Zettel, die (keine) Leben retten

Endlich wieder Blog! Vor lauter Marketingaktionen (Ich werde derzeit so oft interviewt, dass ich gar keine Lust mehr habe, „Ich werde interviewt“ beim Haareföhnen zu spielen, 😉 😀 ) komme ich kaum noch dazu, hier Beiträge zu verfassen. Zudem hält mich der nächste Hexenherzweltroman ziemlich auf Trab.

Worin aber läge der Vorteil, das Blog einer Autorin zu verfolgen, während diese ein Buch schreibt, wenn sie nicht auch über den Schreibprozess schreiben würde?
Eben.
Also heute endlich mal wieder ein Beitrag über das Schreiben.

Ich bin großer Fan von Zetteln. Irgendwo las ich mal vor Jahren einen Tipp für die Menschen, die es abends im Bett nicht schaffen abzuschalten und einzuschlafen: Man solle sich Zettel und Stift neben dem Bett platzieren und etwaige Gedanken aufschreiben, „sich aus dem Kopf schreiben“. Das funktioniert tatsächlich ganz prima, nur dass ich nicht zu Zettel und Stift, sondern zum Handy greife.
Überhaupt notiere ich mir sehr viel in meinem Handy, einfach über die „Termine“-Funktion des Kalenders. Den Alarm setzte ich dann einfach für in ein paar Tagen und wenn mein Handy dann freundlich brummt, kann ich die Notiz übertragen oder den Wecker noch einmal weiterstellen.

Meine Pinnwand ist mir heilig. Jeder gute Gedanke, jede zündende Idee wird auf kleinen Zetteln festgehalten und fachfraulich aufgespießt, siehe Beitragsbild. Falls der ein oder andere hier dazu neigt – wie ich früher – zu denken „Ach, das werde ich mir schon merken!“, so muss ich die- oder denjenigen leider enttäuschen: das wird nichts!
Wenn man nicht gerade Gedächtniskünstler ist, verblassen unsere Erinnerungen mit der Zeit, das ist einfach so (und führt dazu, dass ich sicher bei der Hälfte meiner Uniaufzeichnungen nicht mehr weiß, was ich mir mit den Stichpunkten eigentlich sagen wollte, 😀 ). Es geht doch nichts darüber, Dinge einfach mal VERNÜNFTIG aufzuschreiben – das ist zwar etwa mehr Arbeit, aber die ist eine gute Idee doch wert, oder?

Auch während des Schreibens kommen mir immer wieder Ideen. Oder mir fällt etwas auf, worauf ich unbedingt achten muss.
Ein kleines Beispiel:
Ich  habe eine weibliche Figur mit wunderschönem, langen, roten Haar entworfen. Rund die Hälfte des Buches geht das auch gut, dann jedoch – machen wir es mal ganz klassisch – baut unser Mädel – ich nenne sie einfach mal Susanne – Mist und Frank – ihr Freund – macht mit ihr Schluß.
Susanne stürzt in ein tiefes Loch, durchlebt ein paar typische Phasen nach der Trennung und tut dann, was Frauen oft in so einem Fall tun: sie geht zu m Friseur.
Eine Änderung muss her, ein Neuanfang! Der ist in Susannes Fall nur noch kinnlang und zudem schwarz gefärbt – warum auch nicht.
Dummer Weise jedoch habe ich mich so an Susanne und ihr altes Ich (welches ja nicht einfach so verschwindet) gewöhnt, kenne sie in- und auswendig, dass ich sie vor meinem inneren Auge noch mit langen, roten Haaren visualisiere.
Das ist dumm, wenn man dann etwas schreibt, wobei diese Haare vorkommen: Wenn sie Susanne plötzlich missmutig das Haar zu einem langen Zopf flicht, der einer blutigen Peitsche gleicht … merkt man das als Autor nicht unbedingt, der Leser aber schon.
Deshalb würde ich im Fall einer Susanne ganz einfach nach dem Friseurbesuch auf einen Zettel schreiben: „Susanne jetzt halblange schwarze Haare“. Simpel, aber effektiv.

Im Laufe eines Schreibprojektes sammeln sich so immer mehr und mehr Zettel an meiner Pinnwand an. Habe ich das Buch (vorerst) beendet, erfolgt die Nacharbeit. Die Zettel „abzuarbeiten“ ist wichtiger und fester Bestandteil: Ich nehme mir jeden einzelnen vor und prüfe nach, ob ich mich an das gehalten habe, was darauf steht. Falls nicht, ist es jetzt noch problemlos möglich, das nachzuholen.

Mein makaberster Zettel lautet übrigens „XXX ist tot!!!!“
Der Hintergrund war folgender: Ich hatte bereits mit der Arbeit an dem nächsten Buch begonnen, als mir eine Freundin sagte, sie hätte der Tod von X so traurig gemacht. Ich hielt inne – X ist tot?
Ja, stimmt ja. Leider, denn die Figur war mir sehr ans Herz gewachsen. So gut, dass ich sie beim nächsten Mal wieder unbedingt dabei haben wollte, 😀
(Dass ich den Tod dieser Figur „vergessen“ hatte spricht wohl Bände über die Mortalitätsrate unter meinen Protagonisten, 😀 )

Mittlerweile habe ich schon „angebaut“, weil meine Pinnwand einfach voll ist. Ich spieße gerne Zettel auf, mag aber auch diese kleinen Klebezettel. 🙂
Es ist kein Problem, ein aktuelles Bild hier zu zeigen, meine Notizen sind nämlich in einer der kompliziertesten Geheimschriften codiert, die es gibt: meiner Handschrift! 😉

 

 

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Lektorat, Korrekturat und was davon macht jetzt der Testleser?

Nachdem ich im letzten Beitrag allgemein über Testleser berichtet habe nun die Frage: Was machen die eigentlich?

Zunächst einmal zur Begriffsklärung:
Unter einem Korrekturat versteht man, dass eine Person den Text auf simple Sprachfehler, sprich Grammatik- und Rechtschreibfehler hin untersucht.
Eine menschliche F7-Taste sozusagen, nur – wenn die Person geübt ist – natürlich viel genauer und zuverlässiger, als es ein Softwareprogramm je könnte.
Unter einem Lektorat versteht man – außer die entsprechende Abteilung eines Verlages – die qualitative Prüfung des Textes. Natürlich achtet auch ein Lektor auf Rechtschreib- und Grammatikfehler, jedoch kann das Korrekturat auch bereits im Vorfeld von einer etwas weniger qualifizierten Person übernommen worden sein. Ein Lektor achtet vor Allem auf Inhalt und Stil eines Textes.
Wenn Euer Text ein Speckstein ist, den Ihr mühsam aus einem Berg gehauen habt, ist der Korrekteur die Feile und der Lektor das Schmiergelpapier; Ihr als Autor seid natürlich ebenso beides.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich keinerlei Mühe beim schreiben geben, weil sie meinen, „Das macht doch dann eh der Verlag während dem Lektorat!“
Mal davon abgesehen, dass es „während des Lektorats“ heißen muss, ist mir auch noch kein Mensch mit dieser Einstellung begegnet, der einen Verlagsvertrag bekommen hat; so viel dazu. 😉

Testleser kommen ins Spiel, lange bevor der Text – sei es im Verlag oder bei Selbstverlegern durch einen externen Dienstleister – ins Korrekturat oder Lektorat geht. (Keine Sorge übrigens: Erfahungsgemäß sind immer genug Rechtschreibfehler für alle da. 😉 )
Was aber leisten Testleser jetzt: Ein Korrekturat oder ein Lektorat?

Die Antwort ist eindeutig: Das, was Ihr möchtet!
Nur sollte das jedem klar sein.

Kein Testleser hat Lust, eure Drecksarbeit zu machen. Wer also meint, den Menschen, die einem freiwillig helfen, mal eben die dahingeschlunzte Rohfassung eines Textes, der nur so vor Fehlern strotzt, hinwerfen zu können, wird schon recht bald ohne Testleser dastehen. Fehler passieren immer und werden übersehen, natürlich, aber man sollte sich schon Mühe geben – schon allein aus Respekt gegenüber den Testlesern!

Jeder, der schon einmal Testleser war weiß, was das für eine Arbeit sein kann.Daher sollte von vornherein klar sein, was der Testleser tun soll. b er das dann machen möchte, ist ja ihm überlassen.

Wer nicht gut mit Rechtschreibung und/oder Grammatik zurechtkommt, kann sich natürlich Menschen suchen, die den Text daraufhin untersuchen, natürlich (Ich empfehle übrigens die „Änderungen anzeigen“- und Kommentarfunktionen der gängigen Schreibprogramme). Allerdings zeugt es auch hier von Respekt gegenüber seinen Helfern, mindestens eine automatische Rechtschreibüberprüfung durchlaufen zu lassen!

Denkt ein Testleser, er solle nur auf den Plot achten und sieht er sich dann gezwungen auf  jeder Seite 100 Fehler anstreichen müssen, verliert er sicher bald die Freude. Im Übrigen ist das auch eine Frage der Zeit: Einen vor Fehlern strotzenden Text zu korrigieren dauert sehr lange!

Um zu testen, ob Testleser und Autor gut zusammenarbeiten, ist es ganz wirksam, das Ganze einfach mal anhand von 3, 4 Seiten auszuprobieren.

Nochmal: Was ein Testleser im Endeffekt macht, ist allein Sache zwischen Autor und Testleser, es sollte nur vorher abgesprochen sein!

Eine gute Methode, die Zusammenarbeit zu erleichtern und konstruktiver zu gestalten ist es, sich als Autor vorher zu fragen, was genau man von dem Testleser überhaupt wissen möchte – ganz konkret und nicht so ein Wischiwaschi wie „Lies mal und sag mir, du davon hälst!“ – und dann dem Testleser die ausformulierten Fragen zu stellen.

Hier ein paar Beispiele:
– Ist Charakter X sympathisch?
– Ist der Plot logisch?
– Ist die Entwicklung des Protagonisten Y schlüssig?
– Sind die Szenen A und B spannend?
– Was denkst du an Stelle C, wie es weitergeht?
– Haben dich die Enthüllungen in Kapitel D überrascht?

Und ganz wichtig natürlich auch direkt nach negativen Dingen nachfragen:
– Gibt es Stellen, an denen dir der Text zu langatmig oder langweilig erscheint?
– Sind dir die Charaktere gut ausgearbeitet oder sind sie zu blass?
– War dir eine Wendung vorhersehbar?
usw.

Je gründlicher sich der Autor in Form solcher Fragen vorbereitet, desto detailierter und nützlicher können Testleser Rückmeldung geben!

Zum Abschluss empfehle ich noch, sich hinsichtlich der Sprache abzusprechen. Ich erwähnte im vorherigen Beitrag bereits, dass es gilt, klar zwischen „Arbeit“ und „Privatem“ zu trennen.
Testleser – ich eingeschlossen – neigen zu vorsichtigen Formulierungen, weil sie den Autor nicht verletzen wollen. Blumige Wortgebildemonster wie „Meiner Meinung nach könntest du vielleicht wenn du magst lieber besser …“ sind da keine Seltenheit. Da hilft es, sich von vorneherein zu einigen, dass:
– jede Aussage des Testlesers lediglich SEINE SUBJEKTIVE MEINUNG ist
– jeder als Aufforderung oder Befehl formulierte Satz lediglich EIN VORSCHLAG ist

Demnächst schreibe ich dann noch ausführlich, wie man meiner Meinung nach, die jetzt nicht allgemeingültig sein und auf jeden zutreffen muss, ich will nur mal aufzeigen, wie das für mich allein, also nach meiner ganz subjektiven Wahrnehmung, das muss dann ja jeder für sich selbst wissen,  konstruktive Kritik ausüben kann. Zumindest zeige ich eine Art von vielen auf, nicht, dass ich euch da irgendwie reinreden möchte, ich will nur eine von vielen Möglichkeiten zeigen …., wie man konstruktive Kritik übt. 😉

Ähnliche Ideen – gestohlen oder Zufall?

Um allen Missverständnissen von Beginn an vorzubeugen: NIEMALS würde ich je auf die Idee kommen, die Idee eines Kollegen/einer Kollegin zu stehlen oder solch ein Verhalten gutzuheißen! Ideendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt und wer das macht, ist bei mir sofort unten durch!

Persönlich war ich zum Glück noch nie davon betroffen, aber eine Freundin von mir musste genau wegen solch eines geistigen Diebstahls ihre Doktorarbeit umändern – was über ein Jahr harter Arbeit in den Wind geschossen hat; einer anderen wurde ein (Sachbuch-)Projekt kurzfristig abgesagt, weil ein anderer Autor ein Buch fast identischen Titels und Inhaltes ein paar Monate vorher auf den Markt brachte. Dass sie sich wenige Monate zuvor mit eben genau diesem „Kollegen“ unterhalten und wohl etwas zu viel von ihrem Vorhaben erzählt hat,  kann wirklich niemand für einen Zufall halten.
Der Nachweis ist allerdings schwierig wie unmöglich: Wie will man auch beweisen, wann wer welche Idee hatte, die gleichzeitig so einzigartig und individuell ist, dass man nicht von einem Zufall sprechen kann?

Denn Zufälle gibt es: Es ist schlicht und einfach so, dass Ideen NICHT unendlich sind. Ideen sind im Grunde nichts weiter als Zutaten, aus denen sich die unterschiedlichsten Menüs zaubern lassen.
Reduziert man Ideen auf ihr Wesentlichstes, bleibt nicht viel an Vielfalt übrige, sondern einzig und allein einzelne Zutaten wie Genre, Themen wie Liebe, Tod, Identität, Verlust, Lebenskrise, Aussteiger etc. Da ist die Auswahl tatsächlich sehr begrenzt.
Die Kombination macht`s – und natürlich der Schreibstil.

Ich kenne einige Bücher, die sich sehr ähneln; am besten kann man das anhand von Krimis/Thrillern oder Dystopien vergleichen: Da gibt es einfach mal verdammt viele Bücher, die sich ähneln. Ohne dass ich allerdings automatisch unterstellen würde, dass der eine vom anderen abgeschrieben hat, nur weil sich der Plot (etwa: Geschiedener, leicht übergewichtiger Detektive mit eher düsterem Stimmungsbild verfolgt einen narzisstischen Serienkiller, der ein Problem mit Frauen hat, weil er durch die Schuld seiner Mutter ein Kindheitstrauma erlitt und der irgendwann die Exfrau/Tochter des Detektives bedroht) ähnelt, indem er Klischees bemüht oder aber sich im Gegenteil darum bemüht, mit ihnen zu brechen. Es ist wie in der Musik: Es gibt natürlich Akkorde, die besonders angenehm klingen, doch erst ab einer gewissen Anzahl von Noten(-abstände) gilt eine Tonfolge als „geklaut“.
Und entscheiden muss man im Einzelfall.

Was mich zum Thema „Inspiration“ führt: Alle, die in einer ähnlichen Gesellschaft leben und/oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben, haben ähnliche Empfindungen, sind ähnlichen Einflüssen ausgesetzt. Ist es da so unwahrscheinlich, dass man sich vom Gleichen auf die fast selbe Art inspirieren lässt?
Es verblüfft immer wieder, dass verschiedene Völker weltweit und ohne Kontakt zueinander die gleichen oder einander sehr ähnliche Erfindungen und Entdeckungen gemacht haben. Eben weil sie logisch sind und unserer menschlichen Natur entsprechen. Sprache, Schrift, Bauwerke, Hierarchien und soziale Gefüge, Medizin. Und als Teil jeder Kultur natürlich auch Kunst.
Natürlich sahen die Bildschriften in Südamerika anders aus als in Altägypten; dennoch ist eine Ähnlichkeit weder im Konzept, noch in der Umsetzung zu leugnen.

Lese oder höre ich interessante, außergewöhnliche Fakten, notiere ich sie mir und füge sie dann irgendwie in meine Geschichten ein. Oder – wie Hexenherz-Leser wissen – ich verändere sie. Das steht jedem frei und ist kein Problem.
Und wenn es sich nicht um Fakten, sondern um eine Idee handelt?

Eine Frage ist ja, was es einem überhaupt nützen sollte, die Idee eines anderen zu stehlen?
Immerhin sprechen wir ja nicht von einer genialen Megaerfindung, sondern „nur“ von einer Handlung (Es gibt erstaunlich viele Menschen, die meinen, .man müsse nur eine gute Idee haben, um als Autor erfolgreich zu sein. Es gibt sogar sehr erstaunliche Menschen, die einem ihre Ideen antragen und das Angebot machen, man müsse sie dann „ja nur noch“ aufschreiben, man würde dann in Sachen Gewinn 50/50 machen. Ich denke, dazu schreibe ich noch einmal einen gesonderten Beitrag.).
Wem also würde es nützen, die Geschichte von „Herr der Ringe“, „Harry Potter“ oder einem Thriller zu stehlen?

Schaut man sich die Genre etwas genauer an, stellt man schnell fest: Im Grunde gibt es die Ideen, die hinter diesen Büchern stecken, schon millionen Mal, wenn man sie radikal herunterbricht: Der Kampf Gut gegen Böse / eine unscheinbare Person wird durch Zufall zum Retter der Welt; ein Außenseiter entdeckt an sich besondere Fähigkeiten / ein neuer Schüler kommt an eine Schule für Magie; jemand ermordet Menschen und wird von der Polizei/einem Privatdetektiv gejagt / jemand bedroht einen anderen und wird von der Polizei/einem Privatdetektiv gejagt.
Allein mit diesen Kurzinhalten könnte man sicher die Hälfte der Belletristik im Bereich Fantasy und Thriller beschreiben. Bei Liebesromanen sieht es ähnlich aus.
Geklaut ist deswegen allerdings noch lange nichts.

Der Unterschied liegt in den Feinheiten. Sebastian Fitzek etwa erfindet solch interessante bis abwegige Szenarien in seinen Büchern, dass ich einfach mal behaupte, dass ein ähnliches Buch nur durch Abschreiberei entstehen könnte. Wenn ich meinen Berg an „Einmal-Bücher“* (Krimi oder Thriller) anschaue, muss ich allerdings zugeben, dass das ein rechter Einheitsbrei mit sehr vielen Ähnlichkeiten ist, weil sich einfach sehr viel, aber eben immer etwas anders „im Mix“ gleicht.

Manchmal allerdings … habe ich so meine Zweifel, wo der Zufall aufhört und der Ideendiebstahl anfängt. Wie hier: Man vergleiche die Ausgangssituationen einer auf einer Kurzgeschichte basierenden US-Fernsehserie mit der eines Buches (ebenfalls aus den USA). Ich habe das Buch nicht zuende gelesen, muss allerdings anmerken, dass es zumindest bis zu der Stelle, an dem ich es weggelegt habe, bis auf Genre und die verblüffend ähnliche Ausgangssituation nichts mit der Serie zu tun hat.

In der Fernsehserie hat die Hauptfigur, eine Polizistin, das hyperthymestische Syndrom, seit sie als Kind Zeugin eines Verbrechens wurde, bei dem ihre Schwester ermordet wurde. An das Tatgeschehen selbst kann sie sich allerdings nicht erinnern.
Im Buch hat eine Privatdetektivin das hyperthymestische Syndrom, seit ihrer Schwester vor vielen Jahren verschwunden bzw. eventuell entführt worden ist.

Also doch nur ein Zufall? Nicht so abwegig, wie es klingt:
Ich habe eine weiblicher Person, die Verbrechen löst. Ergo mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit Polizistin oder Privatermittlerin.

Jetzt möchte ich aber, dass sich meine Ermittlerin von der Masse abhebt und über eine außergewöhnliche Fähigkeit verfügt. Dass es etwas mit dem Gedächtnis ist, ist nicht unwahrscheinlich – so viele „normale Superkräfte“ gibt es nun auch wieder nicht.
Dass ein Ermittler außergewöhnlich intelligent ist („Columbo“, „Hercule Pirot“) und über eine extrem hohe Aufmerksamkeit verfügt („Miss Marple“) ist nicht ungewöhnlich und hat sich im Laufe der Jahre zu Fähigkeiten wie einem eidetisches Gedächtnis gesteigert, siehe „Monk“ oder „Psych“. Da ist es nur ein kleiner Schritt, sich für das wirklich faszinierende Hyperthymische Syndorm zu entscheiden. (Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperthymestisches_Syndrom)
Ist die Fähigkeit angeboren? Schwierig. Ein Kind, bei dem sich schon früh das perfekte Gedächtnis gezeigt hätte, würde den Autor in verschiedene Verlegenheiten bringen:

– Geht das überhaupt?
Viele besondere Gedächtnisleistungen werden in Zusammenhang mit der Sprachentwicklung gebracht, weswegen sich Menschen in der Regel auch kaum an ihre ersten 2-3 Lebensjahre erinnern können

– So ein Kind wäre nie im Leben „normal“ aufgewachsen, sondern auf eine Schule für Hochbegabte gekommen. Es wäre gefördert und von Regierungsstellen hofiert worden, wäre vermutlich eher Wissenschaftler oder Superspion (oder Meisterschurke) geworden, als einfach „nur“ Polizistin/Privatermittlerin ohne besonderes Geldvermögen

Um das Ganze also glaubwürdig zu gestalten, liegt der Gedanke nahe, dass sich diese Fähigkeit erst später herausgebildet hat. Und wie erlangt man solche Fähigkeiten?
Durch tragische Ereignisse!
Auch das ist nichts Neues, man denke nur an die Lebensgeschichten der Superhelden.

Diese tragische Ereignis muss allerdings lange zurückliegen, weil sich die Hauptfigur ja schon damit arrangiert hat. Hätte sie die besonderen Fähigkeiten erst kurzfristig bekommen, würde das Buch davon handeln. Soll diese Fähigkeit aber nur „Beiwerk“ sein, um die Handlung aufzupeppen, muss sie etwas weiter in den Hintergrund gebracht werden.

Es braucht also ein tragisches Ereignis, welches länger her ist.
Tragisch ist immer der Tod oder das Verschwinden eines Menschen.
Besonders tragisch ist der Tod, wenn er unvorhergesehen oder durch Gewalt eintritt.
Mord, Totschlag, ein Unfall. Verschwinden, Entführung.
Mord, Totschlag und Entführung sind aktive, von einer anderen Person herbeigeführte Ereignisse, ein Unfall oder ein Verschwinden dagegen eignen sich nur in wenigen Fällen dazu, einem Dritten so sehr die Schuld zu geben, dass man ihn sein Leben lang jagt.
Allein aus diesem Grund entscheiden sich die meisten für den guten alten Mord oder eine Entführung. Oder für die dritte spannende Variante: man weiß nicht genau, was geschah …

Und wem stieß dieses Unglück zu?
Definitiv einer nahestehenden Person; sonst wäre das darin begründete Trauma nicht stark genug gewesen, die „Superkraft“ auszulösen!

Und wer steht einem nah, wer fällt einem als Erstes ein?
Eltern, Freunde und Geschwister.

Eltern sind immer schwierig. Einfach, weil die Person, die am engagiertesten nach der Wahrheit/dem Mörder suchen wird, erstmal der Ehepartner ist.
Bei Freunden wären es die Eltern.
Bei einem Geschwister allerdings kann man sich so richtig schön vorstellen, wie die verzweifelten Eltern irgendwann irgendwie lernen, für sich mit dem Verlust – richtig oder katastrophal falsch (Scheidung, Alkoholmißbrauch, Drogen, Selbstmord) – umzugehen.
Bruder oder Schwester des Opfers zu sein bietet dagegen alle Freiräume, die man braucht: Man kann als Autor den Traumatisierungsgrad beliebig variieren, nahezu alles ist möglich und nachvollziehbar.

Wäre dieses Buch das meine, käme ein weiterer Faktor hinzu: Es mag seltsam klingen (und vielleicht bin ich da auch die Einzige), aber allein der Gedanke, ein Elternteil des Hauptcharakters – welcher bei mir oft identisch mit dem Ich-Erzähler ist – bereitet mir Unbehagen. Ist völliger Blödsinn, ist aber so. Da ich weder einen Bruder, noch eine jüngere Schwester habe, würde ich mich also instinktiv dazu entschließen, eine jüngere Schwester oder einen Bruder umkommen zu lassen. Ist meine Hauptfigur eine Frau, würde ich mich eher für die jüngere Schwester entscheiden; wäre meine Hauptfigur ein Mann … käme es auf andere Umstände an, es würde aber auch eine jüngere Schwester oder einen Bruder treffen.

Zufall also oder Ideenklau, was denkt ihr?

Was allerdings von sowas zu halten ist …. Buchcover 1 und Buchcover 2  vs. Buchcover 3 …? Na ja … ^^

 

 

*Unter einem „Einmal-Buch“ verstehe ich ein solches Buch, das allein davon lebt, dass man herausfindet, wer es getan hat.
Es gibt die Bezeichnung „Whoduneit“ (zu lesen: „Who done it“), die ebenfalls in diese Richtung zielt, sich davon aber unterscheidet.
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Whodunit
Es gibt Bücher, die sind spannend und toll zu lesen, selbst wenn man schon weiß, wer der Täter ist. Einfach, weil sie mit toller Sprache punkten.
Bücher, deren Spannung aber in sich zusammenfällt, sobald man den Täter enttarnt hat, weil sie einfach nichts anderes zu bieten haben/hatten, lese ich dementsprechend auch nur einmal und verschenke/verkaufe sie dann.

Zu meiner großen Verwunderung soll es allerdings auch Menschen geben, die ein Buch prinzipiell nur einmal lesen,  😀