Lektorat, Korrekturat und was davon macht jetzt der Testleser?

Nachdem ich im letzten Beitrag allgemein über Testleser berichtet habe nun die Frage: Was machen die eigentlich?

Zunächst einmal zur Begriffsklärung:
Unter einem Korrekturat versteht man, dass eine Person den Text auf simple Sprachfehler, sprich Grammatik- und Rechtschreibfehler hin untersucht.
Eine menschliche F7-Taste sozusagen, nur – wenn die Person geübt ist – natürlich viel genauer und zuverlässiger, als es ein Softwareprogramm je könnte.
Unter einem Lektorat versteht man – außer die entsprechende Abteilung eines Verlages – die qualitative Prüfung des Textes. Natürlich achtet auch ein Lektor auf Rechtschreib- und Grammatikfehler, jedoch kann das Korrekturat auch bereits im Vorfeld von einer etwas weniger qualifizierten Person übernommen worden sein. Ein Lektor achtet vor Allem auf Inhalt und Stil eines Textes.
Wenn Euer Text ein Speckstein ist, den Ihr mühsam aus einem Berg gehauen habt, ist der Korrekteur die Feile und der Lektor das Schmiergelpapier; Ihr als Autor seid natürlich ebenso beides.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich keinerlei Mühe beim schreiben geben, weil sie meinen, „Das macht doch dann eh der Verlag während dem Lektorat!“
Mal davon abgesehen, dass es „während des Lektorats“ heißen muss, ist mir auch noch kein Mensch mit dieser Einstellung begegnet, der einen Verlagsvertrag bekommen hat; so viel dazu. 😉

Testleser kommen ins Spiel, lange bevor der Text – sei es im Verlag oder bei Selbstverlegern durch einen externen Dienstleister – ins Korrekturat oder Lektorat geht. (Keine Sorge übrigens: Erfahungsgemäß sind immer genug Rechtschreibfehler für alle da. 😉 )
Was aber leisten Testleser jetzt: Ein Korrekturat oder ein Lektorat?

Die Antwort ist eindeutig: Das, was Ihr möchtet!
Nur sollte das jedem klar sein.

Kein Testleser hat Lust, eure Drecksarbeit zu machen. Wer also meint, den Menschen, die einem freiwillig helfen, mal eben die dahingeschlunzte Rohfassung eines Textes, der nur so vor Fehlern strotzt, hinwerfen zu können, wird schon recht bald ohne Testleser dastehen. Fehler passieren immer und werden übersehen, natürlich, aber man sollte sich schon Mühe geben – schon allein aus Respekt gegenüber den Testlesern!

Jeder, der schon einmal Testleser war weiß, was das für eine Arbeit sein kann.Daher sollte von vornherein klar sein, was der Testleser tun soll. b er das dann machen möchte, ist ja ihm überlassen.

Wer nicht gut mit Rechtschreibung und/oder Grammatik zurechtkommt, kann sich natürlich Menschen suchen, die den Text daraufhin untersuchen, natürlich (Ich empfehle übrigens die „Änderungen anzeigen“- und Kommentarfunktionen der gängigen Schreibprogramme). Allerdings zeugt es auch hier von Respekt gegenüber seinen Helfern, mindestens eine automatische Rechtschreibüberprüfung durchlaufen zu lassen!

Denkt ein Testleser, er solle nur auf den Plot achten und sieht er sich dann gezwungen auf  jeder Seite 100 Fehler anstreichen müssen, verliert er sicher bald die Freude. Im Übrigen ist das auch eine Frage der Zeit: Einen vor Fehlern strotzenden Text zu korrigieren dauert sehr lange!

Um zu testen, ob Testleser und Autor gut zusammenarbeiten, ist es ganz wirksam, das Ganze einfach mal anhand von 3, 4 Seiten auszuprobieren.

Nochmal: Was ein Testleser im Endeffekt macht, ist allein Sache zwischen Autor und Testleser, es sollte nur vorher abgesprochen sein!

Eine gute Methode, die Zusammenarbeit zu erleichtern und konstruktiver zu gestalten ist es, sich als Autor vorher zu fragen, was genau man von dem Testleser überhaupt wissen möchte – ganz konkret und nicht so ein Wischiwaschi wie „Lies mal und sag mir, du davon hälst!“ – und dann dem Testleser die ausformulierten Fragen zu stellen.

Hier ein paar Beispiele:
– Ist Charakter X sympathisch?
– Ist der Plot logisch?
– Ist die Entwicklung des Protagonisten Y schlüssig?
– Sind die Szenen A und B spannend?
– Was denkst du an Stelle C, wie es weitergeht?
– Haben dich die Enthüllungen in Kapitel D überrascht?

Und ganz wichtig natürlich auch direkt nach negativen Dingen nachfragen:
– Gibt es Stellen, an denen dir der Text zu langatmig oder langweilig erscheint?
– Sind dir die Charaktere gut ausgearbeitet oder sind sie zu blass?
– War dir eine Wendung vorhersehbar?
usw.

Je gründlicher sich der Autor in Form solcher Fragen vorbereitet, desto detailierter und nützlicher können Testleser Rückmeldung geben!

Zum Abschluss empfehle ich noch, sich hinsichtlich der Sprache abzusprechen. Ich erwähnte im vorherigen Beitrag bereits, dass es gilt, klar zwischen „Arbeit“ und „Privatem“ zu trennen.
Testleser – ich eingeschlossen – neigen zu vorsichtigen Formulierungen, weil sie den Autor nicht verletzen wollen. Blumige Wortgebildemonster wie „Meiner Meinung nach könntest du vielleicht wenn du magst lieber besser …“ sind da keine Seltenheit. Da hilft es, sich von vorneherein zu einigen, dass:
– jede Aussage des Testlesers lediglich SEINE SUBJEKTIVE MEINUNG ist
– jeder als Aufforderung oder Befehl formulierte Satz lediglich EIN VORSCHLAG ist

Demnächst schreibe ich dann noch ausführlich, wie man meiner Meinung nach, die jetzt nicht allgemeingültig sein und auf jeden zutreffen muss, ich will nur mal aufzeigen, wie das für mich allein, also nach meiner ganz subjektiven Wahrnehmung, das muss dann ja jeder für sich selbst wissen,  konstruktive Kritik ausüben kann. Zumindest zeige ich eine Art von vielen auf, nicht, dass ich euch da irgendwie reinreden möchte, ich will nur eine von vielen Möglichkeiten zeigen …., wie man konstruktive Kritik übt. 😉

Der Autor und die Testleser

(Beitragsbild: Rahmspinat an einer Blätterteigpastete, Füllung bestehend aus Hackfleisch, Zwiebeln, Pistazien, gekochtem Schinken, Paniermehl, Ei und den üblichen Gewürzen. Testgegessen und für gut befunden. 🙂 )

An vielen Stellen, an denen es um  das Schreiben geht, heißt es, man solle sich Testleser suchen. Testleser sind auch wirklich eine feine Sache – wenn alles stimmt. Und dieses „alles“ ist so groß, dass ich meist davon absehe, meine Texte von jemanden testlesen zu lassen.
Ich kenne allerdings viele Kollegen und Kolleginnen, die durchweg positive Erfahrung mit Testlesern gemacht haben; ich gönne es ihnen von Herzen!
Denn das ist garnicht so einfach, wie man sich das manchmal vorstellt …

1..Freunde und Bekannte als Testleser
Manchmal lasse ich Kurzgeschichten von Freunden oder mir gut bekannten Kollegen gegenlesen. Sich der Kritik derer zu stellen, die einen mögen, birgt Risiken. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich Jahr für Jahr Menschen vor laufender Fernsehkamera blamieren, weil ihnen die eigene Familie und der eigene Freundeskreis eingeredet hat, sie könnten gut singen?
Damit genau das nicht passiert, muss man Regeln aufstellen. Es muss klar sein, dass der Testleser ehrlich sein soll und dass auch negative Kritik KEINE Auswirkungen auf das private Verhältnis haben wird! Zugegeben fällt es nicht immer leicht, eine klare Linie zwischen „Beruflichem“ und „Privatem“ zu ziehen und nicht „privat“ zu schmollen, wenn die beste Freundin einem was am Text angekrittelt hat, aber da muss man als Autor einfach durch. Oder man umgeht das Ganze und sucht sich eben nur unbekannte Personen zum teslesen.

2. Andere Testleser finden
Das ist zum Glück kaum ein Problem: Zahlreiche Internetforen bieten ausreichend Gelegenheit, testlesewillige Personen zu finden oder einen eigenen Aufruf zu machen. Letzteres hat den Vorteil, dass man interessierte Personen nicht erst aufwändig nach ihren bevorzugten Genre befragen muss. Denn das Genre muss zum Testleser passen! Natürlich, es gibt Menschen, die absoluten Profis, die auch ungeliebte Genre objektiv beurteilen können. Das sind dann die Lektoren.
Aber soweit sind wir ja noch nicht. Der Sinn sich Testleser zu suchen besteht ja darin, das Buch VOR Veröffentlichung bzw. Übersendung an einen Verlag/eine Agentur leserlich zu gestalten. Da macht es wenig Sinn, jemanden eine Liebesgeschichte testlesen zu lassen, der sonst nur Steampunk liest usw.

3. Die Vorgehensweise
Nun habe ich mir also ein paar nette Testleser organisiert – wie geht es weiter? Zunächst muss dringend geklärt sein, in welchem Tempo beide Seiten Kommunikation erwarten. Es gibt Autoren, die ihre Testleser quasi „live“ an der Entstehung ihres Werkes teilhaben lassen und ihnen jedes Kapitel sofort nach Entstehung zusenden. Andere schreiben erst ihre Geschichte zu Ende und servieren sie dann entweder ganz oder eben auch häppchenweise, das kann man ja machen, wie man möchte. Es geht nichts über klare Absprachen! Wichtig ist hier, dass allen Parteien klar ist, wie oft und in welchem ungefähren Turnus neuer Lesestoff bzw. Rückmeldungen zu erwarten sind.

4. Die Dimensionen
Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur mit sogenannten „Alphalesern“, sondern auch mit „Betalesern“ usw. arbeiten, so dass ein bestimmter Leserkreis lediglichdie jeweils erste Fassung zu lesen bekommt, die nächsten immer nur die bereits überarbeiteten Version usw. Man kann also auch das Testlesen nach den Entwicklungsstufen des Textes staffeln. Wäre mir persönlich viel zu aufwendig, das ist wie mit Schreibprogrammen: Manche Schreiber nutzen die tollste, neueste, beste Software mit integriertem Normseitenlaypout, Notizzettelfunktionen, vorgefertigten Charaktersteckbriefen und was es noch alles gibt, anderen reicht zur Not auch ein einfacher Schreib-Editor ohne jeden Schnickschnack. Ist Typsache, das muss jeder für sich entscheiden.

5. Die Kritik der Testleser
Hier wird es nun zum ersten mal richtig, richtig kniffelig. Es gibt Menschen, die sind in Bezug auf ihre Schreiberei dermaßen beratungsresistent, dass man sich fragt, warum man überhaupt um seine Meinung gebeten wurde. Auf der anderen Seite gibt es Schreiber, die sich jede einzelne Kritik zu Herzen nehmen und darauf eingehen. Beides ist Mist!
Wer keine echten Testleser, sondern Fans sucht, wird sich genauso wenig weiterentwickeln wie der, der nicht hinter seinem Text steht!
Ich kenne beide Seiten, habe bei mir schon testlesen lassen und habe selbst testgelesen, und mich mit vielen Kollegen darüber unterhalten und weiß daher, dass sich an dieser Stelle nicht selten viele Autoren von manchen Testlesern trennen und umgekehrt. Ich selbst habe schon erlebt, dass alles gut war, bis ich es wagte, ein klein wenig konstruktive Kritik an einem Werk zu üben – sofort war Schluß mit lustig und ich als Testlerserin unehrenhaft entlassen. Die Kollegin suchte keine ehrliche Meinung, sondern nur Lobhuldelei.
Anders herum musste ich mich auch schon der unangenehmen Wahrheit stellen, dass ein Testleser Recht mit seiner Kritik hatte und ich etwas schlichtweg schlecht geschrieben habe. Ich denke, ich werde zum Thema Kritik noch einen gesonderten Beitrag schreiben, dieses Thema ist wirklich kniffelig und spannend. 🙂

 

Fehlerblindheit 3: Was man gegen Fehler tun kann

Ich denke nicht, dass man immer und überall Fehler vermeiden kann. Wie gezeigt, haben Rechtschreibüberprüfungsprogramme ihre Grenzen und Autoren, Testleser und Lektoren sind nunmal auch nur Menschen.

Wie bereits gezeigt, gibt es 5 Gründe, warum wir Fehler so oft übersehen:

1..Die Betriebsblindheit
2. Die Buchstaben
3. Das menschliche Gehirn
4. Die (Mit-)Gesprochene Sprache
5. Der Bildschirm

Hier nun ein paar hilfreiche Gegenmaßnahmen:

1..Nichts hilft so gut gegen Betrieblindheit wie zeitlicher oder persönlicher Abstand.
Den persönlichen Abstand erreicht man, indem man andere Personen den Text lesen läßt: die Testleser. Sie können das tun, was wir so oft nicht können, und zwar unseren Text nur von Außen betrachten. Daher fallen ihnen Fehler besser und schneller ins Auge, als dem Autor selbst.
Der zeitliche Abstand ist schon schwieriger. Und eigentlich ganz einfach: Den fertigen Text einfach mal ein paar Wochen liegen lassen. Man wird schnell feststellen, dass man beim erneuten lesen plötzlich einen ganz anderen Blickwinkel darauf hat; man hat sich dem eigenen Text entfremdet, so dass man die Möglichkeit hat, das ganze mit anderen Augen zu betrachten. Das mag merkwürdig klingen, klappt aber tatsächlich ganz hervorragend – sofern man die Geduld besitzt oder überhaupt die Zeit dazu hat.

2. Es kann tatsächlich helfen, wenn man für sich persönlich eine andere Schriftart wählt. Da muss man einfach ein bisschen rumprobieren. Ich komme zum Beispiel mit Verdana wesentlich besser zurecht, als mit den üblichen Verdächtigen Times New Roman und Arial Black.

3. Was auf jeden Fall eine verflixt gute Technik ist, ist rückwärts lesen. Dadurch verlieren die Worte ihren Sinnzusammenhang und werden dadurch nicht sofort richtig gelesen. Leider muss ich dazu sagen, dass diese Technik natürlich für kurze Texte sehr gut geeignet ist, man aber bei langen Texten an seine Grenzen stößt.

4. Ein absolutes MUSS ist das Ausdrucken des Textes! Das ist vor allem bei längeren Texten mit Kosten verbunden, die man gerne vermeiden würde. Dennoch finden die meisten Menschen auf diese Art viel mehr Fehler, als allein bei der Kontrolle vorm Bildschirm.

5. Gezielt nach Schwächen suchen! Es gibt in den gängigen Schreibprogrammen diese wunderbare Funktion „suchen“ bzw. „suchen und ersetzen“ – die kann man für sich nutzen!
Wenn ich beispielsweise weiß, dass ich oft „ABend“ statt „Abend“ schreibe, kann ich ja nach „ABend“ suchen lassen; kenne ich meine Schwäche bezüglich der „das/dass“-Schreibung, kann ich auch dies gezielt kontrollieren usw.

An dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweise für alle, die wie ich Fehler auf dem Ausdruck markieren und dann am PC korrigieren: Ich rate jedem, der es mit einem längeren Text zu tun, den Text rückwärts zu korrigieren!
Der Grund ist einfach: Manchmal streicht man im Zuge einer Korrektur ganze (Ab-)Sätze; doch auch, wenn es nur hier und dort ein Wort ist, das eingefügt oder ersetzt wird, läppert sich da Einiges zusammen. Sprich: Was vorher Seite 65 war, ist vielleicht mittlerweile Seite 66 geworden. Das klingt etwas unspektakulär, aber es ist ein enormer Arbeitsaufwand, jedes Mal erst wieder die richtige Zeile, in der sich der Fehler versteckt, zu finden. Man sollte nicht unterschätzen, wie sehr sich Absätze im Zuge der Korrektur verschieben können.