzte Rohfassung eines Textes, der nur so vor Fehlern strotzt, hinwerfen zu können, wird schon recht bald ohne Testleser dastehen. Fehler passieren immer und werden übersehen, natürlich, aber man sollte sich schon Mühe geben – schon allein aus Respekt gegenüber den Testlesern!

Jeder, der schon einmal Testleser war weiß, was das für eine Arbeit sein kann.Daher sollte von vornherein klar sein, was der Testleser tun soll. b er das dann machen möchte, ist ja ihm überlassen.

Wer nicht gut mit Rechtschreibung und/oder Grammatik zurechtkommt, kann sich natürlich Menschen suchen, die den Text daraufhin untersuchen, natürlich (Ich empfehle übrigens die „Änderungen anzeigen“- und Kommentarfunktionen der gängigen Schreibprogramme). Allerdings zeugt es auch hier von Respekt gegenüber seinen Helfern, mindestens eine automatische Rechtschreibüberprüfung durchlaufen zu lassen!

Denkt ein Testleser, er solle nur auf den Plot achten und sieht er sich dann gezwungen auf  jeder Seite 100 Fehler anstreichen müssen, verliert er sicher bald die Freude. Im Übrigen ist das auch eine Frage der Zeit: Einen vor Fehlern strotzenden Text zu korrigieren dauert sehr lange!

Um zu testen, ob Testleser und Autor gut zusammenarbeiten, ist es ganz wirksam, das Ganze einfach mal anhand von 3, 4 Seiten auszuprobieren.

Nochmal: Was ein Testleser im Endeffekt macht, ist allein Sache zwischen Autor und Testleser, es sollte nur vorher abgesprochen sein!

Eine gute Methode, die Zusammenarbeit zu erleichtern und konstruktiver zu gestalten ist es, sich als Autor vorher zu fragen, was genau man von dem Testleser überhaupt wissen möchte – ganz konkret und nicht so ein Wischiwaschi wie „Lies mal und sag mir, du davon hälst!“ – und dann dem Testleser die ausformulierten Fragen zu stellen.

Hier ein paar Beispiele:
– Ist Charakter X sympathisch?
– Ist der Plot logisch?
– Ist die Entwicklung des Protagonisten Y schlüssig?
– Sind die Szenen A und B spannend?
– Was denkst du an Stelle C, wie es weitergeht?
– Haben dich die Enthüllungen in Kapitel D überrascht?

Und ganz wichtig natürlich auch direkt nach negativen Dingen nachfragen:
– Gibt es Stellen, an denen dir der Text zu langatmig oder langweilig erscheint?
– Sind dir die Charaktere gut ausgearbeitet oder sind sie zu blass?
– War dir eine Wendung vorhersehbar?
usw.

Je gründlicher sich der Autor in Form solcher Fragen vorbereitet, desto detailierter und nützlicher können Testleser Rückmeldung geben!

Zum Abschluss empfehle ich noch, sich hinsichtlich der Sprache abzusprechen. Ich erwähnte im vorherigen Beitrag bereits, dass es gilt, klar zwischen „Arbeit“ und „Privatem“ zu trennen.
Testleser – ich eingeschlossen – neigen zu vorsichtigen Formulierungen, weil sie den Autor nicht verletzen wollen. Blumige Wortgebildemonster wie „Meiner Meinung nach könntest du vielleicht wenn du magst lieber besser …“ sind da keine Seltenheit. Da hilft es, sich von vorneherein zu einigen, dass:
– jede Aussage des Testlesers lediglich SEINE SUBJEKTIVE MEINUNG ist
– jeder als Aufforderung oder Befehl formulierte Satz lediglich EIN VORSCHLAG ist

Demnächst schreibe ich dann noch ausführlich, wie man meiner Meinung nach, die jetzt nicht allgemeingültig sein und auf jeden zutreffen muss, ich will nur mal aufzeigen, wie das für mich allein, also nach meiner ganz subjektiven Wahrnehmung, das muss dann ja jeder für sich selbst wissen,  konstruktive Kritik ausüben kann. Zumindest zeige ich eine Art von vielen auf, nicht, dass ich euch da irgendwie reinreden möchte, ich will nur eine von vielen Möglichkeiten zeigen …., wie man konstruktive Kritik übt. 😉

Spaß mit Rezensionen

Als Autorin warte ich derzeit gespannt auf die ersten Rezensionen zu meinem Buch. Im privaten Bereich habe ich schon erste Rückmeldungen aus Familien- und Freundeskreis sowie von einigen Kollegen, aber die erste „richtige“ Leserbewertung steht noch aus.
Ich bin sehr gespannt, wie „Hexenherz – Eisiger Zorn“ bei den Lesern ankommt und hoffe natürlich auf durchweg positive Rezensionen!

Als Leserin sehe ich Bewertungen dagegen eher gelassen.
„Ein Meisterwerk!“ – „Ein Jahrhundertroman“ – „Hätte noch 1000 Seiten weitergehen können“ lauten nämlich die meisten Rezensionen zu einem Buch, welches ich nach den ersten 30 Seiten nur noch unter Qualen gelesen und schließlich nach der 150. gelesenen Seite genervt weggelegt habe. Es ist mir bis Heute schleierhaft, wie dieses Buch so viele überwiegend positive Bewertungen bekommen konnte; meine Rezension – so ich eine verfassen würde – trüge Wörter wie „Enttäuschend“, „Sterbenslangweilig“ und „Fehlkauf!“ in sich.

Und manchmal sieht es genau anders herum aus: Was ich witzig finde, spannend, anrührend, fesselnd und mitreißend, finden manche einfach nur schlecht.
Kein Wunder: Selbst bei den erfolgreichsten Bestsellern finden sich immer ein paar Rezensenten, die das Buch furchtbar, langweilig, schlecht geschrieben und vorhersehbar fanden.

Wie ist das möglich?

Natürlich kann es sein, dass man sich schlichtweg verschätzt hat und es mit einem Genre oder einer Gattung Text zu tun bekommen hat, die einem nicht liegt. Bestes Beispiel dafür ist mein letzter Fehlkauf, ein waschechter Mary-Sue-Roman (Was genau das ist, ist hier schön erklärt: http://www.dsfo.de/dsfopedia/index.php/Mary_Sue)! Da wundert es natürlich nicht, dass ich das Buch einfach nur schrecklich fand.
Auch einen allzu blutigen Thriller würde ich scheußlich finden, egal wie spannend er ist.

Es beruhigt mich zu wissen, dass auch „die ganz Großen“ negative Rezensionen bekommen, dass manchmal die Geschmäcker einfach nur verschieden sind.

Und natürlich hat jeder von uns nicht nur einen eigenen Geschmack, sondern auch eigene Erfahrungen und Fantasien: Was dem einen völlig nichtssagend ist, kann beim nächsten schon eine Flut an emotionsgeladenen Bildern auslösen.

Manche Bücher polarisieren auch derart, dass deren Bewertungbild so aussehen würde wie mein Abiturzeugnis:
Eine große Spitze ganz oben, eine große Spitze etwas weiter unten und ein bisschen was dazwischen, 😀

Als Autorin tue mich sehr schwer damit, negative Rezensionen abzugeben. Es stecken – im Regelfall – so viel Zeit, Liebe und Herzblut in einem Buch, dass ich das nicht einfach so niedermachen möchte. Daher kann ich es dann oft dabei belassen zu sagen, dass ein Buch einfach nicht meinen Geschmack getroffen hat und gut ist.

Als Leserin muss ich zugeben, dass ich schon so manches Mal wie ein Rohrspatz über ein Buch geschimpft habe. Das bezog sich dann auf ärgerliche Ausnahmen, denen man „anliest“, dass sich da einer weder besondere Mühe noch sonstwas gegeben hat. Langweilige Bücher gibt es zuhauf, aber es zu schaffen, dass ich mich richtig ärgere, ist schon eine Kunst, da gehört schon was zu.

Und jetzt?
Jetzt warte ich weiter auf meine erste offizielle Rezension …

 

PS: Ihr habt noch bis Mitternacht Zeit, bei meiner Buchverlosung mitzumachen! 🙂