Anders als ich

Diese Tage las ich endlich mal wieder ein richtig gescheites Buch.

„Ein gescheites Buch“ bedeutet bei mir – da ist ja jeder anders – dass ich mich richtig reinschmökern konnte. Mitdenken war angesagt, aber nicht so, dass es anstrengend wurde. Die Handlung bot genügend Sicherheit, um sich stets zurechtzufinden (mit Büchern, die in fiktiven Welten spielen, habe ich manchmal meine Schwierigkeiten und finde leider nicht immer hinein); dennoch gab es eine Menge überraschende Wendungen, die den Spannungsbogen stets aufrecht hielten.

Meine Rezension zu „Wonders Macht“ von meinem lieben Kollegen Mika Jänisen folgt noch.

Was mich aber wieder einmal total begeistert hat ist die Tatsache, dass der Kollege so ganz anders schreibt als ich!

Immerhin spielen unser beider Bücher im heutigen Europa, wir orientieren uns also in Etwa an der selben Welt. Dass dabei inhaltlich etwas total anders herauskommt, ist ebenso logisch wie verblüffend.

Was mich aber wirklich fasziniert ist, dass Mika vom Stil her so ganz anders schreibt als ich!

Es ist heutzutage viel Einheitsbrei unterwegs; gerade in der Prosa sind Schreibstile unterwegs, die ich nicht voneinander unterscheiden könnte, und wenn mein Leben davon abhinge.
Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die mit Absicht „massentauglich“ schreiben; andere wiederum wollen um jeden Preis auffallen, anecken, anders sein.

Ich schreibe, wie ich schreibe. Zumindest, wenn es um Romane geht, bemühe ich mich nicht um einen bestimmten Stil: ich schreibe einfach.
Bei Gedichten, Essays und Kurzgeschichten sieht das schon anders aus. Da spiele ich gerne mit der Sprache herum, probiere Neues aus. Wenn man aus der Ich-Perspektive eines Erzählers schreibt, muss man sich als Autor natürlich diesem Erzähler anpassen. Ein Arzt benutzt ein anderes (Fach-)Vokabular als ein Schreiner. Wer noch nicht lange in Deutschland ist, mag einen noch nicht richtigen Satzbau haben und wer gestresst ist, flucht schonmal wie ein Kesselflicker usw. (Wobei Personen unter 20 vermutlich diesen Ausdruck garnicht mehr benutzen würden).

Dennoch klingt der ganz eigene Schreibtsil – so denn vorhanden – immer durch. Behaupte ich mal. Und weiter behaupte ich mal, dass man den auch nur mit sehr viel Mühe und Not überschreiben kann.

Ich könnte etwa ohne Mühe eine (gute!) Kurzgeschichte schreiben, die aus lauter Bandwurmsätzen besteht. Oder eine, bei der ich die Sprache auf ein Minimum reduziere.

Mal ausprobieren, ich beschreibe einfach mal eine Szene. Erst normal, dann „verbandwurmsatzt“ und dann reduziert.

1. „Normal“:
„Sie seufzte. Der Kaffee in ihrer Tasse war längst kalt geworden. Dennoch nahm sie probehalber eine Schluck. Widerlich, nicht mal mehr lauwarm!
Sie könnte aufstehen, in die Küche gehen und sich einen neuen Kaffee aufbrühen. Doch irgendetwas hielt sie davon ab. War es der graue Himmel, der schon seit Stunden Regentropfen auf die Erde fallen ließ? Der kalte Lufthauch, der immer wieder aus der Ritze unter dem schlecht gedämmten Fensterrahmen zu ihr hinüberwehte und sie stets frösteln ließ? Oder weil sie wusste, dass sie vermutlich auch der nächsten Kaffee über ihre Grübeleien  kalt lassen werden würde?“


2. „Verbandwurmsatzt“
„Ihr Seufzen wurde von dem kalten Lufthauch, der immer wieder zwischen den Ritzen des schlecht gedämmten Fensterrahmens hinkam, weggeweht, ebenso, wie sich der Duft des vormals heißen Kaffees mittlerweile in den Raum verflüchtigt hatte. Der unaufhörliche Regen, der von den grauen Wolken eines tristen Himmels bereits seit Stunden ausgespuckt wurde, wusch nicht nur den Feinstaub aus der Luft, sondern auch, zumindest schien ihr das so, alles an Motivation und Freude aus ihrem Leben.“

(Verflixt: Diese Version gefällt mir gerade viel besser! :D)


3. Kurz und knapp.

„Seit Stunden Regen. Der Kaffee längst kalt. Es zog und sie fröstelte, während sie weiter durch die Fensterscheibe ins Nichts starrte.“


Verflixt, jetzt gefallen mir alle Versionen! 😀

Egal. Hier sieht man hoffentlich deutlich, was ich meine. Jede dieser Versionen hat wie ich finde etwas für sich. Mein „Komfortstil“ ist aber eindeutig die erste Variante. Ich könnte einen Text in einer der andern beiden Formen schreiben, keine Frage, aber würde mich das irgendwann nerven, mir zu anstrengend werden. Schreiben ist immer Arbeit, klar, aber, hm, das wäre in etwa so, als müsste ich den ganzen Tag lang in einem Abendkleid herumsitzen: Mal ist das sicher toll und man fühlt sich großartig! Aber irgendwann sehnt man sich doch nach dem, worin man sich eben auch in Alltagssituationen wohler fühlt.

Ich jetzt behaupte ich einfach wieder mal – ich könnte Mika ja auch einfach fragen, fällt mir da ein, :D.
So, erledigt, und Mika hat meinen Verdacht bestätigt: Er schreibt auch einfach so, ohne darüber nachzudenken.
Wir denken die ganze Zeit nach, WAS wir WIE schreiben; aber dabei geht es um den Inhalt, weniger um den Stil.

Und nun komme ich zu dem, was mich so verblüfft und erfreut: Mika schreibt ganz anders als ich! Ganz anders! Mit ganz anderen Satzkonstruktionsvorlieben. Und mit ganz anderen Inhaltsschwerpunkten.

Logisch, dass auch die Wörter, die wir verwenden, unterschiedlich sind. Aber die Art, wie wir etwas beschreiben und vor allem auch, WAS wir beschreiben, ist so unterschiedlich, dass ich beim Lesen des Buches immer wieder innegehalten und gestaunt habe.

Verschiedene Arten der Beschreibung sind oft der Textgattung geschuldet: In einem Gedicht muss jede Silbe sitzen, in einer Kurzgeschichte (fast) jedes Wort. Da schreibt man „dichter“, es geht ja garnicht anders.
Je länger der Text, desto mehr Zeit hat man als Autor. Schreibt man dennoch „dicht“, kann es sein, dass es dem Leser sehr anstrengend wird, am Ball zu bleiben (siehe „Das Dichte, das Weite und das Dazwischen„).

Eine normale Stadt in Deutschland muss ich dem Leser nicht en Detail beschreiben, eine exotischere Stadt dagegen schon. Oder doch nicht?

Was muss beschrieben werden, was nicht?
Es gibt Autoren und Autorinnen, die sich in ausführlichsten Landschaftsbeschreibungen ergehen. Oder jeden Millimeter eines Bauwerkes verbildlichen. Das äußere Erscheinungsbild einer Person kann knapp, ausführlich oder auch garnicht beschrieben werden.
Die Gefühle einer Person? Auch da unterscheiden sich die Schriftsteller untereinander. Manche beschreiben ausführlich, was ein Protagonist empfindet, andere benutzen nur „Show, don`t tell“, bei dem eigentlich garnichts an Gefühlen erklärt, sondern nur gezeigt wird („Seine Hände begannen zu zittern“ statt „Er hatte Angst“), oder natürlich Mischformen.
Bei Ereignissen wird es noch interessanter, denn sie bieten sich besonders gut für (versteckte) Andeutungen an.

Worauf ein Autor/in seinen/ihr Augenmerk legt, ist aber auch unabhängig vom Inhalt grundverschieden. Wie erkläre ich das nur so, dass Ihr versteht, was ich meine?
Mit einem Rezept!

Ich teile mit Euch mal unser leckeres Gemüse heute. Und das geht so:

Variante 1:
Zutaten (für 3-4 Portionen):
– 1 kleine Weißkohl oder 1/2 großer
– 1-2 Zwiebeln
– 4 Scheiben Schinkenspeck
– 1/2 rote Paprika
– 1 EL Sonneblumenöl
– 1 EL Erdnussöl
– 1 TL Salz
– 1 Ecke Streichkäse

Schneidet Kohl, Zwiebeln, Schinkenspeck und Paprika in kleine Stücke und bratet alles in dem Öl, bis der Kohl durch ist. Anschließend mit Ernussöl und Salz abschmecken und Käse unterrühren. Guten Appetit!


Variante 2:
Nehmt eine Pfanne mit hohem Rand oder einen Wok. Das ist wichtig, damit später beim rühren nichts danebengeht. Wer keine hohe Pfanne oder einen Wok hat, kann auch einen großen Topf nehmen.
Schneidet 1-2 Zwiebeln in kleine Stücke und bratet sie auf mittlerer Heizstufe in ca. 1 Esslöffel Sonnenblumnenöl an. Schneidet eine rote Paprika auf, entfernt die Kerne und die weißen Stellen und schneidet dann eine Hälfte ebenfalls in kleine Stücke. Die gebt ihr dann mit in die Pfanne.
Nehmt jetzt einen kleinen Weißkohl oder einen halben ganzen, entfernt mit einem Messer den Strunk und schneidet ihn in ca. 2x2cm große Stücke. Gebt den Kohl mit in die Pfanne und rührt um.
Jetzt nehmt ihr noch 4 Scheiben Schinkenspeck, schneidet oder reißt sie klein und gebt sie mit in die Pfanne.
Das Ganze muss jetzt ungefähr 30 Minuten garen. Rührt zwischendurch immer mal wieder um. Der Kohl ist dann durch, wenn er sich weich kauen lässt.
Nun gebt noch einen Esslöffel Erdnussöl dazu (das muss aber nicht) und einen halben Teelöffel Salz. Wenn möglich, gebt noch eine Ecke oder 3-4 Teelöffel Streichkäse hinzu. Das Gemüse ist fertig, sobald der Käse geschmolzen und verrührt ist.


Variante 3:
1/2 Weißkohl, 1-2 Zwiebeln, 1/4 rote Paprika und 4 Scheiben Schinkenspeck braten, bis der Kohl durch ist. Anschließend eine Ecke Streichkäse unterrühren und mit Erdnussöl und Salz abschmecken.


Die erste Variante ist zweckmäßig gegliedert und vor allem hilfreich in Sachen Einkaufsliste. Sie setzte voraus, dass die Leser wissen, wann Weißkohl ungefähr durch ist.

Die zweite Variante ist für Kochanfänger bestens geeignet. Auffällig ist hier, dass das Kochgerät beschrieben wird, in Variante 1 dagegen überhaupt nicht. Auch erfährt der Leser nur in der ersten Variante, für wie viele Personen das Gericht gedacht ist.

Variante 3 setzt ebenso wie die erste vorraus, dass die Leser wissen, wie man eine Paprika schneidet bzw. welche Teile man lieber nicht verwendet. Sie geht weiter davon aus, dass die Leserwissen, wie groß ein durchschnittlicher Weißkohl ist. Das Sonnenblumenöl zum braten wird nicht erwähnt; es wird davon ausgegangen, dass das Prozedere eines einfachen Bratvorgangs bekannt ist.

Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Die erste punktet mit ihrer Übersichtlichkeit, ist aber auch recht lang. Noch länger ist die zweite, die mir persönlich zu ausführlich und zeitraubend wäre. Die dritte Variante bietet keine „Einkaufsliste“, ist dafür aber kurz und knackig.

Das Schöne ist: Mit jeder dieser Anleitungen lässt sich eine leckere Gemüsebeilage kochen!

Genauso empfinde ich es auch beim schreiben: Es gibt viele Möglichkeiten, eine tolle Geschichte zu erzählen! Kein Stil ist „der Richtige“ und jeder hat etwas für sich.
Selbst bei gleichem Inhalt – angenommen etwa, Mika und ich sollten beide das Märchen von Hänsel und Gretel als Kurzgeschichte schreiben – kämen mitunter ganz unterschiedliche Sachen dabei heraus.
Weil wir zwar alle irgendwie gleich sind, aber doch jeder anders ist als ich.
Genial, oder?

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Das eckige runde Fahrrad ohne Räder oder Das Ärgernis mit den Formatvorgaben

Wann immer es meine Zeit erlaubt und ich etwas Passendes finde, nehme ich an Schreibwettbewerben teil. Das macht Spaß, ist eine tolle Übung und auch mal eine nette Abwechslung zur Arbeit an einem ganzen Roman.

Was ich NICHT MEHR mache ist an Ausschreibungen teilzunehmen, von denen ich nichts habe. Meine Geschichte wird im Erfolgsfall veröffentlicht? Juchu, das kann ich auch selbst: Hier im Blog, via Facebook oder sonstwas, herzlichen Dank!
Gerade berufsjunge Autoren und Autorinnen werden gern mit „Referenzveröffentlichungen“ geködert und ja, sowas macht sich natürlich gut im Lebenslauf, ABER … wenn man darüber nachdenkt, ist es doch eine ziemliche Frechheit, jemandes Träume und Wünsche auszunutzen und ihn für lau für sich arbeiten zu lassen.
Wer anderer Meinung ist, kann das gerne mit einem anderen Beruf, etwa dem eines Handwerkers vergleichen: Würden Sie, liebe Anthologieausschreiber ohne Honorarzahlung*, auch den Elektriker fragen, ob er nicht einfach umsonst rumkommt und den Herd anschließt? Nein? Wieso denn nicht? Weil der Ihnen etwas husten würde? Und wenn Sie ihm sagen würden, dass Sie sich das nicht leisten können auch? Na sehen Sie …

(*Keine Regel ohne Ausnahme natürlich.)

Zum Glück gibt es aber auch anständige Ausschreibungen, wenn sie auch im Bereich der „Unterhaltungsliteratur“ eher dünn gesät sind …

Viele dieser Ausschreibungen und Schreibwettbewerbe treiben mich aber regelmäßig in den Wahnsinn. Nicht wegen der vorgeschriebenen Themen oder Genre, sondern wegen ihrer saudämlichen (entschuldigt bitte, aber manchmal muss man die Dinge einfach beim Namen nennen) formalen Anforderungen.

Als da wären:

  • „Die Geschichte sollte einen Umfang von X Seiten nicht überschreiten.“

Eine DIN A4-Seite umfasst bei der Schriftart Times New Roman, Schriftgröße 12 Pkt. und 2 cm-Seitenrändern 4.003 Zeichen inklusive Leerzeichen. Ungefähr, aber dazu später mehr. Nutze ich diese Schriftart Courier New, sind es bei gleicher Schriftgröße nur noch 3.550 Zeichen. Knapse ich die Ränder um jeweils einen halben Zentimeter ab, sind es immerhin 3.904 Zeichen. Vollgeschrieben und ohne Absätze und Zeilenumbrüche. Die kann – und sollte man – natürlich nutzen. Ein Brief, den ich die Tage geschrieben habe, kommt da – DIN A4-Seite, 2 cm-Seitenränder – beispielsweise nur auf 2.104 Zeichen.
WENN man also eine Vorgabe in Seitenlängen macht, DANN doch bitte ETWAS genauer!

Zum Glück, so sollte man meinen, gibt es die Normseite. Die Normseite ist definiert als eine Seite mit 30 Zeilen zu je 60 Anschlägen, also 60 Zeichen inklusive Leerzeichen. Soweit, so gut.
Diese wunderbare Erfindung, dieses in der Buchwelt absolut gängige und bekannte Format, wird dann aber wieder von zahlreichen Ausschreibern ad absurdum geführt:

  • „Der Text soll 10.000-12.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) und nicht mehr als 7 Normseiten umfassen.“

Ähm. Nun gut, ich rechne das mal aus: 10.000 Zeichen ergeben – theoretisch – 6 Normseiten, 12.000 Zeichen ergeben 7 (6,666). So weit so gut?
Nein, weil es völliger Blödsinn ist! NATÜRLICH könnte ich meine Geschichte, die 11.798 Zeichen umfasst, jetzt in 6 Normseiten quetschen. ODER ich könnte sie schön und vor allem SINNVOLL formatieren, eben mit Zeilenumbrüchen und Absätzen!
Liebe Ausschreiber: Bei einem solch völligen Quark müsst Ihr Euch nun wirklich nicht wundern, wenn ihr so unförmiges Zeug bekommt wie

„Ich will“, sagt er. „Ich nicht.“ Er kann es nicht fassen. Am nächsten Tag …

Denn für sowas hier:

„Ich will“, sagt er.
„Ich nicht.“
Er kann es nicht fassen.

Am nächsten Tag …

ist ja kein Platz!

Es gibt viele gute Gründe, die Länge eines Beitrages in Seitenangaben anzugeben – aber dann lassen Sie bitte diesen Zeichenquatsch da raus!

Eine weitere „Lieblingsvorgabe“ von mir ist die Kombination zwischen der Normseitenvorgabe und einer jener Schriftarten, bei der die Buchstaben unterschiedlich viel Platz haben:

  • „Der Text sollte 4 Normseiten zu je 30×60 Anschlägen umfassen. Bitte in Times New Roman 12 pt formatieren!“

Wer sich mit Schriftarten nicht auskennt, erkennt im besten Falle nicht, worin der Fehler besteht. Im schlimmsten Fall treibt ihn diese Vorgabe in den Wahnsinn. Denn: Bei der Schriftart Times New Roman sind nicht alle Buchstaben gleich groß!
Was erstmal logisch klingt erweist sich als unmögliche Aufgabe: Es ist nicht (!) möglich, in dieser Schriftart eine gescheite Normseite zu produzieren, denn die Anzahl der Zeichen pro Zeile wechselt mit jeder Zeile!
Ich habe das für Euch mal ein bisschen veranschaulicht:

Falls Ihr also je daran verzweifelt seid, eine Normseite einzurichten: Daran könnte es gelegen haben!

Interessant wird es auch, wenn einem so ziemlich alles vorgeschrieben wird – außer den Seitenrändern!

  • „Der Text sollte 5 Normseiten (30 mal 60 Anschläge, max. 1800 Zeichen, Times New Roman, 12pt, Zeilenabstand 1,5) nicht überschreiten.“

Der Einfachheit halber – siehe oben – ändere ich das jetzt mal auf Courier New 11pt um:

  • „Der Text sollte 5 Normseiten (30 mal 60 Anschläge, max. 1800 Zeichen, Courier New, 11pt, Zeilenabstand 1,5) nicht überschreiten.“

Mir wird also alles vorgeschrieben – nur wie mache ich das?
Ganz einfach: Ich stelle die Schriftart und -Größe und den Zeilenabstand ein. Und dann habe ich ein Problem, denn: Welche Seitenränder soll ich benutzen?

Ich demonstriere das einmal anhand meiner Kurzgeschichte „Der Zweifel“, die Ihr hier lesen könnt. Ich benutze keine spezielle Autorensoftware, sondern ein einfaches Schreibprogramm. Daher hat mein Text die voreingestellten Seitenränder 2 cm. Der Zeilenabstand beträgt 1,5 und die Schrift ist Courier New 11pt.

Jetzt möchte ich das Ganze in das obige Format bringen und erweitere – was soll ich sonst auch machen? – die Seitenränder.
Nach einigem Ausprobieren lege ich die Seitenränder auf je 3,5 cm fest und erhalte so 60 Anschläge pro Zeile – so weit so gut. Fehlen ja nur noch die 30 Zeilen, also geht es den oberen und unteren Seitenrändern an den Kragen.
Ränder von 3,5 cm oben und unten bringen meinen Text auf 34 Zeilen pro Seite. Zu viel. 5 cm oben und unten bringen schließlich die Lösung und fertig ist die Normseite.

Das muss sich aber bitteschön jeder selbst zurecht fukkeln. Wäre es wirklich so schwer, liebe Ausschreibende, wenn Sie das einmal für sich machen und dann mit angeben würden? Was würden Sie uns das Leben erleichtern, wenn Sie uns die zu Ihren sonstigen Vorgaben passenden Seitenränder gleich mit vorgeben würden!

Man soll ja nun bloß nicht glauben, dass man das einmal durchmachen muss und dann hätte man es für immer geschafft, weit gefehlt! Denn dann kommt auch schon die nächste Ausschreibung mit den Vorgaben:

  • “ … 8-10 Normseiten (30 mal 60 Anschläge, Courier New, 11pt, doppelter Zeilenabstand).“

Oder um ein bisschen Schwung reinzubringen:

  • „… zwischen 12 und 15 Normseiten (Schriftart Courier New, 13pt, doppelter Zeilenabstand.)“

Also nochmal: Entweder, liebe Ausschreibende, Sie überlassen alles uns und geben nur eine Zeichenanzahl ODER eine Normseitenzahl vor, oder Sie geben wirklich alles bis hin zu den Seitenrändern vor, das wäre prima!
Und ja, das geht, wie etwa die Leute vom Blogq5 beweisen:
https://blogq5.de/autoren-2/normseiten-warum-brauche-ich-das-ueberhaupt/

(Wer generell Hilfe beim Erstellen einer Normseite braucht, findet per Suchmaschine zahlreiche Anleitungen und auch Vorlagen zum kostenlosen Download wie etwa bei Autor und Schreibcoach Ronny Rindler: https://www.rindlerwahn.de/normseite/)

Ich kann garnicht sagen, wie viel Zeit Kollegen, Kolleginnen und ich schon mit solchen Formatsfukkeleien verschwendet haben!

Und manchmal finde ich dann doch den Beweis – das kann ja unmöglich ernst gemeint sein – dass auch Schreibwettbewerbsausschreiber über Humor verfügen:

  • „Textlänge: Maximal 5 Seiten in Schriftgröße 12“
  • „Der Text sollte dem gängigen Umfang einer Kurzgeschichte entsprechen.“

Oder meinen die das doch ernst …?

 

Adrian und Jenny tratschen über mich

Meine liebe Kollegin Sabrina Wolv hat mich aufgefordert, bei der Challenge „Oktobergeheimnisse – Protagonisten plaudern über ihren Autor“ der lieben Damen Gabi Büttner und Silvia Nagels des Autoren_Netzwerkes mitzumachen.

Die Idee ist auf jeden Fall witzig und da Sabrina bereits zwei meiner Figuren dafür ausgewählt hat – Adrian und Jenny aus „Hexenherz“ – schaue ich jetzt mal, was dabei herauskommt …

1..Erzähl uns etwas über Deine Autorin. Stell sie kurz vor.
Jenny: „Tut mir leid, aber so gut kenne ich Monika gar nicht. Sie ist sehr nett, aber mehr weiß ich eigentlich nicht von ihr.“
Adrian: „Monika ist 34 Jahre alt, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Erfreulicher Weise sind wir einer Meinung, was die Stellung von Mann und Frau angeht. Jeder ist gleich viel Wert und sollte an seinen Taten gemessen werden und nicht an seinem Geschlecht.“

2. Hat deine Autorin Dich gefunden oder du sie?
Adrian: „Sagen wir: wir sind uns über den Weg gelaufen.“
Jenny: „Ich habe Monika über Birgit und Helena kennengelernt.“

3. Wie behandelt sie Dich? Fühlst du Dich respektiert oder ignoriert?
Adrian: „Da bin ich mir nicht sicher. Monika lässt mich zu Wort kommen, das ja, aber ehrlich gesagt hätte ich noch viel mehr zu sagen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie einfach keine Lust auf eine Debatte hat, sondern lieber ihre Ruhe haben will.“
Jenny: „Es tut mir leid, aber ich verstehe die Frage nicht?“

4. Was nervt dich an Deiner Autorin?
Jenny: „Garnichts. Was sollte mich denn nerven?“
Adrian: „Es ist schlimm, dass so viele sterben mussten. Das dürfte aber schwerlich Monikas Schuld sein, das ist vielmehr Folge der ungerechten Gesellschaft, in der wir leben.“

5. Was magst du an Deiner Autorin?
Jenny: „Ich finde Monika sehr nett und mag ihren Humor.“
Adrian: „Tut mir leid, aber könnten wir jetzt bitte über etwas anderes reden? Große Dinge stehen bevor, wichtige Dinge. Die viel bedeutsamer sind als ein einzelner Mensch.“

6. Was sagt die Familie Deiner Autorin dazu, dass er schreibt?
Adrian: „Die findet das gut, soweit ich weiß. Es ist sehr wichtig, von seiner Familie unterstützt zu werden. Leider ist das bei mir nicht der Fall …“
Jenny: „Die freuen sich, glaube ich, dass es so gut läuft.“

7. Ist Deine Autor eher in eine Nachteule oder ein Frühaufsteher? Wie ist ihre Stimmung morgens kurz nach dem Aufstehen?
Jenny: „Oh je.“
Adrian: „Sagen wir mal so: Man sollte Monika erst ansprechen, wenn sie einen Kaffee getrunken hat. Glaub mir, es ist besser so!“

8. Wann ist die produktivste Zeit Deiner Autorin?
Jenny: „Sie denkt ja immer dass das abends wäre …“
Adrian: „Dabei ist es definitiv morgens!“

9. Wie entspannt sich Deine Autorin? Hilfst Du ihr dabei?
Jenny: „Uff, schwierige Frage. Da kann ich eigentlich nichts zu sagen.“
Adrian: „Ich kenne Monika nur entspannt.“

10. Lässt Du Deiner Autorin Zeit zu lesen?
Jenny: „Ich fürchte, kaum. Das tut mir auch sehr leid. Ich weiß ja, wie gern sie liest …“
Adrian: „Man kann nie genug lesen. Aber noch viel wichtiger ist der Dialog untereinander. Meiner Meinung nach sollte Monika lieber mehr Fachliteratur als Romane lesen. Oder noch besser: Veränderungen bewirken. Das Leben ist zu kurz, um auf dem Sofa zu liegen und nichts zu tun. Aber erzähl ihr bitte nicht, dass ich das gesagt habe.“

Soso. Interessant. Hm …